{"id":3269,"date":"2019-06-01T09:15:14","date_gmt":"2019-06-01T07:15:14","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=3269"},"modified":"2019-06-02T09:46:12","modified_gmt":"2019-06-02T07:46:12","slug":"weit-mehr-als-nur-eine-reife-leistung","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2019\/06\/01\/weit-mehr-als-nur-eine-reife-leistung\/","title":{"rendered":"Weit mehr als nur eine reife Leistung"},"content":{"rendered":"\n<p>Naxos 8.573772; EAN: 7 4731337727 5<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image is-resized\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/N0111.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3270\" width=\"340\" height=\"337\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/N0111.jpg 1008w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/N0111-150x150.jpg 150w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/N0111-300x298.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/N0111-768x762.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 340px) 100vw, 340px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><em>Tianwa Yang \u2013 nach einigen ganz au\u00dferordentlichen Sarasate- und Rihm-Aufnahmen so etwas wie die Star-Violinistin des Naxos-Labels \u2013 hat nun unter der Leitung von Antoni Wit Brahms\u2018 Violinkonzert und zusammen mit Gabriel Schwabe das Doppelkonzert eingespielt. Naxos kann hierbei auf einen so bedeutenden Klangk\u00f6rper wie das DSO Berlin zur\u00fcckgreifen. Das alleine schon weckt hohe Erwartungen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Die\nAnzahl der \u2013 verschiedenen \u2013 Aufnahmen des Brahms-Violinkonzerts d\u00fcrfte\nmittlerweile die 300 weit \u00fcbersteigen; und auch vom im Konzertsaal doch\nseltener gespielten <em>Doppelkonzert f\u00fcr Violine und Violoncello a-moll op. 102<\/em>\nist sie sicherlich dreistellig. Dass die in Deutschland lebende Chinesin <em>Tianwa\nYang <\/em>momentanzu den talentiertesten Geigerinnen geh\u00f6rt, sollte\nsp\u00e4testens nach ihren acht Sarasate-CDs und den j\u00fcngsten Aufnahmen mit Werken\nvon Wolfgang Rihm au\u00dfer Frage stehen. Noch recht neu im Tontr\u00e4gergesch\u00e4ft ist\nder mehrfach ausgezeichnete Berliner Cellist <em>Gabriel Schwabe<\/em> \u2013 seine Saint-Sa\u00ebns-CD\nlie\u00df schon mal aufhorchen. <em>Antoni Wit<\/em> \u2013 bei Naxos mit seinen fast\ndurchgehend konkurrenzlos guten Lutoslawski- und Penderecki-Einspielungen ein\nalter Hase \u2013 konnte live schon immer mit Brahms \u00fcberzeugen. Der eigentliche\nPaukenschlag dieser Neueinspielung ist jedoch die Tatsache, dass Naxos diese\nAufnahme mit dem <em>Deutschen Symphonie-Orchester Berlin<\/em> realisieren\nkonnte, und dies auch noch in der Jesus-Christus-Kirche in Berlin-Dahlem, jahrzehntelang\ndie Top-Location f\u00fcr aufw\u00e4ndige Projekte, vor allem Opern, der \u201ealteingesessenen\u201c\nLabels.<\/p>\n\n\n\n<p>Tats\u00e4chlich\nkann die musikalische Darbietung hier mit denen etlicher \u201eWeltstars\u201c mithalten:\nFrau Yang gelingt im Violinkonzert eine packende Interpretation, die nicht nur\ntechnisch h\u00f6chste Erwartungen befriedigt: Extrem willensstarker Zugriff vom\nersten Einsatz an, in den lyrischen Passagen romantischer Gesang, der sich \u00fcber\nKlangsch\u00f6nheit hinaus ausdrucksm\u00e4\u00dfig entfaltet, aber auch Mut zu kleinen Brahms-typischen\nGrobheiten. So intoniert Yang etwa die \u00fcberm\u00e4\u00dfigen Sexten (erster Satz, T. 237\nff. bzw. T. 480 ff.) bewusst dissonant, nicht zu kleinen Septen weichgesp\u00fclt. Ihre\nArtikulation erscheint genauestens durchdacht, h\u00e4lt sich nicht stur an die\nVorgaben der Partitur, die Agogik ist flexibel und immer sinnf\u00e4llig, die\nJoachim-Kadenz wirkungsvoll. Wit und sein Orchester begleiten dies ohne Fehl\nund Tadel, pr\u00e4ziser (Intonation!) als etwa Karajans Berliner Philharmoniker\nAnne-Sophie Mutter bei ihrer ersten Aufnahme, die nat\u00fcrlich auch schon 37 Jahre\nher ist. Der eher unproblematische Orchestersatz erreicht bei den beiden Werken\nallerdings auch nicht ann\u00e4hernd die Komplexit\u00e4t von Brahms\u2018 Symphonien oder\nKlavierkonzerten. Das Tempo im Adagio ist fl\u00fcssig, beim Finale schie\u00dft die\nSolistin anfangs leider ein wenig \u00fcbers Ziel hinaus, neigt leicht zum Treiben.\nDas Ganze gef\u00e4llt aber durch eine wirkliche Frische, bei der man die echte\nBegeisterung aller Beteiligten an diesem Repertoire \u2013 trotz Routinegefahr \u2013\ndoch sp\u00fcren kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Noch\nbesser erscheint im Vergleich das Doppelkonzert: Hier \u00fcberwiegt eine\nLeichtigkeit, die andere Interpreten Brahms wohl nicht zutrauen mochten, die\ndem \u00fcber Strecken ein wenig akademisch wirkenden St\u00fcck aber offensichtlich sehr\nguttut \u2013 darin herrscht bei beiden Solisten und dem Dirigenten absolute\nEinigkeit. Das wird dann gewisserma\u00dfen zu feinsinniger Kammermusik f\u00fcr den\ngro\u00dfen Konzertsaal \u2013 gleichzeitig mit reichlich Raum f\u00fcr solistische\nEntfaltung. Im Mittelsatz \u00fcberwiegt die Demonstration des Dialogisierens gegen\u00fcber\nder unterschwelligen Melancholie; das ungarisch angehauchte Finale ist wieder\nein wahres Feuerwerk. Das moderne Konzept der Musiker eines jugendlich-frischen\nBrahms geht auf und hat zweifellos seine Daseinsberechtigung \u2013 eine der \u00fcberzeugendsten\nEinspielungen im Studio \u00fcberhaupt.<\/p>\n\n\n\n<p>Bliebe\nnicht doch ein Wermutstropfen: Leider bleibt die Aufnahmetechnik des\nNaxos-Teams weit hinter dem zur\u00fcck, was man von anderen Produktionen an diesem\nOrt kennt. Die Dynamik wirkt etwas zu gepresst, der optimale Hall dieser Kirche\nkommt kaum zur Geltung, der Bass ist zu d\u00fcnn, H\u00f6hen und vor allem die\nMittellage erscheinen fast schon penetrant hervorgehoben. Das Klangbild ist\nalso insgesamt inhomogen und nervig, wie aus einer Blechdose \u2013 schade. Heymanns\nhervorragende K\u00fcnstler, die in diesem Fall keine Konkurrenz f\u00fcrchten m\u00fcssen, h\u00e4tten\nda mehr Sorgfalt verdient. Das wird man in Berlin zuk\u00fcnftig hoffentlich noch\nnachjustieren. <em>&nbsp;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>[Martin Blaumeiser, Mai 2019]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Naxos 8.573772; EAN: 7 4731337727 5 Tianwa Yang \u2013 nach einigen ganz au\u00dferordentlichen Sarasate- und Rihm-Aufnahmen so etwas wie die Star-Violinistin des Naxos-Labels \u2013 hat nun unter der Leitung von Antoni Wit Brahms\u2018 Violinkonzert und zusammen mit Gabriel Schwabe das Doppelkonzert eingespielt. 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