{"id":3010,"date":"2019-01-12T18:43:23","date_gmt":"2019-01-12T17:43:23","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=3010"},"modified":"2019-01-12T18:43:30","modified_gmt":"2019-01-12T17:43:30","slug":"orchestermusik-aus-portugal","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2019\/01\/12\/orchestermusik-aus-portugal\/","title":{"rendered":"Orchestermusik aus Portugal"},"content":{"rendered":"\n<p>Naxos, 8.573903; EAN: 7 47313 39037 3<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image is-resized\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/N0070.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3011\" width=\"260\" height=\"258\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/N0070.jpg 600w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/N0070-150x150.jpg 150w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/N0070-300x298.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 260px) 100vw, 260px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><em>Nachdem der portugiesische Dirigent \u00c1lvaro Cassuto bereits die sechs Symphonien und andere gro\u00dfe Orchesterwerke seines Landsmannes und Freundes Joly Braga Santos (1924-1988) eingespielt hat, setzt er nun die Reihe fort: Auf der neuesten CD finden sich die zwei Symphonischen Ouvert\u00fcren op. 8 und op. 11 (Lisboa. Abertura Sinf\u00f3nica), das Pr\u00e4ludium zu Viver ou Morrer op. 19, die vier kleinen St\u00fccke Pastoral, Romance, Symphonisches Pr\u00e4ludium und Intermezzo sowie das Klavierkonzert op. 52. Cassuto dirigiert das Royal Liverpool Philharmonic Orchestra, den Solopart \u00fcbernimmt Goran Filipec.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Musik aus Portugal gilt hierzulande regelrecht als Rarit\u00e4t,\nweder bei Konzerten, noch auf CD-Produktionen programmiert man die gro\u00dfen\nKomponisten des Landes: Bomtempo, Freitas Branco, Emmanuel Nunes \u2013 oder Joly\nBraga Santos. \u00c1lvaro Cassuto setzt sich aktiv f\u00fcr die Komponisten seines\nHeimatlandes ein und spielte f\u00fcr Naxos und Marco Polo eine ganze Reihe an CDs\nein, die ausschlie\u00dflich portugiesische Musik beinhalten.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Werke der vorliegenden Aufnahme gliedern sich in drei\nzeitliche Abschnitte. In den ersten fallen die beiden Symphonischen Ouvert\u00fcren\n(1946\/1947) und das Pr\u00e4ludium zur dramatischen Oper Viver ou Morrer (1952). Die\nerste Ouvert\u00fcre ist gleichzeitig Braga Santos\u2018 erstes Orchesterwerk, zeigt\njugendlichen Flair und verstr\u00f6mt Energie. Bereits reifer gibt sich die zweite\nOuvert\u00fcre, welche mit bildlichen, opernhaften Effekten aufwartet,\nbeispielsweise einem silbrigen Nebelschimmer in der Introduktion und einem\nFreiheit verk\u00fcndenden Rhythmus zu Beginn des Hauptteils. Die Opernouvert\u00fcre\nkontrastiert die vorherigen Werke durch den d\u00fcsteren Ton und durch dramatisches\nAufbegehren. Diese fr\u00fchen Werke strotzen allesamt vor Leidenschaft und spr\u00fchen\nvor Ideen, k\u00f6nnen allerdings nur schwerlich die gro\u00dfe Form stringent\ndurchschreiten, sie biegen immer wieder ab und schweifen aus. In Folge dessen\nging Braga Santos zun\u00e4chst nach \u00d6sterreich zu Hermann Scherchen und sp\u00e4ter nach\nItalien zu Virgilio Mortari, um bei ihnen zu studieren und neue Musik\nkennenzulernen. Nach dieser Reise schrieb Braga Santos vorerst keine\ngro\u00dfformatigen Werke mehr und beschr\u00e4nkte sich auf Miniaturen: Von diesen\nliegen hier die Pastorale, die Romanze, das Symphonische Pr\u00e4ludium (je 1955)\nund das Intermezzo (1956) vor. Diese Werke bestechen durch ihre\n\u00dcbersichtlichkeit und den gest\u00e4rkten Bezug in der Form. Aus dem dritten\nzeitlichen Abschnitt h\u00f6ren wir das Klavierkonzert (1973), welches die tonalen\nund modalen R\u00e4ume verl\u00e4sst und eigene, freie Formen sucht. Auf einen hektisch\nwilden Kopfsatz folgt ein abstraktes Largo voller orchestraler Feinheiten und\nKlangfarben; das Finale birgt hinrei\u00dfende Instrumentenkombinationen und pr\u00e4sentiert\neinzigartige Wechselspiele zwischen Klavier und Orchester.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Hingabe an die Musik von Braga Santos ist in den\nDarbietungen durch \u00c1lvaro Cassuto nicht zu \u00fcberh\u00f6ren, er mei\u00dfelt unz\u00e4hlige\nDetails und Klangfarben aus den Orchesterstimmen heraus, das Royal Liverpool\nPhilharmonic Orchestra l\u00e4sst sich von dieser Begeisterung anstecken. Am\nwenigsten \u00fcberzeugen die drei fr\u00fchen Werke, deren Emphase nicht bis zum H\u00f6rer\ndurchdringen mag; der mitrei\u00dfende Drang der H\u00f6hepunkte bleibt irgendwo zwischen\nLautsprecher und Ohr auf der Strecke und erreicht einen nicht vollst\u00e4ndig. So\nverliert man sich schnell in den ausschweifenden Formen. Umso pr\u00e4gnanter und\nbezwingender gestalten sich daf\u00fcr die sp\u00e4teren Werke: Die vier Miniaturen\nverzaubern mit ihrem Charme und das Klavierkonzert packt den H\u00f6rer, schleift\nihn durch eigenwillige Klangwelten und l\u00e4sst ihn selbst nach dem Schlusston nur\nwiederwillig wieder los, in die reale Welt zur\u00fcckzukehren. Goran Filipec gl\u00e4nzt\nals Virtuose und als aufmerksamer Musiker, der sich nahtlos in das dichte\nGeflecht des Orchesters einf\u00fcgt, als primus inter parens \u2013 und das selbst in\nsolch einem voll auf den Solisten ausgelegten Konzert.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>[Oliver Fraenzke,\nJanuar 2019]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Naxos, 8.573903; EAN: 7 47313 39037 3 Nachdem der portugiesische Dirigent \u00c1lvaro Cassuto bereits die sechs Symphonien und andere gro\u00dfe Orchesterwerke seines Landsmannes und Freundes Joly Braga Santos (1924-1988) eingespielt hat, setzt er nun die Reihe fort: Auf der neuesten CD finden sich die zwei Symphonischen Ouvert\u00fcren op. 8 und op. 11 (Lisboa. 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