{"id":3200,"date":"2019-04-26T10:49:24","date_gmt":"2019-04-26T08:49:24","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=3200"},"modified":"2019-04-26T10:49:25","modified_gmt":"2019-04-26T08:49:25","slug":"was-ist-besser-als-ein-orchester","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2019\/04\/26\/was-ist-besser-als-ein-orchester\/","title":{"rendered":"Was ist besser als ein Orchester?"},"content":{"rendered":"\n<p>Sonntags-Matineee der\nKammerphilharmonie dacapo  M\u00fcnchen am 14. April 2019 im\nHerkulessaal: Mozart, Mendelssohn, Brahms<\/p>\n\n\n\n<p>Was ist besser als ein Orchester? Nat\u00fcrlich deren zwei. Vor allem, wenn damit nicht nur die Musik, sondern auch der kulturelle und pers\u00f6nliche Austausch zwischen so weit entfernten L\u00e4ndern wie Taiwan und Deutschland gef\u00f6rdert wird. Und so sa\u00dfen beim sonnt\u00e4glichen Konzert der Kammerphilharmonie dacapo nicht nur die hiesigen Musikerinnen und Musiker auf der B\u00fchne, auch Spielerinnen und Spieler eines Taiwanesischen Orchesters aus Kaohsiung verst\u00e4rkten die Besetzung.<\/p>\n\n\n\n<p> Zuerst &#8211; welch ein Beginn eines\nvollbesuchten Sonntagskonzertes &#8211; erklang mit dem jungen Jernej\nCigler aus Slowenien als Hornsolist das vierte Hornkonzert in Es-Dur\nKV 495 von W.A. Mozart, delikat begleitet vom Streichorchester der\nKammerphilharmonie DaCapo und ihrem Dirigenten Franz Schottky. Zu den\nsehr ansprechenden Eigenheiten diese Konzertreihe geh\u00f6rt &#8211; wie\n\u00fcblich &#8211; die Begr\u00fc\u00dfung und eine kurze Einleitung des Programms\ndurch Franz Schottky, der auch die beiden Solisten des Tages und die\nG\u00e4ste aus Fernost vorstellte und begr\u00fc\u00dfte. Nat\u00fcrlich kennt \u201eman\u201c\ndie Mozartschen Hornkonzerte, obwohl sie seltener im Programm stehen\nals es diese wunderbare Musik verdient, aber das leibhaftige Erleben\nist dann doch wieder einmal etwas ganz Eigenes. Vor allem, wenn der\nSolist so \u00fcberzeugend seinen Part vertritt wie es Jernei Cigler in\nden drei S\u00e4tzen tat. Besonders sch\u00f6n gelang der langsame zweite\nSatz, die Romanze. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Als zweites Konzert stand jenes ber\u00fchmte Violinkonzert in e-Moll op. 64 auf dem Programm. Der junge Augsburger Simon Luethy spielte auf seiner Gaglino Geige mit dem Satori-Bogen dieses bei allen Geigern hochgesch\u00e4tzte St\u00fcck mit souver\u00e4ner Meisterschaft, begeisterte Publikum und Musiker gleicherma\u00dfen mit seiner uneitlen und hochmusikalischen Pr\u00e4senz, die dem Orchester Anlass bot, das \u201eSilbertablett\u201c seiner Begleitkunst zu pr\u00e4sentieren. Auch hier wieder gelang der langsame zweite Satz, das Andante, ganz besonders sch\u00f6n und innig, aber auch der Virtuosit\u00e4t des ersten und dritten Satzes bleiben Solist und Orchester nichts schuldig. Gro\u00dfer Beifall und als Zugabe eine Paganini Caprice Nr. 3  .<\/p>\n\n\n\n<p>Nach der Pause  &#8211; noch einmal vergr\u00f6\u00dferte sich das gemeinsame Orchester f\u00fcr die vierte Symphonie von Johannes Brahms in e-Moll. F\u00fcr Arnold Sch\u00f6nberg begann mit dieser &#8211; Brahms letzter &#8211; Symphonie das Zeitalter der Neuen Musik, wie Franz Schottky zu Anfang erw\u00e4hnte. Und wirklich zeigen diese vier S\u00e4tze ein Kompendium der rhythmischen und melodischen, neue Kl\u00e4nge schaffenden, sowie polyphon-verarbeitenden Meisterschaft des 52-j\u00e4hrigen Komponisten, sie ist vor allem im letzten, vierten Satz ein absolutes Novum der bisherigen Musikgeschichte. Brahms verwendet hier, ausgehend von einem Bach\u2018schen Thema eine bis dahin nicht symphonisch verwendete Variationsform, die weit in die Zukunft deutet. Das Orchester lief zu Hochform auf, Bl\u00e4ser und Streicher, Pauken und Schlagzeug ebenfalls und unter der Stabf\u00fchrung von Franz Schottky erbl\u00fchte dieses letzte Meisterwerk des Johannes Brahms in Gelassenheit voller Energie vom ersten bis zum letzten Ton. Wie modern und faszinierend auch heute noch diese Musik ist und ber\u00fchrt, zeigte der enthusiastische Beifall, der dem Orchester und seinen besonders geforderten Solistinnen und Solisten geb\u00fchrte.<\/p>\n\n\n\n<p>Ceterum censeo&#8230; Ein viel zu wenig beachtetes, jedoch beachtenswertes Orchester! Aber das Nichtbeachten ist ja leider beim heutigen M\u00fcnchner Feuilleton schon Usus.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>[Ulrich Hermann, April 2019]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sonntags-Matineee der Kammerphilharmonie dacapo M\u00fcnchen am 14. April 2019 im Herkulessaal: Mozart, Mendelssohn, Brahms Was ist besser als ein Orchester? Nat\u00fcrlich deren zwei. Vor allem, wenn damit nicht nur die Musik, sondern auch der kulturelle und pers\u00f6nliche Austausch zwischen so weit entfernten L\u00e4ndern wie Taiwan und Deutschland gef\u00f6rdert wird. 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