{"id":3157,"date":"2019-04-04T12:29:16","date_gmt":"2019-04-04T10:29:16","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=3157"},"modified":"2019-04-04T12:29:18","modified_gmt":"2019-04-04T10:29:18","slug":"liveaufnahmen-fuer-debussy","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2019\/04\/04\/liveaufnahmen-fuer-debussy\/","title":{"rendered":"Liveaufnahmen f\u00fcr Debussy"},"content":{"rendered":"\n<p>Ars Produktion Schumacher, ARS 38 558; EAN: 4 260052 385586<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image is-resized\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/N0092.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3158\" width=\"273\" height=\"273\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/N0092.jpg 355w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/N0092-150x150.jpg 150w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/N0092-300x300.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 273px) 100vw, 273px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><em>\u201ePour le tombeau de Claude Debussy\u201c der Pianistin Judith J\u00e1uregui besch\u00e4ftigt sich mit Werken des franz\u00f6sischen Meisters und seines Umfelds. Beginn und Ende des Albums stehen im Zeichen spanischer Komponisten, auf die Debussy gro\u00dfen Einfluss aus\u00fcbte: Manuel de Falla, dessen Homenaje mit gleichem Titel \u201aPour le tombeau de Claude Debussy\u2018 wir h\u00f6ren, und Federico Mompou, von dem J\u00e1uregui \u201aJeunes filles au jardin\u2018 aus Debussys Todesjahr 1918 spielt. In der Mitte des Programms finden wir Debussys Estampes L100 und L\u2019Isle joyeuse, welche umgeben sind von zwei Komponisten, auf die sich Debussy seinerseits bezog: Franz Liszt, dessen Ballade Nr. 2 S.171 gespielt wird, und Fr\u00e9d\u00e9ric Chopin, von dem Andante Spianato und Grande Polonaise Brillante op. 22 erklingen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Im vergangenen Jahr h\u00f6rten wir anl\u00e4sslich des 100. Todestags\nvon Claude Debussy zahlreiche Aufnahmen seines Werks; zum Ausklang dessen\nerschien nun Judith J\u00e1ureguis CD \u201ePour le Tombeau de Claude Debussy\u201c, ein\nMitschnitt ihres Livekonzerts vom 4. Oktober 2018 im Rahmen der <em>Imperial in Concert Series<\/em> in Wien.\nJ\u00e1uregui widmet sich Werken, die Debussy pr\u00e4gten, die Debussy komponierte und\nauf die Debussy Einfluss \u00fcbte.<\/p>\n\n\n\n<p>Zur ersten Kategorie, die f\u00fcr Debussy ma\u00dfgeblichen\nKomponisten, z\u00e4hlen Franz Liszt und Fr\u00e9d\u00e9ric Chopin. Besonders bei Liszt gibt\nsich schnell J\u00e1ureguis eigener Ton zu erkennen: Bereits in den ersten Takten\nverbl\u00fcfft die Pianistin durch ein extrovertiertes und markiges Spiel. Sie h\u00e4lt\ndie umherirrend chromatischen L\u00e4ufe der linken Hand nicht in geheimnisvoller\nDunkelheit, wie man sie meist h\u00f6rt, sondern stellt sie als aussagekr\u00e4ftige\nFigur in den Raum, zu der die rechte Hand sp\u00e4ter gleichwertig hinzutritt.\nVirtuos, aber ohne \u00fcberm\u00e4\u00dfige Selbstzurschaustellung durchbrechen die\nrasanteren Passagen die Stimmung des Beginns, die Ruhepole nimmt J\u00e1uregui nicht\nzu schleppend in sanglichem Zeitma\u00df. Chopins Andante Spianato gestaltet die\nPianistin zu einem gro\u00dfen Einatmen vor der rasenden Grande Polonaise Brillante:\nHier gelingen ihr die gr\u00f6\u00dften Kontraste zwischen absoluter Introversion und\n\u00fcberm\u00e4chtig rhythmischen Drang.<\/p>\n\n\n\n<p>J\u00e1ureguis Debussy-Aufnahmen sollte man sich mehrfach\nanh\u00f6ren, um sich in ihre Darstellungsweise einzuh\u00f6ren. Denn sie \u00fcberrascht\ndurch offenes und vergleichsweise extrovertiertes Spiel, das so gar nicht zu\ndem \u00fcblichen Bild passt, was wir von Debussy haben. Doch es funktioniert! Vor\nallem Pagodes erscheint anfangs ungewohnt, besticht jedoch durch enormen\nFarbenreichtum und pr\u00e4zise abgestuften Klang. La soir\u00e9e dans Grenade ruft\nsogleich Erinnerungen an das zuvor geh\u00f6rte St\u00fcck de Fallas wach; in Jardins\nsous la pluie werden die Regentropfen regelrecht sp\u00fcrbar beim Spiel von Judith\nJ\u00e1ureguis und man nimmt dieses St\u00fcck mit allen Sinnen wahr. L\u2019Isle joyeuse ist\nder Pianistin f\u00f6rmlich auf den Leib geschrieben, die sprudelnde Energie und die\nfr\u00f6hliche Stimmung schmeicheln ihrem Stil das Werk wird zur erquickenden Quelle,\ndie Fernweh evoziert.<\/p>\n\n\n\n<p>Fernweh nach Spanien vielleicht. Das Programm beginnt mit\nManuel de Fallas Homanaje \u201aPour le tombeau de Claude Debussy\u201c, welches\nurspr\u00fcnglich f\u00fcr Gitarre komponiert wurde und einen Trauermarsch in Form einer\nlangsamen Habanera darstellt \u2013 ein von Debussy sehr gesch\u00e4tzter und selbst\nmehrfach in Noten gesetzter Tanz. Beschlossen wird die CD durch Mompous \u201aJeunes\nfilles au jardin\u2018. Judith J\u00e1uregui nimmt die Musik temperamentvoll, in jedem\nTon klingt Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit mit, dass sie das, was sie spielt,\ngenauso meint. Dabei bleibt die wechselseitige Verbindung zwischen der\nfranz\u00f6sischen und der spanischen Musik unverkennbar.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>[Oliver Fraenzke,\nM\u00e4rz 2019]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ars Produktion Schumacher, ARS 38 558; EAN: 4 260052 385586 \u201ePour le tombeau de Claude Debussy\u201c der Pianistin Judith J\u00e1uregui besch\u00e4ftigt sich mit Werken des franz\u00f6sischen Meisters und seines Umfelds. 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