{"id":3142,"date":"2019-03-26T22:54:43","date_gmt":"2019-03-26T21:54:43","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=3142"},"modified":"2019-03-26T22:54:45","modified_gmt":"2019-03-26T21:54:45","slug":"rueckkehr-zur-gunst-des-publikums","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2019\/03\/26\/rueckkehr-zur-gunst-des-publikums\/","title":{"rendered":"R\u00fcckkehr zur Gunst des Publikums"},"content":{"rendered":"\n<p>Chan 10982; EAN: 0 95115 19822 3<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image is-resized\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/N0088.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3143\" width=\"303\" height=\"303\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/N0088.jpg 600w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/N0088-150x150.jpg 150w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/N0088-300x300.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 303px) 100vw, 303px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><em>John Storg\u00e5rds dirigiert das BBC Philharmonic Orchestra mit Orchesterwerken von George Antheil. Zu h\u00f6ren sind die Symphonien Nr. 3 \u201eAmerican\u201c und Nr. 6 \u201eAfter Delacroix\u201c sowie Archipelago, der Hot-Time Dance und die Filmmusik Spectre of the Rose.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend sich andere Komponisten seiner Generation immer\nneueren Experimenten und stilistischen Extremit\u00e4ten hingaben, kehrte George\nAntheil zur\u00fcck zur weitgehend tonalen Musik und somit auch zur Gunst des\nPublikums. Als Enfant Terrible machte er in jungen Jahren von sich sprechen und\nlegte bisweilen sogar einen Revolver auf den Fl\u00fcgel, um w\u00e4hrend seiner\nfuturistischen Klaviersonaten nicht gest\u00f6rt zu werden. Doch als er Europa\nverlie\u00df und wieder in der Heimat, den USA, lebte, trieb es ihn dazu, sich der\nEntwicklung eines eigenen, amerikanischen Stils zu verschreiben, der nicht\nzuletzt auch die Massen ansprechen solle. Die Symphonik erschien ihm als\npr\u00e4destinierte Ausdrucksform f\u00fcr solch ein Vorhaben und Antheil widmete sich\nJahrelang intensiv dezidiert der Symphonik, schrieb und verwarf zahlreiche\nSkizzen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie f\u00fcr die meisten amerikanischen Komponisten etablierte\nsich in Antheils Musik der Jazz als unentbehrliches Element. Bernstein erkl\u00e4rte\nin einem seiner \u201eYoung People\u2018s Concerts\u201c die Entwicklung der amerikanischen\nMusik und stellt anschaulich dar, wie die Elemente des Jazz immer weiter Fu\u00df\nfassten in den \u201eklassisch\u201c-amerikanischen Stil. Die American Symphony von&nbsp; Antheil l\u00e4sst eben dies sp\u00fcren: Synkopische\nRhythmen und jazzige Harmonien verleihen ihr erst den \u201eamerikanischen\u201c Flair,\nden Antheil zum Ausdruck bringen will. Archipelago lebt ebenfalls von\nJazzrhythmen, zieht jedoch eine ganz andere Art der Instrumentation mit ein,\ndie sich auf Antheils Zeit in Frankreich zur\u00fcckf\u00fchren l\u00e4sst. Der Hot-Time Dance\nentfernt sich erstaunlich weit vom Jazz, obgleich gerade dieses St\u00fcck den Stil\nbereits im Titel tr\u00e4gt \u2013 viel mehr t\u00f6nt freudige und unbek\u00fcmmerte Zirkusmusik\ndurch. Auf Frankreich bezieht sich auch Spectre of the Rose zur\u00fcck, genauer\ngesagt auf die Harmonik und Instrumentation von Maurice Ravel. Die Musik gibt\nsich schlicht und beinahe naiv, verspr\u00fcht dennoch einen Funken\nau\u00dfergew\u00f6hnlicher Ideen. Das einzige Werk auf dieser CD, das \u00fcberhaupt keine\nh\u00f6rbaren Jazzelemente beinhaltet, ist die an Schostakowitsch gemahnende sechste\nSymphonie \u201eafter Delacroix\u201c, das \u00fcppigste und weitschweifendste dieser Werke.\nAntheil geriet oft in die Kritik f\u00fcr seinen wieder-tonalen, gef\u00e4lligen Stil und\nf\u00fcr die effekthascherische Orchestration. Das beiliegende, ausf\u00fchrlich\ninformierende Booklet von Mervyn Cooke zitiert Rezensionen \u00fcber die sechste\nSymphonie, welche sie \u201ehohl und Hollywoodartig\u201c nannten und ihr vorwarfen, sie\nhabe \u201edie leere Vehemenz einer Wahlkampfrede\u201c. Wenngleich das Pathos in\nAntheils Orchestermusik durchaus dazu einl\u00e4d, sie nicht ganz ernst zu nehmen,\ndarf doch nicht der Ideen- und Farbenreichtum in dieser Musik vernachl\u00e4ssigt\nwerden, der packende Drive und die eing\u00e4ngige Melodie, welche mit kecken\nRhythmen unterlegt wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Storg\u00e5rds holt eine beachtenswerte Vielfalt an orchestralen\nFarben aus dieser Musik heraus. Er gibt sich nicht der Versuchung hin, in den\nopulenten Passagen die Kontrolle \u00fcber den Klang abzugeben, sondern beh\u00e4lt die\nZ\u00fcgel durchgehend in den H\u00e4nden. Zeitgleich gelingt es ihm und dem Orchester,\ndie Musik vollkommen m\u00fchelos und zwanglos darzustellen, die Spielfreude h\u00f6rbar\nzu machen. Die BBC Philharmonic sind souver\u00e4n aufeinander eingestimmt und\npr\u00e4sentieren einen ausgewogenen, durchh\u00f6rbaren Sound, welcher der\njazzbeeinflussten Musik ebenso gerecht wird wie der etwas abstrakteren in der\nsechsten Symphonie.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>[Oliver Fraenzke,\nM\u00e4rz 2019]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Chan 10982; EAN: 0 95115 19822 3 John Storg\u00e5rds dirigiert das BBC Philharmonic Orchestra mit Orchesterwerken von George Antheil. Zu h\u00f6ren sind die Symphonien Nr. 3 \u201eAmerican\u201c und Nr. 6 \u201eAfter Delacroix\u201c sowie Archipelago, der Hot-Time Dance und die Filmmusik Spectre of the Rose. 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