{"id":3115,"date":"2019-03-15T18:25:55","date_gmt":"2019-03-15T17:25:55","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=3115"},"modified":"2019-03-16T07:20:32","modified_gmt":"2019-03-16T06:20:32","slug":"die-klaviermanufaktur-pleyel-und-ihr-umkreis","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2019\/03\/15\/die-klaviermanufaktur-pleyel-und-ihr-umkreis\/","title":{"rendered":"Die Klaviermanufaktur Pleyel und ihr Umkreis"},"content":{"rendered":"\n<p>Ars Produktion Schumacher; Concert; Ars 38 828; EAN: 4\n260052 388280<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image is-resized\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/N0084.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3116\" width=\"331\" height=\"331\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/N0084.jpg 600w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/N0084-150x150.jpg 150w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/N0084-300x300.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 331px) 100vw, 331px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><em>Varvara Manukyan spielt Werke aus dem Umkreis der Klavierbauerfamilie Pleyel auf einem originalen Hammerfl\u00fcgel aus dem Jahr 1838 (op. 5884). Auf ihrem Programm stehen Ignaz Joseph Pleyels Sonate V G-Dur aus dem Streichquartett Ben 332 als Ersteinspielung, vier Nocturnes von John Field, Camille Pleyels Nocturne \u00e0 la Field B-Dur op. 54 sowie Fr\u00e9d\u00e9ric Chopins Trois Nocturnes op. 9, welche Madame Marie Moke-Pleyel gewidmet sind.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Ignaz Pleyel z\u00e4hlte seiner Zeit zu den gefragtesten\nKomponisten und wurde europaweit regelm\u00e4\u00dfig aufgef\u00fchrt. Der ansonsten kritische\nMozart schrieb seinem Vater ein warmes Empfehlungsschreiben f\u00fcr Pleyel und\nmachte deutlich, dass dieser ein geeigneter Nachfolger f\u00fcr Joseph Haydn w\u00e4re,\nder neben Johann Vanhal zu den prominenten Lehrern Pleyels geh\u00f6rt. Das Werk\nIgnaz Pleyels geriet noch vor dem Tod des Komponisten 1837 in Vergessenheit. Nachhaltige\nBer\u00fchmtheit erlangte er jedoch durch seine 1807 gegr\u00fcndete Klaviermanufaktur <em>Ignace Pleyel &amp; Comp.ie<\/em>, die erst\n2013 ihre Produktion einstellte. Lange Zeit galten die Pleyel-Klaviere als\nmarktf\u00fchrend durch ihren volumin\u00f6sen und vielseitigen Klang mit gro\u00dfem\nDynamikspektrum, das besonders im Mezzo-Bereich \u00e4u\u00dferst fein abschattiert.<\/p>\n\n\n\n<p>Das vorliegende Programm beginnt mit der Sonate V G-Dur aus dem Streichquartett Ben 332, das Pleyel 1786 komponierte und Varvara Manukyan nun erstmalig auf CD festh\u00e4lt. Die Sonate besticht durch ihre eing\u00e4ngigen Themen und spielfreudige Anlage voller Witz und Charme. Das Gewicht liegt auf dem knapp 10-min\u00fctigen Kopfsatz, Mittelsatz und Rondo-Finale dauern je nur etwa 3 Minuten. Darauf folgen Beitr\u00e4ge aus der Gattung der Nocturne, welche vom irischen Komponisten John Field begr\u00fcndet wurde, der ma\u00dfgeblichen Einfluss unter anderem auf Chopin, aber auch auf Mendelssohn, Schumann und Moscheles aus\u00fcbte. Aus der Feder Fields h\u00f6ren wir vier seiner insgesamt achtzehn erhaltenen Nocturnes. Camille Pleyel, Sohn von Ignaz, widmete ihm seine Nocturne \u00e0 la Field B-Dur op. 54 aus dem Jahr 1828, welche eine Stilkopie im urspr\u00fcnglichsten Sinne darstellt. Den Abschluss machen Chopins Trois Nocturnes op. 9, die Madame Marie Moke-Pleyel gewidmet sind und sich ebenfalls auf die Nocturnes von Field berufen, wenngleich sie harmonisch deutlich weitschweifiger ausfallen und auch melodische Neuerungen aufweisen, nicht zuletzt durch die rhythmisch von der linken Hand losgel\u00f6sten L\u00e4ufe. Varvara Manukyan spielt das Programm auf einem Pleyel Hammerfl\u00fcgel aus dem Jahr 1838, also auf einem Instrument, das erst nach dem Tod von Ignaz Pleyel (und John Field) gebaut wurde und ein satteres Volumen aufweist als die fr\u00fcheren Instrumente. Der Hammerfl\u00fcgel \u00fcberragt durch seine vollen und sonoren B\u00e4sse und die singenden H\u00f6hen, die gerade den cantabile-Melodien schmeicheln. Die Tiefen gew\u00e4hrleisten ein warmes Fundament, auf dem sich die verspielten L\u00e4ufe frei entfalten k\u00f6nnen, ideal geschaffen f\u00fcr die Musik der ersten H\u00e4lfte des 19. Jahrhunderts \u2013 sowie f\u00fcr Musik von beispielsweise Haydn und Mozart, aber auch f\u00fcr Grieg k\u00f6nnte ich mir dieses Instrument trefflich vorstellen. Die Wahl des vergleichsweise sp\u00e4ten Instruments aus der \u00c4ra Camille Pleyels d\u00fcrfte wohl auf die Werke Pleyel Juniors und Chopins zur\u00fcckzuf\u00fchren sein, doch auch Field wurde 1838 noch regelm\u00e4\u00dfig gespielt. Lediglich die Sonate Pleyel Seniors wurde wohl f\u00fcr Klaviere mit anderem Klangideal komponiert.<\/p>\n\n\n\n<p>Durch ihr einf\u00fchlsames und doch nicht sentimentales Spiel\nkann die armenische Pianistin Varvara Manukyan \u00fcberzeugen. Sie entlockt dem\nInstrument zahllose Klangnuancen, die jeweils genau auf die Musik abgestimmt\nerscheinen, achtet auf klare Linien und wohl austarierte Gewichtung zwischen\nden einzelnen Stimmen. Besonders in Fields Nocturnes erlaubt sie sich die\nFreiheit, der rechten Hand improvisatorische Elemente hinzuzuf\u00fcgen, was den\nMelodienreichtum erh\u00f6ht \u2013 zur Entstehungszeit der Nocturnes war dies g\u00e4ngige\nAuff\u00fchrungspraxis. Dynamisch bleibt Manukyan viel im Mezzobereich, was jedoch\nden St\u00e4rken des Instruments schmeichelt. Allgemein sticht hervor, wie intensiv\nsich die Pianistin mit dem Instrument und der Auff\u00fchrungspraxis\nauseinandergesetzt hat: Die Musik wird jedoch nicht wie so oft zum\nhistorisierten Museumsst\u00fcck, sondern Manukyan aktualisiert das Geschehen. Mir fallen\nbesonders die fein abgestuften Ritardandi auf, die so nat\u00fcrlich und\nungek\u00fcnstelt erscheinen, dass sie der H\u00f6rer nicht aktiv wahrnimmt; und doch\ndienen sie als gliedernde Elemente.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>[Oliver Fraenzke,\nM\u00e4rz 2019]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ars Produktion Schumacher; Concert; Ars 38 828; EAN: 4 260052 388280 Varvara Manukyan spielt Werke aus dem Umkreis der Klavierbauerfamilie Pleyel auf einem originalen Hammerfl\u00fcgel aus dem Jahr 1838 (op. 5884). 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