{"id":3273,"date":"2019-06-03T19:24:47","date_gmt":"2019-06-03T17:24:47","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=3273"},"modified":"2019-06-04T08:05:22","modified_gmt":"2019-06-04T06:05:22","slug":"brahms-streicherkonzerte-in-ueberragender-qualitaet","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2019\/06\/03\/brahms-streicherkonzerte-in-ueberragender-qualitaet\/","title":{"rendered":"Brahms\u2018 Streicherkonzerte in \u00fcberragender Qualit\u00e4t"},"content":{"rendered":"\n<p>Naxos, 8.573772; EAN: 7 4731337727 5<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image is-resized\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/N0111.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3270\" width=\"334\" height=\"331\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/N0111.jpg 1008w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/N0111-150x150.jpg 150w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/N0111-300x298.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/N0111-768x762.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 334px) 100vw, 334px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><em>Das deutsche Symphonie-Orchester Berlin widmet sich unter Leitung von Antoni Wit den Streicherkonzerten von Johannes Brahms. Mit der Solistin Tianwa Yang steht das Violinkonzert D-Dur op. 77 auf dem Programm, im Doppelkonzert f\u00fcr Violine, Cello und Orchester a-Moll op. 102 kommt Gabriel Schwabe hinzu.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Johannes Brahms geh\u00f6rt zu den ganz wenigen gro\u00dfen\nKomponisten vor Ausbruch der Atonalit\u00e4t, der durchweg unzeitgem\u00e4\u00df komponierte,\ndessen Musik nicht durch seine Zeit befl\u00fcgelt wurde, sondern sich st\u00e4ndig gegen\nsie zur Wehr setzen musste. Lie\u00dfen sich fr\u00fche Werke noch ann\u00e4herungsweise als\nFortf\u00fchrung der Tradition der Wiener Klassiker bezeichnen, l\u00f6ste er sich in\nsp\u00e4teren Jahren durch die enorme Konzentration und Komprimierung auf das\nWesentliche vollkommen von seiner musikalischen Umwelt. Brahms\u2018 Werke sind\nweder fortschrittlich, noch sind sie reaktion\u00e4r \u2013 sie beschreiten einen ganz\neigenen Weg und stehen f\u00fcr sich alleine. Auf sein Umfeld musste Brahms\ngespalten gewirkt haben, verehrt als den Meister, den man nicht verkennen kann,\nund zugleich skeptisch be\u00e4ugt, da er nicht so recht passen wollte in die Zeit\nund in die aktuelle Musik.<\/p>\n\n\n\n<p>So verwundert auch nicht, dass die Musik von Brahms\nregelm\u00e4\u00dfig floppte oder zwiegespalten aufgenommen wurde. Das Publikum musste die\nWerke einfach sch\u00e4tzen, doch verstanden sie nur die wenigsten. Das trifft\nbesonders auf sein letztes Orchesterwerk zu, dem bahnbrechenden Doppelkonzert\na-Moll, welches die beinahe ausgestorbene Gattung auf v\u00f6llig neue Weise\nwiederbelebte. Warum hingegen das Violinkonzert derartig popul\u00e4r wurde trotz\ndes gewaltigen und kaum durchdringbaren Kopfsatzes, bleibt fraglich: Lag es am\nEinsatz des Widmungstr\u00e4gers Joseph Joachim, an der an Unspielbarkeit\ngemahnenden Schwierigkeit oder am eing\u00e4ngigen Thema des Finals? <\/p>\n\n\n\n<p>Die mitwirkenden Musiker dieser CD pr\u00e4sentieren tiefes Verst\u00e4ndnis und ansprechende Lebendigkeit in Kombination mit einer hinrei\u00dfenden Schlichtheit. F\u00fcr das Projekt ging Naxos in die Vollen und engagierte das Weltruhm genie\u00dfende Deutsche Symphonieorchester Berlin und nahm die CD in der Jesus-Christus-Kirche in Berlin Dahlem auf, in der bereits Furtw\u00e4ngler, Karajan, Abbado, Barenboim und zahlreiche andere konzertierten und einspielten. Als Solistin gl\u00e4nzt Tianwa Yang durch ihre Leichtigkeit und ihr akkurates Zuh\u00f6ren, wodurch sie stets in einer Einheit mit dem Orchester bleibt. Auch das Orchester unter Leitung Antoni Wits bleibt ausgewogen, wenngleich gerade im Kopfsatz die Tontechnik die Ausgeglichenheit unterminiert: Die hohen Streicher wurde deutlich heruntergeregelt, vermutlich um der Solovioline den Vortritt zu lassen, doch dadurch leidet die gesamte klangliche Abstimmung der Musiker. Im Mittelsatz br\u00f6ckelt anfangs das Tempo zu einem Achtelzeitma\u00df, sp\u00e4ter gewinnt Yang das von Brahms ausdr\u00fccklich vorgeschriebene Viertelma\u00df wieder zur\u00fcck und leitet energetisch direkt \u00fcber in das souver\u00e4ne Finale. Im Doppelkonzert unterst\u00fctzt Gabriel Schwabe, der bereits das gesamte Cellowerk Brahms\u2018 aufgenommen hat, und f\u00fcgt sich problemlos in das Geflecht der Stimmen ein. Die beiden Solisten wirken zusammen ohne jeden Bruch, sie sind perfekt aufeinander eingespielt. Schwabe erreicht auf dieser CD eine beinahe unerh\u00f6rte Sanftheit der Cellostimme, wie sie nur von wenigen Meistern erreicht wurde, derart zart und weich klingt sein Instrument. Im Doppelkonzert kommt nun auch die Tontechnik weitesgehend mit und so schwei\u00dfen alle Beteiligten das Konzert zusammen zu einem gro\u00dfen und zeitlosen Werk mit kolossaler Spannweite und tief empfundenem Ausdruck.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>[Oliver Fraenzke, Mai\n2019]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Naxos, 8.573772; EAN: 7 4731337727 5 Das deutsche Symphonie-Orchester Berlin widmet sich unter Leitung von Antoni Wit den Streicherkonzerten von Johannes Brahms. Mit der Solistin Tianwa Yang steht das Violinkonzert D-Dur op. 77 auf dem Programm, im Doppelkonzert f\u00fcr Violine, Cello und Orchester a-Moll op. 102 kommt Gabriel Schwabe hinzu. 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