{"id":3003,"date":"2019-01-06T11:53:55","date_gmt":"2019-01-06T10:53:55","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=3003"},"modified":"2019-01-06T11:54:23","modified_gmt":"2019-01-06T10:54:23","slug":"3003","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2019\/01\/06\/3003\/","title":{"rendered":"Ein geniales Trio eines 13-j\u00e4hrigen"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Klaviertrios Erich Wolfgang Korngold \/Alexander Zemlinksy<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Stefan Zweig Trio<\/strong> (Sibila Konstantinova: Klavier; Kei Shirai: Violine; Tristan Cornut: Violoncello)<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image is-resized\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/N0069.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3004\" width=\"324\" height=\"324\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/N0069.jpg 600w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/N0069-150x150.jpg 150w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/N0069-300x300.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 324px) 100vw, 324px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>ARS Produktion, ARS 38 264; EAN: 4 260052 382646<\/p>\n\n\n\n<p>Wunderkinder gibt es einige in der Musikgeschichte. Aber wie kann im Falle von Erich Wolfgang Korngold ein gerade 13j\u00e4hriger, abgesehen von seiner extremen Begabung, noch so weit in die Zukunft schauen? Korngold sog in seinem Trio aus dem Jahr 1910 den Geist der Sp\u00e4tromantik auf, um ihn in etwas Neues zu verwandeln. Er vereinte die Farbenvielfalt eines Richard Strauss mit der k\u00fchlen Formstrenge der zweiten Wiener Schule, nutzte all dies, um sich in eigene kompositorische Abenteuer zu st\u00fcrzen. Aber nie aus Selbstzweck, sondern um eine komplexe Empfindungswelt abzubilden &#8211; und die kann auch heute angesichts des zarten Alters seines Urhebers fassungslos machen.<\/p>\n\n\n\n<p>Korngolds aufregende Mischung aus tiefer Subjektivit\u00e4t gepaart mit bestechender Eloquenz ist f\u00fcr das Wiener Stefan Zweig Trio gerade herausfordernd genug. Bei dem aus Paris stammenden Cellisten Tristan Cornut, dem japanischen Geiger Kei Shirai und der bulgarischen Pianistin Sibila Konstantinova n\u00e4hren verschiedene kulturelle Hintergr\u00fcnde eine leidenschaftlich betriebene\u00a0 gemeinsame Sache. Wenn die drei sich auf diesen Notentext st\u00fcrzen, steigert sich jene elektrisierende Ambivalenz auf\u00a0 H\u00f6chstlevel, wie sie in dieser fr\u00fchreifen Komposition mit ihren st\u00e4ndig kontrastierenden Stimmungszust\u00e4nden angelegt ist. Das Klavier malt den Melodienbogen des ersten Themas mit jener schwelgerischen Duftigkeit einer langsam untergehenden Fin de Siecle\u2013Dekadenz, aber es wird weiter und m\u00e4chtiger ausgeholt &#8211; mit noch mehr bedr\u00e4ngender Wucht, bevor wieder vers\u00f6hnlich, ja gerne auch jugendlich-schw\u00e4rmerisch Atem geholt wird. Man hat beim Spiel des Stefan Zweig Trios das Gef\u00fchl, Korngolds Komposition stellt hier nun ein Sprungbrett dar, vom dem sich drei mutigen Spieler in st\u00fcrmischeren Ozean voller Gef\u00fchlswogen und ebensolcher tiefer Wellen-T\u00e4ler hinein st\u00fcrzen.<\/p>\n\n\n\n<p>So viel darstellerische Konsequenz setzt sich in s\u00e4mtlichen Tracks dieser Super-Audio-CD fort und erf\u00e4hrt in jedem Satz immer neue Auspr\u00e4gungen. Das Scherzo ist gespickt mit fragmentarischen Ideen und verspielten kontrapunktischen Geniestreichen, die unter dem Zugriff des Stefan Zweig Trios manchmal gar ironisch wirken, als w\u00fcrde hier der franz\u00f6sische Neoklassizismus vorweg genommen. Immer wieder offenbart sich gro\u00dfe Darstellungskraft auf engem Raum: Emphatisch breiten sich Violinrezitative \u00fcber zusammengeballte Pianoakzente aus, ebenso wirken die sonoren Cellokantilenen von Tristan Cornut. Immer wieder verbl\u00fcfft die Flexibilit\u00e4t, in fliegendem Wechsel in ganz unterschiedliche Aggregatzust\u00e4nde einzutauchen, die in diesem Meisterwerk auf engem Raum beieinander liegen und von diesen Spielern lustvoll ausgereizt werden. Und auch der Finalsatz ist Fantasie-Labyrinth und aussagekr\u00e4ftiges Psychogramm zugleich. Wie kann einem 13-j\u00e4hrigen so vieles bewusst gewesen sein? Diese drei jungen Musiker vom Stefan Zweig Trio sind sich auf jeden Fall den disparaten Seelenregungen dieses Meisterwerkes bewusst.<\/p>\n\n\n\n<p>Zwischen Tradition und Moderne, gibt es gerade im ersten\nJahrzehnt des 20. Jahrhunderts so viele aufregende Gratwanderungen zu\nentdecken. Auch das zweite gro\u00dfe Werk dieser CD erf\u00fcllt diesen Aspekt,&nbsp; auch wenn hier jedoch eher die kontemplative\nR\u00fcckschau erfahrbar wird:&nbsp; Zwar hat\nAlexander Zemlinsky einem der wichtigsten Modernisierer, Arnold Sch\u00f6nberg den\nWeg bereitet, aber dabei auch so ganz aus der Tradition von Johannes Brahms\ngesch\u00f6pft. Vor allem letztere Aspekt ist Sache von Zemlinskys Trio aus dem\n1901. Das Stefan Zweig Trio besinnt sich mit ganzer Seele darauf, worum es hier\ngeht: Da wird gro\u00dfes, dichtes Gef\u00fchlskino gleich im ersten Satz aufgeboten, wo\nsich diese drei Stimmen zum intensiv aufbrandenden, dann wieder innig\nschwelgenden \u00dcber-Instrument vereinen. Man kann hier gut und gerne l\u00e4nger den\ndurchgehenden Bogen, den steigerbaren Fluss der Emotionen aufbauen und sp\u00e4ter,\ngerne in harmonisch dunklen Farben &#8211; zur Reflexion und zum Verweilen\nauffordern, was vor allem durch das ausgesprochen in sich ruhende Klavierspiel\nvon Sibila Konstantinova herbeigef\u00fchrt wird. Schlie\u00dflich bringt der rasante Finalsatz\nmit seinem punktierten Bewegung nochmal die wesentliche Qualit\u00e4t dieses Trios\nauf den Punkt: Eine grenzenlose, zugleich tief gr\u00fcndende Spiellust, welche f\u00fcr\njedes Abenteuer &#8211; egal ob fr\u00fchreif oder nicht &#8211;&nbsp;\nbereit steht.&nbsp; <\/p>\n\n\n\n<p><strong>[Stefan Pieper, Januar 2019]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Klaviertrios Erich Wolfgang Korngold \/Alexander Zemlinksy Stefan Zweig Trio (Sibila Konstantinova: Klavier; Kei Shirai: Violine; Tristan Cornut: Violoncello) ARS Produktion, ARS 38 264; EAN: 4 260052 382646 Wunderkinder gibt es einige in der Musikgeschichte. 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