{"id":3255,"date":"2019-05-23T08:27:20","date_gmt":"2019-05-23T06:27:20","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=3255"},"modified":"2019-05-22T08:31:50","modified_gmt":"2019-05-22T06:31:50","slug":"das-repertoireproblem","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2019\/05\/23\/das-repertoireproblem\/","title":{"rendered":"Das Repertoireproblem"},"content":{"rendered":"\n<p>7 Mountain Records, 7MNTN-015; EAN: 8 719325 404111<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image is-resized\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/N0108.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3256\" width=\"334\" height=\"296\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/N0108.jpg 577w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/N0108-300x266.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 334px) 100vw, 334px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><em>In ihrem Portrait von\nLilith &amp; Lulu spielen der Saxophonist Andreas Mader und der Pianist\nChristos Papandreopoulos \u201eLilith\u201c von William Bolcom und \u201ePortrait of Lilith\u201c\nvon Sam David Wamper, zudem zwei Nocturnes f\u00fcr Altsaxophon und Klavier von\nNadir Vassena, die vier St\u00fccke op. 5 von Alban Berg, welche urspr\u00fcnglich f\u00fcr\nKlarinette besetzt sind, und schlie\u00dflich Lied der Lulu (arr. Erwin Stein) und\nVariationen (Arr. Christos Papandreopoulos) aus Bergs Oper Lulu.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Es gibt wenig lohnenswerte klassische Literatur f\u00fcr das\nSaxophon, und das, obgleich das Instrument bereits 1840 von Adolphe Sax\nentwickelt wurde, um der Holzbl\u00e4serfamilie ein neues Instrument zu geben,\nwelches sich klanglich zwischen Klarinette und Oboe einf\u00fcgt. Im Jazz erlebte\ndas Instrument seinen Durchbruch, in der Klassik durchsetzen konnte es sich\nkaum: In der franz\u00f6sischen Musik gibt es Beispiele bei Bizet, Fran\u00e7aix, Ibert\nund Ravel, in deutschen Musik findet es sich bei Strauss (Sinfonia domestica),\nHindemith, und bei Alban Berg; zur Zeit des Nationalsozialismus\u2018 wurde es als\nentartet verboten. Der gr\u00f6\u00dfte Teil des Saxophonrepertoires besteht aus\nmodernistischen Werken, welche den unverbrauchten Klang f\u00fcr neue Effekte nutzen\nund den kr\u00e4ftigen Ton, insbesondere die sonore Tiefe, auskosten. Inhaltsstarke\nBeitr\u00e4ge finden sich vor allem in den nordischen L\u00e4ndern, so beispielsweise von\nLars-Erik Larsson (Konzert f\u00fcr Saxophon), Ketil Hvoslef (Konzert f\u00fcr vier\nSaxophone, Biblische Bilder f\u00fcr Chor und vier Saxophone, etc.), Anders Eliasson\n(Sinfonia concertante, Saxophonkonzert, Poem f\u00fcr Altsaxophon und Klavier),\nKalevi Aho (Konzert f\u00fcr vier Saxophone) und Pehr Henrik Nordgren (Phantasme).<\/p>\n\n\n\n<p>Die drei neuen Werke dieser CD k\u00f6nnen im Gegensatz zu den\ngenannten nicht mithalten. Sie sprechen zwar durch ihre gem\u00e4\u00dfigt moderne\nTonsprache an, haben aber keinen rechten innermusikalischen Zusammenhalt. Dies\nbetrifft alle Werke in gleichem Ma\u00dfe. Sie wirken zusammengew\u00fcrfelt aus kleinen\nEpisoden, ohne dabei eine logische Entwicklung zu durchschreiten. Statt eines\n\u201eWerdens\u201c, wie es Furtw\u00e4ngler nannte, besteht der Inhalt der Musik aus vielen\nkleinen \u201eSein\u201c-Br\u00f6ckchen, die als unabh\u00e4ngige Stimmungen aneinandergereiht\nwurden. Zur konsequenten \u00c4sthetik macht dies Sam David Wamper, dessen Portrait\nof Lilith bildhafte Z\u00fcge erh\u00e4lt und dadurch konkreten Ausdruck besitzt, was den\nH\u00f6rer auch erreicht. Ebenso illustrieren die f\u00fcnf S\u00e4tze von Bolcoms Lilith,\nwenngleich nicht so dezidiert und nicht so durchgehend, w\u00e4hrend Vassenas\nNocturnes abstrakter sind und dadurch dem H\u00f6rer \u2013 ohne bildliche Vorlage und\nohne \u201eWerden\u201c \u2013 am wenigsten zug\u00e4nglichsten erscheinen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Problem an solch einer Musik ist, dass sie auch die\nausf\u00fchrenden Musiker hinabzieht in die reine Momentwahrnehmung und\nEffektaffinit\u00e4t. Obgleich sich bei den beiden hier zu h\u00f6renden Musikern\ndurchaus Talent abzeichnet, verf\u00e4llt ihr Spiel in eine gewisse\nGleichg\u00fcltigkeit; schnell wird erkennbar, dass sie lediglich abbilden und eben\nnicht einen musikalischen Prozess in der Darbietung nachvollziehen und\numsetzen. Das von Andreas Mader gespielte Saxophon besitzt hier noch den\nVorteil, dass der Spieler durch den Atem in direktem Kontakt zum Ton steht,\nwodurch den Melodielinien noch Nat\u00fcrlichkeit und Lebendigkeit innewohnt; am\nKlavier funktioniert das nicht, entsprechend starr und kalt klingt die von\nChristos Papandreopoulos gespielte Partie. Das zieht sich sogar bis zu Berg, in\ndessen Lulu-Arrangement manch eine Passage unertr\u00e4glich geh\u00e4mmert und innerlich\nabwesend erklingt, Technik ohne Aussage.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>[Oliver Fraenzke, Mai\n2019]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>7 Mountain Records, 7MNTN-015; EAN: 8 719325 404111 In ihrem Portrait von Lilith &amp; Lulu spielen der Saxophonist Andreas Mader und der Pianist Christos Papandreopoulos \u201eLilith\u201c von William Bolcom und \u201ePortrait of Lilith\u201c von Sam David Wamper, zudem zwei Nocturnes f\u00fcr Altsaxophon und Klavier von Nadir Vassena, die vier St\u00fccke op. 5 von Alban Berg, &hellip; <a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2019\/05\/23\/das-repertoireproblem\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Das Repertoireproblem<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[13],"tags":[3090,157,3093,3094,3092,3091,1886],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3255"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3255"}],"version-history":[{"count":1,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3255\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3257,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3255\/revisions\/3257"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3255"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3255"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3255"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}