{"id":3148,"date":"2019-03-30T19:26:22","date_gmt":"2019-03-30T18:26:22","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=3148"},"modified":"2019-03-31T19:28:40","modified_gmt":"2019-03-31T17:28:40","slug":"das-pathos-winkt","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2019\/03\/30\/das-pathos-winkt\/","title":{"rendered":"Das Pathos winkt"},"content":{"rendered":"\n<p>Chandos, CHSA 5214; EAN: 0 95115 52142 7<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image is-resized\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/N0090.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3149\" width=\"255\" height=\"253\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/N0090.jpg 600w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/N0090-150x150.jpg 150w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/N0090-300x298.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 255px) 100vw, 255px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><em>Vorliegende CD beinhaltet Orchestermusik von Gerald Finzi, die in den 50er-Jahren komponiert oder revidiert wurde. Das Programm beginnt mit dem Cellokonzert op. 40 a-Moll, f\u00fchrt \u00fcber die Eclogue op. 10 F-Dur f\u00fcr Klavier und Streichorchester und die Nocturne op. 7 cis-Moll (New Year Music) zur Grand Fantasia and Toccata op. 38 d-Moll f\u00fcr Klavier und Orchester. Sir Andrew Davis leitet das BBC Symphony Orchestra, das Cellosolo spielt Paul Watkins und Louis Lortie \u00fcbernimmt die Rolle des Klaviersolisten. <\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Die Urauff\u00fchrung des Cellokonzerts war das Letzte, was\nGerald Finzi h\u00f6rte; tags darauf verstarb er im Alter von 55 Jahren an den\nFolgen der Hodgkinschen Krankheit, einem Tumor der Lymphknoten. Finzis Musik\nwirkt nicht zeitgem\u00e4\u00df, viel eher zieht er seine Einfl\u00fcsse aus der Musik des 19.\nJahrhunderts, Elgar und Parry sind un\u00fcberh\u00f6rbare Ankn\u00fcpfungspunkte. Ausgedehnte\nFl\u00e4chigkeit pr\u00e4gt die musikalische Landschaft Finzis, lange Zeit ruht er sich\nauf einmal gefundenen Ideen aus, genie\u00dft jede Pastorale und h\u00e4lt auch gespannte\nMomente bis zum Anschlag aus. Seine sentimentalen Melodien ber\u00fchren durchaus,\ndie melancholischen Elemente verfehlen ihre Wirkung keinesfalls und auch manch\nkuriose Effekte verz\u00fccken \u2013 und doch schafft es die Musik nur selten, die\nSpannung aufrechtzuerhalten und den H\u00f6rer bis zum Schlusston hin zu tragen,\nohne dass er auf dem Weg dorthin abhanden kommt. Das Pathos winkt, doch\nwirklich passieren tut wenig. Es fehlt an Abwechslung, an Kontrasten oder\nzumindest an unerwarteten Details, welche die Aufmerksamkeit auf sich ziehen;\ndie Aussage verschwimmt durch \u00dcberl\u00e4nge, nur Bruchst\u00fccke bleiben in der\nErinnerung zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n<p>Vom Cellokonzert kann der Mittelsatz durch sein inspiriertes\nThema und die innige Melancholie bezaubern, die sich sp\u00e4ter kraftvoll entl\u00e4dt.\nAuch die Thematik des Kopfsatzes ist stark, doch verliert sie sich schnell in\nFormlosigkeit; \u00e4hnlich das Finale, in welchem der Solist seinem Instrument\nabenteuerliche Effekte entlockt, was aber auch das einzige ist, das von diesem\nSatz h\u00e4ngenbleibt. Durchgehende Zartheit erleben wir in Eclogue f\u00fcr Klavier und\nOrchester, welches durch die Darbietung zu dem am meisten nachwirkenden St\u00fcck\ndieser CD avanciert. Die Nocturne (New Year Music) ert\u00f6nt \u00fcberraschend d\u00fcster\nund weltfern f\u00fcr den zumeist freudigen Anlass. Grand Fantasia and Toccata\nbegehrt deutlicher auf als die anderen St\u00fccke, hier wagt Finzi auch einmal\nUnvorhergesehenes. Besonderen Wert legt der Komponist hier auf das Zusammenspiel\nder Partner, welches sich gerade auch auf die Dynamik auswirkt und wodurch\nmanch ein hexensabbatartiger Effekt zutage tritt.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Orchester agiert \u00e4u\u00dferst vertraut mit der Musik, h\u00e4lt\ndie Atmosph\u00e4re und schafft einen dichten Klang, der den jeweiligen Stimmungen\nentspricht. Sir Andrew Davis bringt die Solisten und das Orchester zum\nEinklang, \u00fcberbr\u00fcckt die klangliche Distanz der ungleichen Partner. Es gibt nur\nwenige Passagen, in denen Dirigent und Orchester sich wirklich beweisen m\u00fcssen,\nalso wo die Musik nicht f\u00fcr sich alleine wirkt, sondern geschickte\nDarbietungskunst erfordert: doch diese meistern die Musiker elegant. Paul\nWatkins erweist sich als aufmerksamer und gewandter Solocellist, der sowohl in\nden pastoralen Stellen als auch in den aufbrausend vorw\u00e4rtstreibenden die\nKontrolle beh\u00e4lt und den Klang kultiviert. Der Pianist Louis Lortie \u00fcberzeugt\nin Eclogue durch \u00fcberaus feinen Klang und inniges Gef\u00fchl; unterminiert den\nEindruck jedoch durch trockenes und uninspiriertes Spiel in der Grand Fantasia\nand Toccata. Das Staccato wird zur Manier, die L\u00e4ufe und Akkorde prasseln\nzusammenhangslos auf den H\u00f6rer nieder \u2013 schade, denn wir h\u00f6ren auch, dass er\nk\u00f6nnte, wenn er wollte.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>[Oliver Fraenzke,\nM\u00e4rz 2019]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Chandos, CHSA 5214; EAN: 0 95115 52142 7 Vorliegende CD beinhaltet Orchestermusik von Gerald Finzi, die in den 50er-Jahren komponiert oder revidiert wurde. 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