{"id":3133,"date":"2019-03-24T19:29:04","date_gmt":"2019-03-24T18:29:04","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=3133"},"modified":"2019-03-24T20:18:18","modified_gmt":"2019-03-24T19:18:18","slug":"shooting-star-in-der-konsolidierung","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2019\/03\/24\/shooting-star-in-der-konsolidierung\/","title":{"rendered":"Shooting Star in der Konsolidierung"},"content":{"rendered":"\n<p>Dacapo 8.226144; EAN: 6 3694361442 6<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image is-resized\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/N0087-1024x1016.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3134\" width=\"296\" height=\"294\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/N0087-1024x1016.jpg 1024w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/N0087-150x150.jpg 150w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/N0087-300x298.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/N0087-768x762.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 296px) 100vw, 296px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><em>Das Danish National Symphony Orchestra hat nun zwei weitere gro\u00dfbesetzte St\u00fccke von S\u00f8ren Nils Eichberg (*1973) auf Dacapo eingespielt: seine Dritte Symphonie von 2015 unter Leitung von Robert Spano sowie das Konzert f\u00fcr Orchester \u201eMorpheus\u201c (2013), dirigiert von Joshua Weilerstein. Vielleicht nicht mehr so vordergr\u00fcndig spektakul\u00e4r, aber stilistisch gefestigt, wei\u00df diese Musik erneut durchaus zu packen. <\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Nachdem\nder deutsch-d\u00e4nische Komponist S\u00f8ren Nils\nEichberg (Jahrgang 1973) mit seinen ersten beiden Gattungsbeitr\u00e4gen vor ein\npaar Jahren als Shooting Star unter den postmodernen, europ\u00e4ischen Symphonikern\ngefeiert wurde, scheint er mit der sehr\npers\u00f6nlichen <em>Symphonie Nr. 3<\/em> in eine\nKonsolidierungsphase getreten zu sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Unter dem Eindruck des unvermeidlich nahenden Todes seines Vaters entstanden, tritt in Eichbergs \u201eDritter\u201c zu einem gro\u00dfen Orchester noch Chor und \u2013 recht dezent, fast unauff\u00e4llig \u2013 Elektronik hinzu. Neben dem rein instrumentalen Zitat eines Wiegenlieds von <em>Carl Nielsen<\/em> wird der Chor mit Texten des altchinesischen Dichters <em>Qu Yuan <\/em>(auf Deutsch) und hebr\u00e4ischen Versen von <em>David Vogel<\/em> besch\u00e4ftigt, die nat\u00fcrlich die Verg\u00e4nglichkeit des Daseins anhand existenzieller Fragen reflektieren. Sp\u00fcrbares Unheil macht sich in den acht stark kontrastierenden Abschnitten u.a. durch Kl\u00e4nge aus dichten Quintschichtungen breit. Eichberg arbeitet auch mit dem \u201eShepard tone\u201c und algorithmisch entwickelten, selbst\u00e4hnlichen Klangpattern. Wie schon in den beiden ersten Symphonien l\u00e4sst der Komponist es aber auch hier mal im Bassregister loskrachen, wechselt von vollster Besetzung zu kammermusikalischen Kleinoden, die wie Inseln die Aufmerksamkeit des Zuh\u00f6rers fokussieren. Insgesamt ist das St\u00fcck rhapsodischer als die klar gegliederten Vorg\u00e4nger. Der kontemplative, sehr tonale und hoffnungsvolle Schluss klingt dann leider etwas nach Edelkitsch. Trotzdem ist das aber immer noch um Klassen interessanter als etwa die \u2013  mich v\u00f6llig kalt lassenden \u2013 subjektiven, symphonischen Entgleisungen der fast gleichaltrigen Johanna Doderer.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Morpheus<\/em> kn\u00fcpft noch wesentlich direkter an die Symphonien Nr. 1 &amp; 2 an; manche Idee scheint sich fast schon gef\u00e4hrlich zu wiederholen. Nicht nur an Stellen orchestraler Wucht zeigt sich einmal mehr Eichbergs eminente Orchestrierungskunst \u2013 beinahe dekadent, wie Andrew Mellor im Booklet korrekt feststellt. Das siebens\u00e4tzige Konzert ist ein ironisch grinsender Totentanz in einer Traumwelt, der naturgem\u00e4\u00df der verl\u00e4ssliche Boden unter den F\u00fc\u00dfen fehlt \u2013 mit etwas vordergr\u00fcndiger Wirkung, der man sich aber kaum entziehen kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Der\nerfahrene <em>Robert Spano<\/em> (Symphonie)\nund der zum Zeitpunkt der Aufnahme gerade mal 26-j\u00e4hrige <em>Joshua Weilerstein<\/em> (Morpheus) leiten das D\u00e4nische Nationalorchester\nbeide mit Verve und kosten mit gro\u00dfer Lust die harten Kontraste in Eichbergs Musik\naus, ohne diese ihrer fraglos ebenso vorhandenen Momente tiefer Ernsthaftigkeit\nzu berauben. So macht das Zuh\u00f6ren erst einmal jedem Spa\u00df, der virtuose Orchesterkunst\nmag. Eichberg sollte allerdings aufpassen, dass sich seine zugegebenerma\u00dfen\ngekonnten Effekte nicht allzu schnell abnutzen. <\/p>\n\n\n\n<p><strong>[Martin Blaumeiser, M\u00e4rz 2019]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dacapo 8.226144; EAN: 6 3694361442 6 Das Danish National Symphony Orchestra hat nun zwei weitere gro\u00dfbesetzte St\u00fccke von S\u00f8ren Nils Eichberg (*1973) auf Dacapo eingespielt: seine Dritte Symphonie von 2015 unter Leitung von Robert Spano sowie das Konzert f\u00fcr Orchester \u201eMorpheus\u201c (2013), dirigiert von Joshua Weilerstein. 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