{"id":3080,"date":"2019-02-27T09:32:19","date_gmt":"2019-02-27T08:32:19","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=3080"},"modified":"2019-02-27T09:33:35","modified_gmt":"2019-02-27T08:33:35","slug":"wiener-klassik-und-raritaeten","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2019\/02\/27\/wiener-klassik-und-raritaeten\/","title":{"rendered":"Wiener Klassik und Rarit\u00e4ten\ufeff"},"content":{"rendered":"\n<p>Samstag, 23. Februar 2019\nHerkulessaal<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Symphonieorchester Wilde Gungl M\u00fcnchen <\/strong>, <strong>Michele Carulli Dirigent<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Franz Schubert (1797-1828): Ouvert\u00fcre im italienischen Stil C-Dur D 591<\/p>\n\n\n\n<p>Louis Spohr (1784-1859)\nSymphonie Nr.6 G-Dur op. 116 \u201eHistorische\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Ludwig van Beethoven\n(1770-1827) Symphonie Nr.2 D-Dur op.36<\/p>\n\n\n\n<p>Ge\u00e4rgert soll er sich haben \u00fcber die\nBegeisterung seiner Freunde nach einer Rossini-Oper: So eine\nOuvert\u00fcre k\u00f6nne er auch schnell mal schreiben. Topp, die Wette\ngalt, und \u201einert kurzem\u201c waren die beiden Ouvert\u00fcren D 590 und D\n591 fertig. Mit gro\u00dfem Orchester (ohne Posaunen aber mit Pauke) war\nLetztere das Einleitungsst\u00fcck dieses Abends. Durchaus Ankl\u00e4nge an\nRossini h\u00f6rte man, aber nat\u00fcrlich war es ein \u201eechter\u201c Schubert.\nAuf ein langsames Einleitungs-Adagio folgt ein schnelleres Allegro.\nAuf dieses St\u00fcck \u2013 die beiden italienischen Ouvert\u00fcren sind ja\nnicht v\u00f6llig unbekannt \u2013 folgte eine echte Rarit\u00e4t. Die Frage\nist, ob diese sechste Symphonie des damals europaweit bekannten und\ngesch\u00e4tzten Ausnahme-Geigers, Komponisten und Dirigenten Louis Spohr\nin M\u00fcnchen jemals in den vergangenen 150 Jahren zu h\u00f6ren war. In\nden letzten Jahrzehnten jedenfalls stand sie wohl bei keinem M\u00fcnchner\nOrchester auf dem Spielplan. Dabei bietet sie mit ihren vier S\u00e4tzen\neinen durchaus spannenden Einblick in die Musik-Geschichte, so wie\nder Komponist sie erlebte und hier geschickt verarbeitete.<\/p>\n\n\n\n<p>Der erste Satz greift zur\u00fcck auf Bach\nund H\u00e4ndel, die allerdings nur die Vorlage liefern f\u00fcr Spohrs\neigene, sehr eigent\u00fcmliche Musik-Sprache. Nat\u00fcrlich sind Fugen und\nPastorale von den beiden Altmeistern abgeleitet, aber durchaus mit\nSpohr\u2019scher Melodik und Harmonik. Der zweite, langsame Satz greift\nauf Mozart und Haydn zur\u00fcck, doch ist auch hier des Komponisten\nHandschrift eigenst\u00e4ndig und kein Plagiat oder blo\u00dfes Zitieren.\nGenau wie im dritten Satz, der sich an Beethoven orientiert.\nAllerdings war Spohrs Verh\u00e4ltnis zum damals noch nicht so ber\u00fchmten\nKollegen durchaus gespalten, der \u201eNeunten\u201c konnte er nicht allzu\nviel abgewinnen. Im letzten Satz geht Spohr \u201ein die Vollen\u201c, &#8211;\nsogar die \u201egran cassa\u201c, die gro\u00dfe Trommel kommt dabei zum\ndurchaus nicht ged\u00e4mpften Einsatz &#8211;  allerneueste Periode 1840 steht\nda. Nun gut, das Orchester ist in allen Stimmen gefordert, es ist\nnicht unbedingt etwas erschreckend \u201eModernes\u201c zu h\u00f6ren,\njedenfalls ist die Bekanntschaft mit dieser Symphonie durchaus\nspannend und h\u00f6renswert. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Nach der Pause dann die leider zu\nselten gespielte zweite Symphonie von Ludwig van Beethoven, f\u00fcr die\nsich das Orchester \u2013 gegen die ber\u00fchmte dritte, die \u201eEroica\u201c \u2013\nentschied. Und das war ein wunderbarer Griff, denn da konnten wir vom\nersten Einsatz des Orchesters h\u00f6ren, \u201ewo der Bartel den Most\nholt\u201c, um es flapsig auszudr\u00fccken. Denn von der Melodik, der\nHarmonik, der rhythmischen Energie, der ganzen Anlage her ist diese\nzweite Symphonie ein Wunderwerk, dem die Wilde Gungl mit ihrem\nDirigenten Michele Carulli nichts schuldig blieb. In allen Stimmen,\nbei den wunderbar samtenen Streichern, den intensiven und sehr oft\nfederf\u00fchrenden Bl\u00e4sern bis hin zum energiegeladenen Paukisten, es\nentfaltet sich unter dem enormen leiblichen und seelischen Einsatz\ndes Dirigenten eine Musik, die vor allem im himmlischen\nLarghetto-Satz einfach so sch\u00f6n und mitnehmend erklingt, dass der\nganze Saal nicht nur atemlos lauschte, sondern zum Schluss seiner\nBegeisterung mit lauten Bravo-Rufen Ausdruck verlieh. Diese\nBegeisterung und Freude gab Michele Carulli dann h\u00f6chstpers\u00f6nlich\nan viele einzelnen Orchester-Musiker*innen weiter, was den Abend sehr\npers\u00f6nlich abrundete.<\/p>\n\n\n\n<p>Ceterum censeo&#8230;\naber das sagte schon der alte Cato, als er auf Miss-St\u00e4nde seiner\nZeit angesprochen wurde. Ich sage jetzt nur: M\u00fcnchner Feuilleton&#8230;?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>[Ulrich Hermann, Februar 2019]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Samstag, 23. 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