{"id":3049,"date":"2019-02-06T10:27:18","date_gmt":"2019-02-06T09:27:18","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=3049"},"modified":"2019-02-06T10:27:20","modified_gmt":"2019-02-06T09:27:20","slug":"sonaten-fuer-zwei","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2019\/02\/06\/sonaten-fuer-zwei\/","title":{"rendered":"Sonaten f\u00fcr zwei"},"content":{"rendered":"\n<p>TYX Art, TXA18110; EAN: 4 250702 801108<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image is-resized\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/N0075.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3050\" width=\"311\" height=\"311\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/N0075.jpg 600w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/N0075-150x150.jpg 150w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/N0075-300x300.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 311px) 100vw, 311px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Vorliegende CD birgt Sonaten f\u00fcr Klavier und Violine sowie f\u00fcr Klavier und Viola, wobei Burkhard Maiss die Streichinstrumente spielt und Ji-Yeoun You an den Tasten sitzt. Wir h\u00f6ren die zweite Violinsonate d-Moll op. 121 von Robert Schumann und die 1. Klarinettensonate in der Version f\u00fcr Bratsche und Klavier von Johannes Brahms.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenngleich einige Jahrzehnte zwischen den beiden Werken\nliegt, so herrscht doch eine innere Verbindung zwischen den sp\u00e4ten\nStreichersonaten von Schumann und Brahms \u2013 die Idee der Einheit zwischen den\nS\u00e4tzen, der stringenten Entwicklung und des aufgewogenen Wechselspiels\ngleichberechtigter Partner.<\/p>\n\n\n\n<p>Schumanns zweite Violinsonate ist ein st\u00e4ndiges Mit- und\nGegeneinander, ein \u201eConcertieren\u201c in beiden urspr\u00fcnglichen Bedeutungen. Nach\neiner kurzen Einleitung st\u00fcrmt der Kopfsatz sprudelnd und hetzend voran,\nverschiebt die Stimmen immer wieder gegeneinander; der noch raschere zweite\nSatz beginnt im Unisono, die beiden Partner entfernen sich erst sp\u00e4ter\nvoneinander. Eine der hinrei\u00dfendsten Inspirationen Schumanns stellt der\nvolksliedhafte dritte Satz dar, dessen Thema schlichter und unpr\u00e4tenti\u00f6ser kaum\nsein k\u00f6nnte \u2013 bis pl\u00f6tzlich das Scherzo-Thema st\u00f6rend dazwischenfunkt! Das\nFinale perlt wieder spielfreudig und zerberstet die durch den langsamen Satz\nhergestellte Harmonie. Eine wahre Berg- und Talfahrt, Aufbegehren und\nZur\u00fccknehmen wechseln sich ab, Hoffnung wird aufgebaut und sogleich wieder\nunterminiert.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Begegnung mit Richard M\u00fchlfeld, dem Soloklarinettisten\nder damals hoch angesehenen Meininger Hofkapelle, inspirierte Brahms zu\nmehreren Kammermusikkompositionen mit diesem Instrument, so auch zu dieser\nSonate. Brahms legte zu der Klarinettenstimme auch Varianten f\u00fcr Bratsche und\nGeige bei, um sie mehr Spielern zug\u00e4nglich zu machen \u2013 und schuf so beil\u00e4ufig\neines der meistgespielten Bratschenwerke der Zeit. In seiner Klarinettensonate\naktualisierte Brahms die \u201eunmodern gewordene\u201c Sonatenform und fl\u00f6\u00dfte ihr neues\nLeben ein: Die S\u00e4tze h\u00e4ngen untrennbar zusammen und entwickeln sich\nauseinander, alles beginnt in einer einzigen Keimzelle. In der Version f\u00fcr\nBratsche und Klavier liegt die Schwierigkeit in erster Linie darin, dass die\nBratsche anders als die Klarinette in den tiefen Lagen nur schwer durch eine\nvolle Klavierstimme durchh\u00f6rbar ist.<\/p>\n\n\n\n<p>In ihrer Darbietung fokussieren sich Burkhard Maiss und\nJi-Yeoun You auf den gro\u00dfen Bogen und die Zusammengeh\u00f6rigkeit innerhalb der\nS\u00e4tze sowie der S\u00e4tze als Ganzes. Sie verlieren sich nicht im Moment, sondern\nbehalten den Fluss. Das Klavier t\u00f6nt voll und reich an Klangfarben, bewegt sich\nleichtf\u00fc\u00dfig durch die vielgriffigen Passagen. Maiss spielt Geige wie Bratsche\ngleicherma\u00dfen beschwingt, lebendig und m\u00fchelos. Die beiden h\u00f6ren sich\ngegenseitig zu beim Spielen und schaffen so selbst f\u00fcr die verschobenen Passagen\nein Bewusstsein, feuern den Wettstreit der Instrumente \u2013 das Mit- und\nGegeneinander \u2013 regelrecht an. Nur selten einmal funktioniert die Abstimmung\nder beiden aufeinander nicht: Im Kopfsatz von Schumanns Violinsonate wechseln\nsich die Instrumente rasch ab, hier w\u00e4re ein einheitlicheres Klangideal\nw\u00fcnschenswert gewesen; und bei Brahms h\u00f6rt man teils die Bratsche in den tiefen\nLagen nur schwer durch, sie ist zu zart gegen das von Brahms akkordlastig\ngesetzte Klavier. Doch diese Marginalien seien nicht weiter von Bedeutung: Denn\nhier liegt zweifelsohne eine hervorragende Aufnahme zweier virtuoser, technisch\nwie (noch mehr) musikalisch fordernder Sonaten, die von den Musikern auch\nwirklich verstanden und umgesetzt wurden. <\/p>\n\n\n\n<p><strong>[Oliver Fraenzke,\nJanuar 2019]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>TYX Art, TXA18110; EAN: 4 250702 801108 Vorliegende CD birgt Sonaten f\u00fcr Klavier und Violine sowie f\u00fcr Klavier und Viola, wobei Burkhard Maiss die Streichinstrumente spielt und Ji-Yeoun You an den Tasten sitzt. Wir h\u00f6ren die zweite Violinsonate d-Moll op. 121 von Robert Schumann und die 1. 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