{"id":2943,"date":"2018-11-22T09:35:45","date_gmt":"2018-11-22T08:35:45","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=2943"},"modified":"2018-11-23T09:40:07","modified_gmt":"2018-11-23T08:40:07","slug":"ein-licht-im-dunkeln","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2018\/11\/22\/ein-licht-im-dunkeln\/","title":{"rendered":"Ein Licht im Dunkeln"},"content":{"rendered":"<p>Ars Produktion Schumacher, EAN: 4 260052 382561<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone wp-image-2944\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/N0060.jpg\" alt=\"\" width=\"302\" height=\"299\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/N0060.jpg 600w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/N0060-150x150.jpg 150w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/N0060-300x298.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 302px) 100vw, 302px\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>A Light in the Dark; Schostakowitsch; Nordwestdeutsche Philharmonie, Erich Polz (Leitung), Sabine Weyer (Klavier)<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u201eA Light into the Dark\u201c pr\u00e4sentiert ein Konzertprogramm mit Musik von Dmitri Schostakowitsch, begonnen mit der Festlichen Ouvert\u00fcre A-Dur op. 96. Darauf folgt das Klavierkonzert Nr. 2 F-Dur op. 102 und die Neunte Symphonie Es-Dur op. 70. Es spielt die Nordwestdeutsche Philharmonie unter Erich Polz, am Klavier sitzt Sabine Weyer.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In den letzten Jahren expandierte der Ruhm des 1975 gestorbenen Komponisten Dmitri Schostakowitsch immer weiter. Internationale Bekanntheit erhielt er bereits als Jugendlicher mit seiner Ersten Symphonie, die er als Abschlusswerk f\u00fcr das Konservatorium schrieb. Vom Regime immer wieder verfolgt, f\u00fchrte er ein Leben in Angst, wobei manche Lichtblicke wie der unb\u00e4ndige Erfolg des \u201eLeningrader\u201c Symphonie Nr. 7 umso heller strahlten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine Mystik umgibt die Zahl von neun Symphonien. So viele gro\u00dfe Symphoniker kamen trotz allen Bestrebens nicht \u00fcber sie hinaus, und so verbreitete sich f\u00f6rmlich die Angst, eine Neunte Symphonie zu komponieren, da einen vor Vollendung einer Zehnten der Tod ereilen k\u00f6nnte. Schostakowitsch schrieb, aus Trotz und Unbek\u00fcmmertheit, eine regelrechte Anti-Neunte-Symphonie: Teils traditionell, dann wieder launisch und eigenwillig. An sich w\u00e4re sie \u201eklassisch\u201c viers\u00e4tzig konzipiert, doch Schostakowitsch extrahierte die Largo-Einleitung zum Finale als eigenen Satz; welch ein Scherz, um mit den Erwartungen zu spielen!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Klavierkonzert Nr. 2 schrieb er f\u00fcr seinen Sohn Maxim, der im Alter von 18 Jahren seinen ersten gro\u00dfen Auftritt mit Orchester haben sollte. Die \u00d6ffentlichkeit lobte das Konzert in den h\u00f6chsten T\u00f6nen, w\u00e4hrend es f\u00fcr den Komponisten der Ausgangspunkt einer Schaffenskrise war: Er k\u00f6nne nicht mehr komponieren, schreibe zu homophon und f\u00fcr den Solisten zu leicht. Dass diese Eigenkritik ungerechtfertigt ist, d\u00fcrfte allein die Anzahl an Auff\u00fchrungen und Aufnahmen belegen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Schostakowitsch ist zugleich dankbar wie undankbar zu spielen: Eine Auff\u00fchrung klingt beinahe immer gut; doch dar\u00fcber hinauszugehen, erfordert ein feines Gesp\u00fcr sowohl f\u00fcr die harmonische als auch die melodische Spannung.<br \/>\nSabine Weyer geht virtuos an ihre Klavierstimme heran, setzt auf Klarheit. Dabei nimmt sie den Kopfsatz zu schnell, um darin die markante Klavierstimme noch ausgestalten zu k\u00f6nnen; durch langsameres Tempo h\u00e4tte der Satz verspielter, freier und spritziger sein k\u00f6nnen. Umgekehrt erdr\u00fcckt der Mittelsatz den H\u00f6rer beinahe durch pure Romantik, Weyer nutzt das volle Spektrum an Rubati und Wohlkl\u00e4ngen. Hier w\u00e4re mehr Kontinuit\u00e4t w\u00fcnschenswert gewesen, denn es handelt sich eben nicht um Chopin oder Liszt, sondern um ein Werk des mittleren 20. Jahrhunderts. Din gutes Ma\u00df an Distanz den Feinsinn beleuchtet diese Musik noch einmal ganz anders als schwelgende Vertr\u00e4umtheit; besonders in den rhythmisch vertrackten 3-gegen-2-Passagen. In den Rands\u00e4tzen bleibt Weyer daf\u00fcr pr\u00e4gnant und rhythmisch markant, treibt die Musik immer weiter voran.<br \/>\nAuf durchsichtige Stimmf\u00fchrung achtet auch die Neudwestdeutsche Philharmonie unter Erich Polz. Die einzelnen Solisten stimmen sich aktiv aufeinander ab und das Orchester wirkt allgemein ausgewogen. Selbst in den gro\u00dfen Tutti-Passagen kippt der Klang nicht in Krach, sondern beh\u00e4lt Kraft und Volumen. Daf\u00fcr fehlt manchmal dieser ewige Precipitato-Trieb nach vorne, der den S\u00e4tzen (auch, und gerade sogar, den langsamen!) eine Linearit\u00e4t und Struktur hin zu einem Ziel der Erf\u00fcllung verleiht. Gelungen sind die Kontraste im ersten Satz der Neunten Symphonie zwischen \u201aaltbacken\u2018-klassisch und aufbegehrend neut\u00f6nerisch. Ebenso hinrei\u00dfend die Spielfreude und Leichtigkeit in der Festlichen Ouvert\u00fcre.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>[Oliver Fraenzke, Oktober 2018]<\/strong><\/p>\n<pre><a href=\"https:\/\/partner.jpc.de\/go.cgi?pid=116&amp;wmid=cc&amp;cpid=1&amp;target=https:\/\/www.jpc.de\/jpcng\/classic\/detail\/-\/art\/klavierkonzert-op-102-sinfonie-9-op-70\/hnum\/8722626\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><strong><img class=\"alignnone wp-image-2944\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/N0060.jpg\" alt=\"\" width=\"100\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/N0060.jpg 600w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/N0060-150x150.jpg 150w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/N0060-300x298.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/>\u00a0\u00a0 Bestellen bei jpc<\/strong><\/a><\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ars Produktion Schumacher, EAN: 4 260052 382561 A Light in the Dark; Schostakowitsch; Nordwestdeutsche Philharmonie, Erich Polz (Leitung), Sabine Weyer (Klavier) \u201eA Light into the Dark\u201c pr\u00e4sentiert ein Konzertprogramm mit Musik von Dmitri Schostakowitsch, begonnen mit der Festlichen Ouvert\u00fcre A-Dur op. 96. 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