{"id":3258,"date":"2019-05-25T08:38:16","date_gmt":"2019-05-25T06:38:16","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=3258"},"modified":"2019-05-22T08:41:01","modified_gmt":"2019-05-22T06:41:01","slug":"mozart-ohne-abgedroschene-effekte","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2019\/05\/25\/mozart-ohne-abgedroschene-effekte\/","title":{"rendered":"Mozart ohne abgedroschene Effekte"},"content":{"rendered":"\n<p>H\u00e4nssler classic, HC18068; EAN: 8 81488 18068 8<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image is-resized\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/N0109.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3259\" width=\"300\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/N0109.jpg 600w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/N0109-150x150.jpg 150w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/N0109-300x300.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><em>Alle Klaviersonaten\nWolfgang Amadeus Mozarts will der luxemburgische Pianist Jean Muller aufnehmen.\nAuf dieser CD beginnt er mit der Nummer 12 in F-Dur KV332 und l\u00e4sst die Nummern\n3 in B-Dur KV281, 11 in A-Dur KV331 und 17 in B-Dur KV570 folgen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Mittlerweile hat sich ein regelrechter Hype aufgetan um die\nneue Einspielung der Klaviersonaten Mozarts durch den Luxemburger Jean Muller.\nTats\u00e4chlich ist dieser in mancherlei Hinsicht nicht unbegr\u00fcndet: Muller\nversucht nicht, etwas in die Musik hineinzugeben, sondern zieht etwas aus ihr\nheraus. Dies zeigt sich gerade im Finale der Sonate Nr. 17 B-Dur KV570, welches\nvon vielen Pianisten hemmungslos \u00fcberfrachtet wird, aber auch in der jugendlich\nfrischen F-Dur-Sonate KV332. Besonderen Augenmerk legt Muller auf den\nSpannungsverlauf und die teils \u00e4u\u00dferst subtilen Kadenzierungen Mozarts. Das\nverleiht der Musik Struktur und offenbart dem H\u00f6rer die zugrundeliegende Architektur\nder Werke, die logische Stringenz, die jeden Ton miteinander in Beziehung\nsetzt. Dadurch, dass der rote Faden nachvollziehbar bleibt, kann Muller sich\numso mehr auf den unfassbaren Ideenreichtum der Klaviersonaten konzentrieren\nund die individuellen Charaktere aus den Noten hervorholen. Auf \u00fcberm\u00e4\u00dfige\nRubati, altbackene Effekte und abgedroschene Floskeln verzichtet der\nLuxemburger zugunsten einer Frische, bei der die Musik durch sich selbst\nsprechen kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Klarheit der sp\u00e4teren Mozart-Sonaten und der Verdichtung\nauf das Wesentliche kann Muller vieles abgewinnen, zu k\u00e4mpfen hat er hingegen\nmit der fr\u00fcheren B-Dur-Sonate KV281. Diese besitzt noch nicht die \u00d6konomie der\nsp\u00e4teren Werke, daf\u00fcr andere Vorz\u00fcge wie die Ausgelassenheit der Form und\nUnbek\u00fcmmertheit der Thematik: doch die formale Stringenz scheint Muller zu\nben\u00f6tigen, um das Werk musikalisch zusammenzuhalten.<\/p>\n\n\n\n<p>Interessieren w\u00fcrde mich, ob Muller noch mehr in der Musik\nentdecken w\u00fcrde, wenn er die Tempi teils noch etwas z\u00fcgeln w\u00fcrde. So lebendig\nund knackig doch ein rasches Tempo in Rands\u00e4tzen wirkt, so l\u00e4sst ein minimal\nzur\u00fcckgehaltenes Tempo oftmals noch mehr Facetten der Musik durchscheinen. Und\nwenn ein Adagio wirklich eine Gradwanderung Nahe des Stillstandes wagt: welch\nunvorstellbare Momente erwarten uns, welch durchdringenden Effekt kann eine\nsimple Modulation oder gar ein pl\u00f6tzlicher Harmoniewechsel erzielen! Konkrete\nBeispiele, wo ich mir ruhigere Tempi w\u00fcnschen w\u00fcrde, finden sich in der\nA-Dur-Sonate KV331. Das Andante des Kopfsatzes besticht durch die rhythmischen\nFeinheiten, die ausschlie\u00dflich dann voll zur Geltung kommen, wenn sie nicht im\nFluss der Musik untergehen, durch \u00fcbergeordnete Z\u00e4hlzeiten \u00fcberspielt werden.\nAuf das Andante folgt ein Adagio \u2013 und dieses muss wirklich noch einmal\ndeutlich zur\u00fcckgehen, beinahe schon die Architektur der Sechzehntelnoten\nfokussieren. Das abschlie\u00dfende Allegro dr\u00e4ngt freilich nach vorne, doch sollte\nes noch immer in Korrelation stehen mit dem Vorangegangenen. Bei Muller geht\ndas Adagio eher unmerklich zur\u00fcck und das Allegro schie\u00dft daf\u00fcr kontextlos nach\nvorne. Besonders deutlich l\u00e4sst zu schnelles Tempo das ber\u00fchmte Alla Turca\nersch\u00fcttern. So sehr Muller durch seine Schlichtheit ohne die abgedroschenen\nEchoeffekte \u00fcberzeugt, raubt seine Tempowahl dem Satz den t\u00fcrkischen Charakter.\nDieser entsteht erst im Mittelteil und der Coda durch die Vorschl\u00e4ge der linken\nHand, doch im Tempo werden sie zur blo\u00dfen Verzierung degradiert und verlieren\nihr motivisches und charaktergebendes Element. <\/p>\n\n\n\n<p><strong>[Oliver Fraenzke, Mai\n2019]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>H\u00e4nssler classic, HC18068; EAN: 8 81488 18068 8 Alle Klaviersonaten Wolfgang Amadeus Mozarts will der luxemburgische Pianist Jean Muller aufnehmen. 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