{"id":3083,"date":"2019-03-01T21:57:57","date_gmt":"2019-03-01T20:57:57","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=3083"},"modified":"2019-03-09T09:47:39","modified_gmt":"2019-03-09T08:47:39","slug":"authentisch-und-unmittelbar","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2019\/03\/01\/authentisch-und-unmittelbar\/","title":{"rendered":"Authentisch und unmittelbar!"},"content":{"rendered":"\n<p><em>CD\nRezension.  <\/em>Elmira Darvarova &amp; Zhen Chen.  \n<\/p>\n\n\n\n<p>Brahms:\nThe Complete Sonatas f\u00fcr Violin and Piano.  \n<\/p>\n\n\n\n<p><em>Solo musica \/ Sony Music 2019  <\/em> <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image is-resized\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/N0081.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3084\" width=\"275\" height=\"275\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/N0081.jpg 600w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/N0081-150x150.jpg 150w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/N0081-300x300.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 275px) 100vw, 275px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><em>Auf\nihrer neuesten CD widmen sich die prominente Violinistin Elmira\nDarvarova und der deutlich j\u00fcngere Pianist Zhen Chen den drei\n\u201eSonaten f\u00fcr Klavier und Violine\u201c von Johannes Brahms. <\/em>\n<\/p>\n\n\n\n<p>Aus dem Heute kommend und in die\ntiefsten Seelenregungen gro\u00dfer, ewiger Kammermusik vorsto\u00dfen &#8211; das\nist Sache der Violinistin Elmira Darvarova und des\nchinesischst\u00e4mmigen Pianisten Zhen Chen. Ihre aktuelle CD widmen die\nbeiden den drei Violinsonaten von Johannes Brahms, einer\nbemerkenswerten Werkgruppe, die wohl unter v\u00f6llig gegenteiligen\nUmst\u00e4nden das Licht der Welt erblickte, als es der laute Kosmos New\nYorks darstellt &#8211; jener Lebensmittelpunkt dieses hochmotivierten und\nprominenten Interpreten-Duos. Ob vielleicht gerade dieses\nSpannungsverh\u00e4ltnis Elmira Darvarova und Zhen Chen zu maximaler\nmusikalischer Konzentration und Eindringlichkeit inspiriert hat? \n<\/p>\n\n\n\n<p>Elmira Darvarova, die langj\u00e4hrig\ngefeierte Konzertmeisterin im Metropolitan-Orchestra und Zhen Chen,\nder viel j\u00fcngere chinesische Tastenvirtuose, der schon mit Lang Lang\nin einem Atemzug genannt wird, haben den Urtext dieser Werke\nerforscht und wollen sich von Konventionen und modischen Str\u00f6mungen\nm\u00f6glichst frei machen dabei. Das Resultat: Beide lassen sich hier in\ndiese Materie hinein fallen und kosten die vielen subtilen und\nwechselvollen Seelenregungen konsequent aus. Das hei\u00dft f\u00fcr die\nbeiden auch, ein Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die von Brahms geforderten\nRollenverteilungen denkbar intuitiv zu leben.  Hier ist nicht l\u00e4nger\ndie eine Solistin und der andere Begleiter. Stattdessen ist das\ngleichberechtigte Ganze Programm. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn sich dieses Duo so stark in\nemotionale Tiefen fallen l\u00e4sst, wird gerne auch mal das Diktat des\nPerfekten zugunsten einer frischen Risikofreude au\u00dfer acht gelassen.\nEntsprechend unmittelbar wirkt Elmira Darvarovas impulsiv mit\nKlangeffekten und Vibrato verfahrendes Violinspiel allemal. Nichts\nist hier dem beifallheischenden Effekt geschuldet, was diesen Zugang\nzur Brahmsschen Empfindungswelt so authentisch und unmittelbar macht.\nZhen Chen demonstriert am Fl\u00fcgel, warum diese Sonaten eigentlich\n\u201ef\u00fcr Klavier und Violine\u201c hei\u00dfen m\u00fcssten. Denn Brahms Ansatz,\nauch in seinen Sonatenkompositionen bereits sinfonische Abl\u00e4ufe f\u00fcr\nandere Vorhaben abzustecken, wird gerade in den komplexen\nKlavierparts offenkundig. Und er kann die Energien des Fl\u00fcgels\nhellh\u00f6rig und reaktionsschnell b\u00e4ndigen, wenn der musikalische\nBlickwinkel zarte Empfindung evoziert.<\/p>\n\n\n\n<p>Plausibel vermittelt also, was beim\nverstehenden H\u00f6ren von Brahms Musik immer eine Rolle spielt: Die\nSubjektivit\u00e4t ihres Urhebers. Da wiederspiegelt sich ein\n\u201eAngekommen-Sein\u201c, wie es die Sommeraufenthalte von Johannes\nBrahms am W\u00f6rthersee bzw. in den Schweizer Alpen nachweislich\nmarkieren. Auftrumpfend wie ein Weckruf fordert die erste Sonate\ndiese beiden jungen Musiker zum gro\u00dfen, atmenden Bogen heraus. Genug\ndynamischer Schwung resultiert allein aus den bewusst gew\u00e4hlten\nraschen Tempi dieses Duos. Zhen Chens breite Anschlagskultur malt\nweite klingende Landschaften auf dem Fl\u00fcgel, innerhalb derer Elvira\nDarvarova im langsamen Satz ihre zarte Stimme erhebt.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine Prise Schwermut, eine Schwingung\nvon rastloser Unruhe bebt im Allegrosatz, was die zerbrechliche Aura\nnur noch verst\u00e4rkt.  Schw\u00e4rmerischer und entr\u00fcckter markiert die\nzweite Sonate umso mehr den Zustand des \u201eAuftankens\u201c an einem\nsch\u00f6nen Ort. Die dritte im Bunde evoziert energischen Tatendrang,\nwas nicht zuletzt aus der impulsiv-rhythmischen Gangart von Zhen Chen\nspricht, w\u00e4hrend Elmira Darvarova die Saiten zum Gl\u00fchen bringt. Wer\nin diese Wechselb\u00e4der h\u00f6rend eintaucht, hat nach den drei Sonaten\nnoch lange nicht genug. Abhilfe schafft eine \u201eZugabe\u201c im Programm\n\u2013 ein temperamentvoll aufloderndes, in seinem Mittelteil\neinbr\u00fcnstige schwelgendes C-Moll-Scherzo aus der soganannten\n\u201eFAE-Sonate\u201c. \n<\/p>\n\n\n\n<p><strong>[Stefan Pieper <\/strong>, <strong>Februar 2019]<\/strong> <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>CD Rezension. Elmira Darvarova &amp; Zhen Chen. Brahms: The Complete Sonatas f\u00fcr Violin and Piano. Solo musica \/ Sony Music 2019 Auf ihrer neuesten CD widmen sich die prominente Violinistin Elmira Darvarova und der deutlich j\u00fcngere Pianist Zhen Chen den drei \u201eSonaten f\u00fcr Klavier und Violine\u201c von Johannes Brahms. Aus dem Heute kommend und in &hellip; <a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2019\/03\/01\/authentisch-und-unmittelbar\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Authentisch und unmittelbar!<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":17,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[13],"tags":[3001,337,695,3000],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3083"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/17"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3083"}],"version-history":[{"count":2,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3083\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3099,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3083\/revisions\/3099"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3083"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3083"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3083"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}