{"id":302,"date":"2015-12-12T15:15:24","date_gmt":"2015-12-12T14:15:24","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=302"},"modified":"2015-12-12T15:15:24","modified_gmt":"2015-12-12T14:15:24","slug":"weihnachten-auf-hohem-niveau","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2015\/12\/12\/weihnachten-auf-hohem-niveau\/","title":{"rendered":"Weihnachten auf hohem Niveau"},"content":{"rendered":"<p>audite 95.741; ISBN: 4 022143 957412<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/Vom_Himmel_hoch_Cover.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-medium wp-image-303\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/Vom_Himmel_hoch_Cover-300x300.jpg\" alt=\"Vom_Himmel_hoch_Cover\" width=\"300\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/Vom_Himmel_hoch_Cover-300x300.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/Vom_Himmel_hoch_Cover-150x150.jpg 150w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/Vom_Himmel_hoch_Cover.jpg 399w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><em>K\u00fcrzlich erschienen bei Deutschlandradio Kultur Mitschnitte der 1950er- und 60er Jahre mit Weihnachtsliedern aus aller Zeit, gesungen von Gr\u00f6\u00dfen dieser Zeit wie\u00a0Dietrich Fischer-Dieskau, Rita Streich, Elisabeth\u00a0Gr\u00fcmmer, Erna Berger und vielen mehr.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Bereits zum zweiten Mal ver\u00f6ffentlicht das Label <em>audite<\/em> eine CD, die Weihnachten mit historischen Aufnahmen zelebriert \u2013 nach \u201eStille Nacht\u201c mit dem RIAS Kammerchor unter Uwe Gronostay. historisch insofern, als auch hier Beitr\u00e4ge zum Fest der Liebe aus den Aufnahmestudios der RIAS, aufgenommen 1972 bis 1986, herausgegeben wurden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Nun, in der vorliegenden Sammlung, geht das Label noch zwei Dekaden weiter zur\u00fcck und pr\u00e4sentiert Weihnachtslieder und \u2013duette aus den Archiven zwischen 1950 und 1964. Allgemein ist erstens zu loben, dass RIAS und audite trotz der gro\u00dfen zeitlichen Distanz hier eine hervorragende Aufnahmequalit\u00e4t vorlegen k\u00f6nnen. Schlie\u00dflich waren die Bedingungen zur Herstellung eines Mitschnittes so kurz nach dem Krieg nicht gleich die besten, wie man dem sch\u00f6nen und bewusst kurz gehaltenen Booklettext von R\u00fcdiger Albrecht entnehmen kann. Und zweitens kommt, trotz einiger zeittypischen musikalischen Manierismen, keine falsche Nostalgie oder gar Schwulst auf, was sowohl der behutsamen Bearbeitungspraxis der Lieder als auch kompetenten K\u00fcnstlern zu verdanken ist. Und drittens sind auf dieser CD die blo\u00dfe Ansammlung heutiger Weihnachtsdauerbrenner wie <em>Jingle Bells<\/em> und deren abgestumpfter Varianten vergeblich zu suchen! Vielmehr finden sich neben den volkst\u00fcmlichen Liedern (darunter nat\u00fcrlich auch bekanntere wie <em>Es wird schon gleich dunkel<\/em>) einige Neuentdeckungen (wie das Duett <em>Christlied<\/em> von Johann Friedrich Reichardt) oder moderne Eigensch\u00f6pfungen wie <em>Stille Nacht <\/em>von Charlotte Kaufmann \u2013 nicht zu verwechseln mit dem popul\u00e4ren Lied aus dem Salzburger Lungau.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Den Anfang macht das Hendel-Quartett (unter dessen Primarius Georg Friedrich Hendel) mit der Altistin Annelies Westen. Sehr stimmbetont, bisweilen etwas altlastig, aber mit Einf\u00fchlungsverm\u00f6gen und dezenter Streicherbegleitung sind es vier Marienlieder (wie auch <em>Maria durch ein\u2019n Dornwald ging<\/em>), die in die besinnlich-kammermusikalische Thematik der CD einf\u00fchren. Zeitbedingt wohl m\u00f6gen die leichten Silbenschleifer sein, die daraufhin Maria Reith sich in <em>Maria auf dem Berge<\/em> in ihrer Darbietung leistet, dennoch ist auch sie weit weg von glattem Perfektionismus und singt dezent emotional und nuancenreich. Ein bisschen an Elisabeth Schwarzkopf erinnert Gunthild Weber mit ihrer Stimmfarbe in den beiden darauffolgenden Wiegenliedern, und auch sie singt sehr lyrisch. In den bereits erw\u00e4hnten Liedern von Christine Kaufmann wei\u00df die junge Rita Streich die moderne harmonische F\u00e4rbung mit einem hochsensiblen, elegischen Ton sehr stimmig zu erfassen. Sp\u00e4testens bei den folgenden vier Duetten mit Ursula L\u00fcders (Sopran) und Josephine Varga (Alt) sollte zu h\u00f6ren sein, wie kunstvoll die damaligen Arrangeure wie Albert Becker bekanntere Weihnachtslieder wie <em>Joseph, lieber Joseph mein<\/em> bearbeitet haben, ohne jemals deren schlichten Charakter zu entstellen. Wie bei dem Niveau der vorhergehenden Nummern zu erwarten, stimmt auch hier im Wesentlichen alles, vor allem die stimmliche Chemie zwischen beiden S\u00e4ngerinnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Sind die Lieder der ersten CD-H\u00e4lfte bislang auf kammermusikalische oder Tasten-Begleitung beschr\u00e4nkt gewesen, so erklingt in <em>Das himmlische Menuett<\/em> erstmals ein Orchester, hier das Radio-Orchester Berlin unter dem legend\u00e4ren Fried Walter. R\u00fcdiger Albrecht bezeichnet dieses Orchesterlied als \u201eein Kuriosum. Es zeigt uns tanzende Engel im Himmelssaal, die das Jesuskind zu freudigsten Spr\u00fcngen animieren.\u201c Auch wenn es sich bei diesem Tanz um eine Ausnahme handelt, was die Liedgattung anbelangt, so kommt doch selbst hier ein eher liedhafter Charakter zum Vorschein. Obgleich der Text sehr s\u00fc\u00dflich und naiv erscheint, wei\u00df zum einem der Komponist Mark Lothar dank erlesener, leichter Instrumentierung Kitsch zu umgehen, zum anderen schafft Erna Berger mit ihrem gleicherma\u00dfen kr\u00e4ftigen wie kindlichen Sopran eine feinsinnige Balance zwischen Leichtigkeit und verhaltenem Ernst. Danach folgen wieder etliche Lieder, die sich der Betrachtung des Jesukindes widmen. Dementsprechend erklingt wiederum sp\u00e4rliche Begleitung, wie zum Beispiel zur\u00fcckhaltende Lautentupfer, mit denen Gerhard Tucholski Margot Guilleaume in zwei Wiegenliedern begleitet. Die St\u00e4rke dieser beiden Beitr\u00e4ge liegt neben der Schmucklosigkeit in der Textverst\u00e4ndlichkeit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Deutlich farbiger sind die weiteren Nummern, die Walther Ludwig und dem jungen Dietrich Fischer-Dieskau, der dieses Jahr 90 geworden w\u00e4re, vorbehalten sind. F\u00fcr eine pastorale Atmosph\u00e4re sorgen in <em>Kommt all herein, ihr Engelein<\/em> ausgesuchte Instrumente wie Fagott und Englischhorn nebst drei Streichern, w\u00e4hrend Ludwig dieses Idyll mit seinem etwas zu ausgepr\u00e4gten Heldentenor dominiert. Ausgeglichener und schlichter, daf\u00fcr z\u00e4her im Fluss klingt er in <em>O Jesulein mild, o Jesulein zart<\/em>. Der unverkennbare Ton Fischer-Dieskaus bestimmt drei weitere Beitr\u00e4ge, stets begleitet vom Streichquartett Berlin (Primarius: Rudolf Schulz). Obgleich der ber\u00fchmte Bariton schon hier k\u00fcnstlerische Reife erlangt hatte und den Liedern eine wehm\u00fctige Sch\u00f6nheit verleiht, entsteht durch sein Timbre und seinen betonungsstarken Textvortrag ein etwas pathetischer Eindruck, der der weihnachtlich-schlichten Atmosph\u00e4re einen einigerma\u00dfen h\u00f6lzernen Beigeschmack verpasst.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Daf\u00fcr \u00fcberzeugen wieder die kammermusikalischen Arrangements von <em>Von Himmel hoch, ihr Engel kommt <\/em>und <em>Es ist ein Ros entsprungen<\/em>, die ihre Lieblichkeit den beiden Blockfl\u00f6ten und dem lyrischen Sopran Elisabeth Gr\u00fcmmers verdanken. Die letzten drei Nummern d\u00fcrfen zwei Klangk\u00f6rper des RIAS der fr\u00fchen 1960-Jahre bestreiten. Zun\u00e4chst begeistert das Studioorchester mit einer luziden Version Herbert Baumanns von <em>Ave Maria zart, du edler Rosengart<\/em>. Bei so vielen Sopranen k\u00f6nnte es zwar schwerfallen, individuelle K\u00fcnstler zu erkennen, doch selbst Lisa Otto, die letzte neue S\u00e4ngerin auf dieser CD, \u00fcberzeugt in nur zwei Minuten v\u00f6llig dank ihrer unaufgeregten Stimme und Tongebung. Das Unterhaltungsorchester des Studios, wiederum mit Rita Streich, schlie\u00dft direkt an. Die \u00dcberraschung ist hier, dass ein einziges Mal ein deutlich gr\u00f6\u00dferes Orchesteraufgebot erklingt, vor allem in der Einleitung zu <em>S\u00fc\u00dfer die Glocken nie klingen<\/em>. Jedoch bleibt auch hier die Singstimme im Vordergrund und Streich beweist ihre stimmliche Bandbreite im Unterschied zu ihrer Darbietung der Kaufmann-Lieder. Einen w\u00fcrdigen Abschluss mit den gleichen K\u00fcnstlern bereitet eine feine Version des sonst eher monumentalen Lutherliedes <em>Vom Himmel hoch<\/em>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Eine wundersch\u00f6ne Weihnachtslieder-Sammlung, die durch ihren Facettenreichtum und ihren durchweg weihnachtlichen und zarten Charakter begeistern d\u00fcrfte. Erfreulich ist zumal die Tatsache, dass all die genannten gro\u00dfen S\u00e4nger von damals trotz ihres vollen Terminkalenders Zeit fanden, ihre Musikalit\u00e4t in den Dienst des Christfestes zu stellen. Eine musikalische Bereicherung nicht nur f\u00fcr den Heiligen Abend !<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>[Peter Fr\u00f6hlich, Dezember 2015]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>audite 95.741; ISBN: 4 022143 957412 K\u00fcrzlich erschienen bei Deutschlandradio Kultur Mitschnitte der 1950er- und 60er Jahre mit Weihnachtsliedern aus aller Zeit, gesungen von Gr\u00f6\u00dfen dieser Zeit wie\u00a0Dietrich Fischer-Dieskau, Rita Streich, Elisabeth\u00a0Gr\u00fcmmer, Erna Berger und vielen mehr. 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