{"id":297,"date":"2015-12-10T22:30:30","date_gmt":"2015-12-10T21:30:30","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=297"},"modified":"2015-12-10T22:31:27","modified_gmt":"2015-12-10T21:31:27","slug":"die-reise-zu-busch-geht-weiter","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2015\/12\/10\/die-reise-zu-busch-geht-weiter\/","title":{"rendered":"Die Reise zu Busch geht weiter"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: center\">Adolf Busch (1891-1952)<br \/>\nKammermusik CD 2<br \/>\nBettina Beigelbeck<br \/>\nBusch Kollegium Karlsruhe<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Toccata Classics\u00a0 TOCC0293<br \/>\n5 060113442932<\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/Ulrich6.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-medium wp-image-298\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/Ulrich6-300x298.jpg\" alt=\"Ulrich6\" width=\"300\" height=\"298\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/Ulrich6-300x298.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/Ulrich6-150x150.jpg 150w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/Ulrich6.jpg 600w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Divertimento f\u00fcr Klarinette, Oboe und Englischhorn op.62b (1944)<br \/>\nSonate in A-Dur f\u00fcr Klarinette und Klavier op. 54 (1939, rev. 1940)<br \/>\nSuite in d-Moll f\u00fcr Klarinette solo op.37a (1926)<br \/>\nHausmusik: Duett No. 2 f\u00fcr Violine und B-Klarinette op.26b (1921)<br \/>\nF\u00fcnf Kanons in Unisono f\u00fcr drei Instrumente, BoO 60 (1949)<br \/>\nHausmusik: Deutsche T\u00e4nze f\u00fcr B-Klarinette, Violine und Violoncello op.26c (1921)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Mit der zweiten CD mit Kompositionen von Adolf Busch \u2013 den meisten nur als einer der \u00fcberragenden Geiger des 20. Jahrhunderts bekannt \u2013 f\u00fcllen Bettina Beigelbeck und das Kollegium Karlsruhe eine weitere L\u00fccke im Schaffen des als Komponist immer noch allzu unerschlossenen Geigers, neben Fritz, Hermann, Willi und Heinrich der genialste von f\u00fcnf Br\u00fcdern.<br \/>\nEs beginnt mit einem sehr aparten, sechss\u00e4tzigen Divertimento f\u00fcr Klarinette, Oboe und Englischhorn aus dem Jahr 1944, als Adolf Busch l\u00e4ngst nach Amerika ausgewandert war und dort eben mit anderen Kollegen seine Projekte realisierte. Die seltene Besetzung der drei Holzbl\u00e4ser vereinigt aufs Sch\u00f6nste die verschiedenen Klangfarben, die Themen sind sowohl vom Melodi\u00f6sen als auch vom Rhythmischen her kleine Kostbarkeiten. Wobei das dunkelget\u00f6nte Englischhorn die Bassfunktion hat. Zum Abschluss wird der erste Satz noch einmal wiederholt und gibt so dem ganzen St\u00fcck eine\u00a0 gelungene zyklische Struktur.<br \/>\nDie 1939 entstandene und 1940 revidierte Sonate f\u00fcr Klarinette und Klavier, die Busch auch seiner Freundschaft mit dem englischen Klarinettisten Reginald Kell (1906-1981)<br \/>\n\u201everdankt\u201c, wie auch seinem legend\u00e4ren Duo-Partner und Schwiegersohn Rudolf Serkin (1903-1991), ist ein Schwergewicht in drei S\u00e4tzen und dauert auch fast eine halbe Stunde. Bettina Beigelbeck und der Pianist Manfred Kratzer spielen das Allegro ma non troppo, das Scherzando vivace und das Grave, Adagio espressivo e cantabile, Allegretto, Molto Allegro \u2013 quasi presto mit der entsprechende Hingabe und lassen diese Komposition als ein Hauptwerk f\u00fcr diese Besetzung aufscheinen. Beiden Partien sind alle m\u00f6glichen virtuosen und umfassend musikalischen Schwierigkeiten einkomponiert, die aber den melodischen und musikalischen Fluss niemals st\u00f6ren oder zum Selbstzweck werden. Die Kombination Klarinette und Klavier hat ja durchaus schon l\u00e4ngere Tradition, man denke an Schumann oder an Saint-Sa\u00ebns, Draeseke, Reger und andere.<br \/>\nIn der Suite in d-Moll f\u00fcr Klarinette solo w\u00fcnschte ich mir noch mehr Gelassenheit und befreiten linearen Fluss, der den Intervallen, die ja auf der Klarinette vollkommen m\u00fchelos zwischen Extremlagen springen k\u00f6nnen (ein besonderes Merkmal dieses so wundervoll singen-k\u00f6nnenden Instruments), mehr Gerechtigkeit widerfahren lie\u00dfe. Sie sind ja doch das A und O dieser viers\u00e4tzigen Suite, die mich\u00a0 daran erinnert, dass auch Igor Strawinsky (1882-1971) drei St\u00fccke f\u00fcr Klarinette solo komponierte, die ich einmal mit Ralph Manno (geb. 1964) in staunenswerter Auff\u00fchrung h\u00f6rte.<br \/>\nDass Adolf Busch den Terminus \u201eHausmusik\u201c und St\u00fccke dieser Art nicht verschm\u00e4hte, war schon bei der nicht weniger lohnenden ersten CD mit Kammermusik mit Klarinette zu h\u00f6ren. Auch hier stehen vier Duette f\u00fcr Klarinette und Violine, von 1921, an. Wieder\u00a0 die ber\u00fchrende Melodik zweier sehr gut zu einander passenden Instrumente, die diesen St\u00fccken eine Leichtigkeit geben, die zum Nachspielen durchaus reizt. Es mag Hausmusik sein, allerdings auf hohem Niveau.<br \/>\nAuch die f\u00fcnf Unisono-Kanons f\u00fcr drei Instrumente von 1949 \u2013neben der Klarinette sind auch zwei Oboen mit von der Partie \u2013, als Geschenk zu Weihnachten f\u00fcr Buschs zweite Frau Hedwig (1916-2006) komponiert, sind Hausmusik im eigentlichen Sinne, jedoch gespickt mit Herausforderungen, sowohl was das Zusammenspiel als auch was die technischen Schwierigkeiten anbelangt.<br \/>\nAuch als \u201eHausmusik\u201c deklariert sind die Deutsche T\u00e4nze aus dem Jahr 1921, das f\u00fcr Busch sowieso ein wichtiges war, denn zum ersten Mal ging er da zu Aufnahmen ins Schallplattenstudio. Au\u00dferdem entstand damals sein Violinkonzert a-Moll.<br \/>\nMit einem \u201egem\u00fctlichen\u201c Walzer beginnen sie, sehr \u201cgroovy\u201c, ein wundersch\u00f6nes St\u00fcck f\u00fcr die drei Instrumente. Der Walzer f\u00fchrt dann unmittelbar in ein humoristisches Vivace \u00fcber, das wiederum von einer Walzer-Reminiszenz abgel\u00f6st wird, der ein poco tranquillo folgt und melancholische T\u00f6ne bringt, die allerdings schnell einer erneut walzerseligen Stimmung weichen. \u00c4u\u00dferst h\u00f6renswert, durchaus auch wieder zum Nachspielen reizend, ist diese kleine Folge von fast biedermeierlichen und durchaus nicht im Tiefsinn versinkenden T\u00e4nze.<br \/>\nAlso nicht nur als ph\u00e4nomenaler Geiger, dessen Beethoven- und Mozart-Einspielungen bis heute G\u00fcltigkeit haben (neben unz\u00e4hligen anderen Aufnahmen, die Adolf Busch auch einmal zusammen mit seinem Bruder, dem Dirigenten Fritz Busch, machte), ist Adolf Busch eine Erscheinung von Ausnahmerang, und es wird Zeit, dass er auch als Komponist seinem Rang entsprechend wahrgenommen wird, wof\u00fcr die ausgezeichnete Klarinettistin Bettina Beigelbeck und ihre vortrefflichen Mitstreiter nun eine wahrhaft scharf geschliffene Lanze gebrochen haben. Beide CDs (Nr. 1 und 2) sind ein bravour\u00f6ser Beginn und lassen auf Weiteres nachdr\u00fccklich hoffen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>[Ulrich Hermann, Dezember 2015]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Adolf Busch (1891-1952) Kammermusik CD 2 Bettina Beigelbeck Busch Kollegium Karlsruhe Toccata Classics\u00a0 TOCC0293 5 060113442932 Divertimento f\u00fcr Klarinette, Oboe und Englischhorn op.62b (1944) Sonate in A-Dur f\u00fcr Klarinette und Klavier op. 54 (1939, rev. 1940) Suite in d-Moll f\u00fcr Klarinette solo op.37a (1926) Hausmusik: Duett No. 2 f\u00fcr Violine und B-Klarinette op.26b (1921) F\u00fcnf &hellip; <a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2015\/12\/10\/die-reise-zu-busch-geht-weiter\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Die Reise zu Busch geht weiter<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":4,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[13],"tags":[278,275,276,277],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/297"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=297"}],"version-history":[{"count":2,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/297\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":300,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/297\/revisions\/300"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=297"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=297"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=297"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}