{"id":3059,"date":"2019-02-13T10:50:42","date_gmt":"2019-02-13T09:50:42","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=3059"},"modified":"2019-02-13T10:50:43","modified_gmt":"2019-02-13T09:50:43","slug":"schoenklang-und-dessen-opfer","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2019\/02\/13\/schoenklang-und-dessen-opfer\/","title":{"rendered":"Sch\u00f6nklang und dessen Opfer"},"content":{"rendered":"\n<p>RCA Red Seal; 1 90758 71142 3<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image is-resized\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/N0077.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3060\" width=\"272\" height=\"272\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/N0077.jpg 600w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/N0077-150x150.jpg 150w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/N0077-300x300.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 272px) 100vw, 272px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><em>Gemeinsam mit dem Royal Liverpool Philharmonic Orchestra unter Andrew Litton nimmt Sebastian Bohren die Violinkonzerte von Felix Mendelssohn e-Moll op. 64 und Benjamin Britten op. 15 auf; zudem h\u00f6ren wir Tschaikowskis S\u00e9r\u00e9nade m\u00e9lancolique op. 26 f\u00fcr Geige und Orchester.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Regelrechten Hype genie\u00dft der aus\nder Schweiz stammende Geiger Sebastian Bohren in letzter Zeit: Presse wie\nPublikum loben seinen warmen, vollen Ton und die Eigenst\u00e4ndigkeit seines\nAusdrucks; seine Aufnahme aller Bach-Sonaten und -Partiten f\u00fcr Violine solo\nsorgen f\u00fcr Aufsehen. Mit der vorliegenden Aufnahme widmet sich Bohren nun\nWerken f\u00fcr sein Instrument mit Orchesterbegleitung, wozu er sich das flexible\nund vielseitige Royal Liverpool Philharmonic Orchestra als Partner w\u00e4hlte,\nunter der Leitung von Andrew Litton.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch der Funke mag nicht so recht\n\u00fcberspringen in dieser Aufnahme, immer wieder ger\u00e4t der Fluss der Musik ins\nStocken. Dies liegt in erster Linie an Bohrens enormen Streben nach Sch\u00f6nklang\nund Klarheit, wof\u00fcr er andere, teils wichtigere, Aspekte der Musik bereitwillig\nopfert. Bohren scheut gerade bei Mendelssohn und Tschaikowski das Piano und\nPianissimo, was einige der hinrei\u00dfendsten Effekte dieser Werke unterminiert.\nBei Tschaikowski geht somit auch die Zartheit und Melancholie seiner\nausdr\u00fccklich \u201em\u00e9lancolique\u201c getauften S\u00e9r\u00e9nade verloren, die Musik wirkt zu\nreal und nicht emotional ergriffen. Bei Mendelssohn ist dies zudem eine der\nUrsachen daf\u00fcr, dass das Orchester nicht gleichwertig zur Violine erscheint,\nsondern weit hinter ihr verschwindet \u2013 wodurch sogar manch ein wichtiger\nthematischer Einsatz kaum oder gar nicht zu h\u00f6ren ist. Hinzu kommt, dass\nBohrens Spiel gespickt ist von Manierismen, was die These best\u00e4tigt, er schaue\nzu sehr auf die momentane Tonerzeugung und nicht auf den Kontext der Musik:\nBeinahe jeder Schwerpunkt liegt auf der schweren Zeit (also dem ersten und im\n4\/4-Takt dem dritten Schlag), die in raschen Passagen gerne durch leichtes\nRubato ausgekostet und somit verl\u00e4ngert wird. Daraus resultiert eine vermeidbare\nPlumpheit, welche das Filigrane dieser Musik negiert. Flie\u00dfender und\nplastischer h\u00e4tte Bohren die Musik gestalten k\u00f6nnen, w\u00fcrde er auch einmal die\nschwachen Zeiten betonen und seine Rubati nicht auf die Schl\u00e4ge setzen, sondern\nauf die n\u00e4chste Untereinheit (z.B. die zweite Sechzehntel oder zweite Note\neiner Triole).<\/p>\n\n\n\n<p>Am ehesten funktioniert das\nViolinkonzert von Benjamin Britten, wobei auch hier das Finale ins Stocken\nger\u00e4t. Die ersten beiden S\u00e4tze jedoch stechen hervor im Vergleich zum Rest\ndieser Aufnahme: Im blues-artigen Kopfsatz findet Bohren viel Witz und kostet\ndiesen aus, springt heiter zwischen den mitrei\u00dfenden Einf\u00e4llen hin und her,\nentlockt seiner Partie einige spannende Effekte und h\u00e4lt den Satz sogar formal\neinigerma\u00dfen zusammen. Im Mittelsatz besticht er durch virtuoses und makellos\nreines Geigenspiel.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Royal Liverpool Philharmonic\nOrchestra passt sich der Darbietung des Solisten an, entt\u00e4uscht im Mendelssohn\nund kann auch bei Tschaikowski nicht \u00fcberzeugen, wird jedoch durch den\nunglaublichen Charme des viel zu selten geh\u00f6rten Britten-Konzerts zu gr\u00f6\u00dferer\nLeistung angestachelt. Das Orchester steht unter dem Ruf, besonders abh\u00e4ngig zu\nsein von einem guten Dirigenten: Es kann Unvorstellbares hervorbringen, wenn es\ndurch einen Meister seines Fachs geleitet wird \u2013 aber auch uninspiriert und\nfarblos seine Pflicht erf\u00fcllen. Diese Aufnahme best\u00e4tigt das vortrefflich.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>[Oliver Fraenzke, Januar 2019]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>RCA Red Seal; 1 90758 71142 3 Gemeinsam mit dem Royal Liverpool Philharmonic Orchestra unter Andrew Litton nimmt Sebastian Bohren die Violinkonzerte von Felix Mendelssohn e-Moll op. 64 und Benjamin Britten op. 15 auf; zudem h\u00f6ren wir Tschaikowskis S\u00e9r\u00e9nade m\u00e9lancolique op. 26 f\u00fcr Geige und Orchester. 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