{"id":3032,"date":"2019-01-26T08:57:28","date_gmt":"2019-01-26T07:57:28","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=3032"},"modified":"2019-01-26T08:57:37","modified_gmt":"2019-01-26T07:57:37","slug":"fallhoehe","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2019\/01\/26\/fallhoehe\/","title":{"rendered":"Fallh\u00f6he"},"content":{"rendered":"\n<p>Genuin classics, GEN 18620; EAN: 4 260036 256208<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" width=\"300\" height=\"267\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/N0073.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3033\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Sich in verborgene emotionale Tiefen hinein fallen\nlassen, innerste Seelenregungen aufsp\u00fcren, darin verweilen und diese zum schonungslosen\nAusbruch bringen &#8211;&nbsp; all dies ist Sache\nder Pianistin Natalia Ehwald, wenn sie das musikalische Erbe der Romantik in\nihrer eigenen pers\u00f6nlichen Sichtweise erfahrbar macht.&nbsp; <\/p>\n\n\n\n<p>Nach einem vielbeachteten CD-Debut mit Franz Schuberts G-Dur-Sonate 894 und Robert Schumanns Kreisleriana opus 16, setzt sie auf ihrer zweiten CD die eingeschlagene Richtung fort. Aktuell geht es um Franz Schuberts sp\u00e4te A-Dur-Sonate D 959 und die Humoresken von Robert Schumann op. 20. Natalia Ehwalds Spiels auf diesem Tontr\u00e4ger zeugt von einer Herangehensweise, die das inszenierte Coverfoto im Booklet spielerisch versinnbildlicht: Hier strebt eine K\u00fcnstlerin die gemeinsame Augenh\u00f6he mit diesen beiden Komponisten aus dem 19. Jahrhundert an, die auf dem Foto zusammen mit der heutigen Interpretin an einem gemeinsamen Tisch sitzen.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf Augenh\u00f6he sein hei\u00dft hier, die Seelenpsychogramme\nhinter den Notentexten zu erkennen und ihnen ohne manirierten Egotrip Respekt\nzu erweisen. Wer hier einf\u00fchlsam hinh\u00f6rt, dem er\u00f6ffnet sich die Ambivalenz\nzwischen Genie und Wahnsinn, der darf auch mal ersch\u00fcttert sein, wie\nunberechenbar vor allem Schubert jene vordergr\u00fcndige Oberfl\u00e4che von\n\u201eBiedermeier\u201c zugunsten des schonungslos Elementaren durchst\u00f6\u00dft. Aus einem\nscheinbar freundlichen Ton heraus entstehen immer wieder Abst\u00fcrze, denen\nNatalia Ehwalds flexible spielerische Diktion die notwendige,&nbsp; schonungslose Fallh\u00f6he verleiht.<\/p>\n\n\n\n<p>Noch relativ kontrolliert beginnt es im\u00a0 Allegro-Satz. Hier geht Natalia Ehwald betont nachforschend zu Werke, wo noch das Erbe von Beethoven durchschimmert. Der nachfolgende Andantino-Satz bekommt unter ihren H\u00e4nden eine starke Aura von Zerrissenheit. Aus einem scheinbar liedhaften Gesang heraus dringt aufgestaute Verzweiflung in w\u00fctenden Sforzato-Schl\u00e4gen hervor. Natalia Ehwald wei\u00df immer wieder, solch wechselhaften Dramaturgien zu erzeugen und damit &#8211;\u00a0 vor allem im langsamen &#8211;\u00a0 Satz Raum und Zeit vergessen zu lassen. In raschem Tempo und mit j\u00e4hen Dynamikwechseln st\u00fcrmt ihr Spiel ins ruhelose Scherzo hinein, wirft mit T\u00f6nen um sich, so dass vor allem die Doppelschl\u00e4ge der Anfangsphrase wie w\u00fctende Pinselstriche auf dem Papier anmuten. Alle Ruhepole sind hier tr\u00fcgerisch, wie Schuberts Kreisl\u00e4ufe aus Genie und Wahnsinn unentrinnbar scheinen. Bei aller Zerissenheit meistert Natalia Ehwald den gro\u00dfen, dramaturgischen Bogen, was f\u00fcr das Finale, vor allem ein bestechend pr\u00e4zise artikuliertes Schlussrondo nicht minder gilt.<\/p>\n\n\n\n<p>Da \u00fcberrascht es dann auch kaum, dass danach Roberts\nSchumanns Humoreske zu viel mehr als einer solchen wird. Auch hier werden\nErwartungen durchkreuzt und das scheinbar Vordergr\u00fcndige ohne Umschweife in\n\u00e4u\u00dferst subtile, intime Seelenregungen m\u00fcndet. \u201eEinfach\u201c, \u201ehastig\u201c, \u201ezart\u201c,\n\u201einnig\u201c und \u201esehr lebhaft\u201c \u2013 die Interpretin auf diesem Tontr\u00e4ger demonstriert,\ndass dies nicht einfach nur Tempobezeichnungen sind, sondern bei Robert\nSchumann jeweils komplexe emotionale Haltungen dahinter stehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Natalia Ehwald wurde 1983 in Jena geboren und hat eine\ndenkbar internationale Sozialisation erfahren. Unter anderem mit einem\nJungstudium an der Sibelius-Akademie in Helsinki, sp\u00e4ter einem vielbeachteten\nSolo-Debut in den USA und schlie\u00dflich einem Konzertexamen in der Meisterklasse\nvon Evgeni Koroliov an der Hochschule f\u00fcr Musik und Theater Hamburg.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>[Stefan Pieper, Januar 2019]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Genuin classics, GEN 18620; EAN: 4 260036 256208 Sich in verborgene emotionale Tiefen hinein fallen lassen, innerste Seelenregungen aufsp\u00fcren, darin verweilen und diese zum schonungslosen Ausbruch bringen &#8211;&nbsp; all dies ist Sache der Pianistin Natalia Ehwald, wenn sie das musikalische Erbe der Romantik in ihrer eigenen pers\u00f6nlichen Sichtweise erfahrbar macht.&nbsp; Nach einem vielbeachteten CD-Debut mit &hellip; <a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2019\/01\/26\/fallhoehe\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Fallh\u00f6he<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":17,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[13],"tags":[87,182,2984,93],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3032"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/17"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3032"}],"version-history":[{"count":2,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3032\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3035,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3032\/revisions\/3035"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3032"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3032"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3032"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}