{"id":3253,"date":"2019-05-21T21:18:23","date_gmt":"2019-05-21T19:18:23","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=3253"},"modified":"2019-05-23T12:24:05","modified_gmt":"2019-05-23T10:24:05","slug":"die-musik-fuer-sich-selbst-sprechen-lassen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2019\/05\/21\/die-musik-fuer-sich-selbst-sprechen-lassen\/","title":{"rendered":"Die Musik f\u00fcr sich selbst sprechen lassen"},"content":{"rendered":"\n<p>Orchesterkonzert: Unterhaching\/M\u00fcnchen, 28.\/29. April 2019,\nBruckner Akademie Orchester, Jordi Mora<\/p>\n\n\n\n<p>Wer am 28. April das Kubiz in Unterhaching, oder tags darauf\nden M\u00fcnchner Herkulessaal besuchte, konnte sich bei der 27. Orchesterakademie\ndes Bruckner Akademie Orchesters davon \u00fcberzeugen, dass der ausgezeichnete Ruf,\nder diesem Klangk\u00f6rper und seinem Dirigenten Jordi Mora vorauseilt, voll und\nganz gerechtfertigt ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Anton\u00edn Dvo\u0159\u00e1ks Siebente Symphonie und\ndie Zehnte von Dmitrij Schostakowitsch sind wohlbekannte St\u00fccke. Mancher\nKapellmeister mag sich im Falle solch oft gespielter Werke auf deren\nBer\u00fchmtheit ausruhen, in der Annahme, alles ginge von selbst. Gl\u00fccklicherweise\n\u00fcberl\u00e4sst Mora nichts dem Zufall. Schon in den ersten Takten\nder Dvo\u0159\u00e1k-Symphonie wurde deutlich, dass das Publikum das\nErgebnis sorgf\u00e4ltigster Probenarbeit zu h\u00f6ren bekam. Das Orchester spielte mit\neinem Einsatz, als h\u00e4tte es gegolten die beiden Werke zum ersten Mal der\n\u00d6ffentlichkeit zu pr\u00e4sentieren. Besonders sympathisch ber\u00fchrt Moras\nau\u00dferordentliches Gesp\u00fcr f\u00fcr die Architektur der Musik. Sein Dirigat ist Bauen\nund Modellieren in Kl\u00e4ngen und Phrasen. Das Zusammenwirken der verschiedenen\nOrchestergruppen wird in einer selten zu h\u00f6renden Plastizit\u00e4t vorgef\u00fchrt, und\ndie einzelnen Verlaufsabschnitte der S\u00e4tze schlie\u00dfen, im Kleinen wie im Gro\u00dfen,\nmit einer ganz nat\u00fcrlich wirkenden Folgerichtigkeit aneinander an. Sehr\ndeutlich zeigte sich dies in den Schlu\u00dftakten bei Dvo\u0159\u00e1k: Die Musik schwankte\nhier nicht unentschieden zwischen Erhabenheit und Volkstanz, wie es in weniger\nsorgf\u00e4ltigen Auff\u00fchrungen leider vorkommt, sondern beide scheinbar\nwiderstrebenden Affekte f\u00fcgten sich zu einer wunderbaren Einheit zusammen. Eine\nsolche Darbietung ist der beste Beweis daf\u00fcr, dass, wenn in anderen\nAuff\u00fchrungen der Schlu\u00df dieses Werkes nicht ganz gelungen erscheint, man nicht\nden Komponisten daf\u00fcr verantwortlich machen kann.<\/p>\n\n\n\n<p>So intensiv Mora in die Musik eingedrungen ist, hat man doch nie den Eindruck, er wolle demonstrieren, dass die sie dieses oder jenes bedeuten soll. Gerade der Schostakowitsch-Symphonie tat das gut. Das Scherzo der Zehnten war an diesem Abend kein \u201eStalin-Portrait\u201c, es hatte nichts forciert Brutales oder Karikaturistisches an sich. Durch die Art, die Musik sich nat\u00fcrlich entfalten, sie f\u00fcr sich selbst sprechen zu lassen, entwickelte der Satz unter Moras H\u00e4nden jedoch eine d\u00e4monische Energie, wie sie der Verfasser dieser Zeilen noch in keiner Auff\u00fchrung der Symphonie zu h\u00f6ren bekommen hatte.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Leistungen des Orchesters waren\numso bemerkenswerter, bedenkt man, dass es sich bei einem gro\u00dfen Teil seiner\nMitglieder nicht um professionelle Musiker handelt. Man denkt an die\neigentliche Bedeutung der Worte \u201eDilettant\u201c und \u201eAmateur\u201c, denn das Vergn\u00fcgen\nan der Musik, die Liebe zu ihr sprach aus jedem Ton, den das Bruckner Akademie\nOrchester an diesen zwei Abenden unter Jordi Mora erklingen lie\u00df.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>[Norbert Florian Schuck, Mai 2019]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Orchesterkonzert: Unterhaching\/M\u00fcnchen, 28.\/29. April 2019, Bruckner Akademie Orchester, Jordi Mora Wer am 28. 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