{"id":3265,"date":"2019-05-29T08:17:37","date_gmt":"2019-05-29T06:17:37","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=3265"},"modified":"2019-05-29T08:17:40","modified_gmt":"2019-05-29T06:17:40","slug":"anspruchsvolle-musik-statt-salon-romantik","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2019\/05\/29\/anspruchsvolle-musik-statt-salon-romantik\/","title":{"rendered":"Anspruchsvolle Musik statt Salon-Romantik"},"content":{"rendered":"\n<p>Ars Produktion Schumacher, ARS 38 267; EAN: 4 260052 382677<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image is-resized\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/N0110.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3266\" width=\"321\" height=\"321\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/N0110.jpg 600w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/N0110-150x150.jpg 150w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/N0110-300x300.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 321px) 100vw, 321px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><em>Gemeinsam mit der\nPianistin Iryna Krasnovska spielt die Fl\u00f6tistin Sofia de Salis Arrangements\nbekannter Werke des 19. Jahrhunderts. Auf dem Programm steht die Sonate a-Moll\nf\u00fcr Arpeggione und Klavier D 821 (Arr. Konrad H\u00fcnteler) von Franz Schubert\nsowie dessen St\u00e4ndchen aus Schwanengesang (Arr. Sofia de Salis) und zwei\nKlavierwalzer (Arr. Tatiana Smirnova), n\u00e4mlich der Atzenbrugger Tanz Nr. 3\nD-Dur D 265 Nr. 29 und Valse sentimentale A-Dur D 779 Nr. 13. Den Mittelpunkt\nder CD bildet die gro\u00dfe Violinsonate A-Dur op. 120 von C\u00e9sar Franck (Arr.\nDouglas Woodfull-Harris). Au\u00dferdem h\u00f6ren wir noch Robert Schumanns drei\nRomanzen f\u00fcr Oboe und Klavier op. 94 (Arr. Jacques Larocque).<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Der optische Eindruck dieser CD mag so gar nicht zum\nmusikalischen Inhalt passen. In gr\u00fcnem Kleid steht die Fl\u00f6tistin Sofia de Salis\nin einem reich verzierten Schloss, auf dem Cover sehen wir sie vor dem Fenster\nmit Blick auf Berge und einen See. Dazu kommt der schnulzige Titel \u201eShades of\nLove\u201c. Es fehlt nur noch sanft-melancholische Musik voller Kitsch und Klischee,\nund der Eindruck w\u00e4re perfekt \u2013 doch statt dessen bekommen wir hoch\nanspruchsvolle Musik inklusive zweier gro\u00dfformatigen Sonaten von Schubert und\nFranck!<\/p>\n\n\n\n<p>Der Querfl\u00f6te ist im 19. Jahrhundert nur sp\u00e4rlich bedeutsame\nLiteratur zuteil geworden, wenn man von Schubert und Hummel absieht; erst in\nder franz\u00f6sischen Musik um die Jahrhundertwende bl\u00fchte das Instrument als\nSolist voll auf (dieser Musik widmete Sofia de Salis ihr erstes Album). So ist\nes durchaus legitim, dass sich Fl\u00f6tisten an Werken f\u00fcr andere Besetzungen\nbedienen und diese f\u00fcr ihr Instrument umdeuten. Oft liest man \u00fcber solche\nBearbeitungen, die Fl\u00f6te k\u00f6nne dem Charakter des Originals durch gewisse\ndynamische und phrasierungstechnische Einschr\u00e4nkungen nicht gerecht werden.\nDoch wer verlangt das? Viel eher sollten wir uns den pr\u00e4chtigen Facetten\nhingeben, welche ausschlie\u00dflich eine Fl\u00f6te aus den Werken herausholen kann; so h\u00f6ren\nwir die Werke einmal in ganz neuer Beleuchtung.<\/p>\n\n\n\n<p>Sofia de Salis erleben wir hier als phantasievolle\nFl\u00f6tistin, die auf eine besondere Farbenpracht in ihrem Spiel Wert legt. In den\nArrangements versucht sie, die Charakteristika der Originalinstrumente auf die\nFl\u00f6te zu \u00fcbertragen und kann dabei in Francks Sonate sogar die Robustheit der\nVioline gegen\u00fcber ihrem Instrument \u00fcbernehmen, wei\u00df jedoch auch um die Vorz\u00fcge\nihrer Fl\u00f6te und gestaltet manche Linien noch sanglicher und feiner, als wir sie\nvom Original her kennen. Abgesehen kleinerer Ausbr\u00fcche in \u00fcberm\u00e4\u00dfige Freiheit\nbei den kleinen Solo-Einw\u00fcrfen der Schubert-Sonate und im Recitativo der\nFranck-Sonate verzichtet de Salis darauf, sich in der Musik zu vertr\u00e4umen. <\/p>\n\n\n\n<p>Die klangliche Abstimmung zu ihrer Partnerin Iryna\nKrasnovsky funktioniert leider trotz der hervorragenden Aufnahmetechnik der\nSACD \u00fcberhaupt nicht. In der Arpeggione-Sonate Schuberts geht das Klavier\nvollkommen unter: Ich vermisse das Wechselspiel des Sechzehntelnoten-Motivs im\nKopfsatz und die thematischen Einw\u00fcrfe des Klaviers im Finale, allgemein die\nharmonische St\u00fctze, die bei Schubert so dringend notwendig ist. Bei dieser\nSonate finde ich im \u00dcbrigen auch schade, dass die Musiker das Adagio viel zu\nschnell nehmen und auch aus dem Allegretto-Finale ein Allegro machen, statt\ndass sie die Musik atmen lassen und die Ruhe auskosten. Bei Franck ist klanglich\ndas Gegenteil der Fall, hier \u00fcbert\u00f6nt das Klavier mitunter die Fl\u00f6te. Selbst\nbei einem Geigenpartner muss der Pianist darauf achten, nicht zu sehr zu\ndonnern, umso mehr bei einer Fl\u00f6te. Doch Iryna Krasnovska beachtet ihre\nMitstreiterin wenig, schenkt dem Wechselspiel zwischen Klavier und Fl\u00f6te keine\nAufmerksamkeit und kann selbst die eigenen Stimmen nicht stimmig zusammenf\u00fcgen,\nwodurch viele thematischen Motive untergehen, vor allem im ber\u00fcchtigten zweiten\nSatz. Die Pianistin scheint zu sehr mit den technischen Herausforderungen\nbesch\u00e4ftigt zu sein, um anderes zu bemerken. Erst im Finale dieser Sonate\nfinden de Salis und Krasnovska klanglich zusammen und musizieren gemeinsam. Die\nrestlichen Werke der CD sind dankbarer f\u00fcr das Zusammenspiel und musikalisch\nleichter zu durchdringen, entsprechend stimmigere Resultate h\u00f6ren wir. Im\nabschlie\u00dfenden \u201eSt\u00e4ndchen\u201c bemerken wir vielleicht sogar einen kleinen\nR\u00fcckbezug auf den Titel der CD.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>[Oliver Fraenzke, Mai\n2019]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ars Produktion Schumacher, ARS 38 267; EAN: 4 260052 382677 Gemeinsam mit der Pianistin Iryna Krasnovska spielt die Fl\u00f6tistin Sofia de Salis Arrangements bekannter Werke des 19. Jahrhunderts. Auf dem Programm steht die Sonate a-Moll f\u00fcr Arpeggione und Klavier D 821 (Arr. Konrad H\u00fcnteler) von Franz Schubert sowie dessen St\u00e4ndchen aus Schwanengesang (Arr. 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