{"id":3187,"date":"2019-04-24T18:20:21","date_gmt":"2019-04-24T16:20:21","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=3187"},"modified":"2020-05-27T08:47:25","modified_gmt":"2020-05-27T06:47:25","slug":"russische-klaviermusik","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2019\/04\/24\/russische-klaviermusik\/","title":{"rendered":"Russische Klaviermusik"},"content":{"rendered":"\n<p>Evidence classics, EVCD048; EAN: 5 051083 124379<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image is-resized\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/N0099.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3188\" width=\"304\" height=\"304\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/N0099.jpg 600w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/N0099-150x150.jpg 150w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/N0099-300x300.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 304px) 100vw, 304px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><em>Der 1995 in Paris geborene Pianist Jean-Paul Gasparian pr\u00e4sentiert auf seiner zweiten CD Werke russischer Komponisten. Er spielt die \u00c9tudes-Tableaux op. 39 von Sergei Rachmaninoff, die zweite Klaviersonate op. 19 sowie Trois \u00c9tudes op. 65 von Alexander Scriabin und Sergei Prokofieffs zweite Klaviersonate d-Moll op. 14.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Zwar unterscheidet sich die Musik von Rachmaninoff, Scriabin\nund Prokofiev grunds\u00e4tzlich in ihrer Intention und ihrer Wirkung, doch sie\nwarten mit \u00e4hnlichen Gefahren f\u00fcr den ausf\u00fchrenden Musiker auf. Alle drei\nKomponisten sind recht dankbar f\u00fcr den Pianisten, was bedeutet, dass sie bei\nder Darbietung kaum so sehr verst\u00fcmmelt werden k\u00f6nnen, dass ihre \u00fcberbordende\nWirkung komplett verloren ginge. Doch eben dadurch geben sie sich dem Pianisten\ngegen\u00fcber auch undankbar, denn genau auf dem schmalen Grad zwischen Effekt und\ntats\u00e4chlichem musikalischen Inhalt trennen sich die rein technikaffinen Musiker\nvon denen, die weiter- und der Musik auf den Grund gehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Gasparians Spiel zeichnet sich durch eine Frische und\nLebendigkeit aus, die vielen \u00e4lteren Kollegen fehlen oder die ihnen\nverlorenging. Obgleich er sich gerne auf gewisse Grundstimmungen verl\u00e4sst, geht\ner auch mit der Musik mit und erkundet sich auftuende \u00c4nderungen der\nAtmosph\u00e4re; mit diesen platzt er nicht sogleich heraus, sondern bringt sie dem\nH\u00f6rer allm\u00e4hlich und mitvollziehbar n\u00e4her. <\/p>\n\n\n\n<p>Rachmaninoff verleiht er eine angenehme S\u00fc\u00dflichkeit, die dem pers\u00f6nlichen Weltschmerz des Komponisten schmeichelt, ohne ihn \u00fcberzustrapazieren. Gasparian gelingt es, fl\u00e4chige Passagen oder St\u00fccke in der schwebenden Spannung zu halten, so wie die zweite Rachmaninoff-Et\u00fcde, bei welcher der Pianist den Reiz aus der verschobenen Rhythmik zieht. Manche der heute so oft anzutreffenden \u201ePianistin-Krankheiten\u201c in Form von Manierismen zeigen sich bei Jean-Paul Gasparian nur in den kargeren Strukturen wie der 7. Und 9. Et\u00fcde aus dem Opus 39: Hier bemerkt der H\u00f6rer schnell, dass die Rubati stets mechanisiert gleich an den selben Stellen und Motiven auftauchen, und, dass das Tempo ohne erkennbaren Grund deutlich schwankt \u2013 selbiges im ersten Satz der Scriabin-Sonate, in welcher sich das Tempo zwischenzeitlich sogar in etwa verdoppelt! Abgesehen davon h\u00e4lt Gasparian die Sonate allerdings gut zusammen und tr\u00e4gt den H\u00f6rer auch \u00fcber die schwierig zu realisierenden Generalpausen des Anfangs und die \u00fcber lange Konturlosigkeit des zweiten Satzes hinweg. Scriabins drei Et\u00fcden op. 65 erforschen je ein bestimmtes Intervall: Die gro\u00dfe Non, die gro\u00dfe Sept und die reine Quint. Die dadurch entstehenden eigenwilligen Harmonien hebt Jean-Paul Gasparian hervor, wodurch es ihm sogar gelingt, in einer Art \u201eGew\u00f6hnungseffekt\u201c die Dissonanzen beinahe zu Konsonanzen werden zu lassen. (Gleiches versuchte Scriabin mit der kleinen Sept bereits in seinem fr\u00fchen Pr\u00e4ludium op. 11\/2.) Besonders gelungen h\u00f6ren wir auf dieser Aufnahme die zweite Prokofiev-Sonate: Gasparian entsagt jeder Art von brachialen Akkordentladungen, gedroschenen L\u00e4ufen oder Effekthascherei, er bleibt weich, durchl\u00e4ssig und verleiht auch diesem Komponisten eine angenehme dolce-Note \u2013 eine erfrischende Gegendarstellung zu den meisten Darbietungen des Werks, in der wir auch einmal eine ganz andere Seite von Prokofiev wahrnehmen, welche so oft verborgen bleibt.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/the-must-listener\/\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/MustListener.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2902\" width=\"192\" height=\"121\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/MustListener.jpg 403w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/MustListener-300x189.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 192px) 100vw, 192px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>[Oliver Fraenzke,\nApril 2019]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Evidence classics, EVCD048; EAN: 5 051083 124379 Der 1995 in Paris geborene Pianist Jean-Paul Gasparian pr\u00e4sentiert auf seiner zweiten CD Werke russischer Komponisten. 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