{"id":329,"date":"2015-12-18T13:43:22","date_gmt":"2015-12-18T12:43:22","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=329"},"modified":"2015-12-18T13:43:43","modified_gmt":"2015-12-18T12:43:43","slug":"eine-perle-in-einem-meer-aus-halbgarem","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2015\/12\/18\/eine-perle-in-einem-meer-aus-halbgarem\/","title":{"rendered":"Eine Perle in einem Meer aus Halbgarem"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: center\">Claude Debussy<br \/>\nSonate f\u00fcr Violine und Klavier<br \/>\nSonate f\u00fcr Cello und Klavier<br \/>\nSonate f\u00fcr Fl\u00f6te, Viola und Harfe,<br \/>\n\u201eSyrinx\u201c f\u00fcr Fl\u00f6te Solo<br \/>\nBoston Symphony Chamber Players<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Pentatone remastered classics, PTC5186226; EAN: 827949022661<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/Grete4.png\" rel=\"attachment wp-att-331\"><img loading=\"lazy\" class=\"size-full wp-image-331 aligncenter\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/Grete4.png\" alt=\"Grete4\" width=\"290\" height=\"298\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Zwar bin ich ein ausgesprochener Fan der Surroundtechnik, gleichwohl muss ich zugeben, dass mich die meisten der viel gepriesenen Wiederauflagen \u00e4lterer Quadro-Einspielungen noch nie \u00fcberzeugen konnten. Anders ist es mit diesem Album, das von vorn bis hinten \u00fcberzeugt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Ganz vorn mit dabei beim Wiederauflebenlassen der Quadro-Vierkanaltechnik ist das niederl\u00e4ndische Label pentatone, faktisch ein Nachfolgeunternehmen des in den 1990er-Jahren in W\u00fcrde verblichenen Philips Classics-Labels. Schon zu den allerersten Projekten der Anfang der 2000er-Jahre nach dem Philips-Exitus neu gegr\u00fcndeten Firma z\u00e4hlten Re-Issues von Quadro-Aufnahmen des einstigen Vorg\u00e4ngerlabels. Neuerdings haben sich die Niederl\u00e4nder das Archiv der Deutschen Grammophon vorgenommen, und was von dort aus bislang zutage trat, das war in aller Regel mehr als ern\u00fcchternd. Die Deutsche Grammophon war sowieso noch nie ein Label, das Hifi-Anspr\u00fcche zu erf\u00fcllen vermocht h\u00e4tte \u2013 und das hat sich ja auch bis heute (leider!) so erhalten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die Quadro-Aufnahmen aus dem Keller der DGG, die bei pentatone bislang erschienen sind, waren deswegen auch alles andere als \u201eHingucker\u201c oder gar \u201eHinh\u00f6rer\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">\u00dcberwiegend handelte es sich um Material aus der Zeit von Mitte der 1970er bis Anfang der 1980er, als die Deutsche Grammophon \u2013 sagen wir es offen \u2013 schon ihre besten Jahre hinter sich hatte. Sicher, Sternstunden hier und da. Aber das Gros der Ver\u00f6ffentlichungen triefte schon damals vor Langeweile.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Nun ist in der pentatone-Reihe der DGG-Quadro-Remasters doch noch ein veritables Highlight erschienen. Zwar ist es technisch ebenso wenig audiophil wie alle anderen Deutsche Grammophon-Platten aus dieser Zeit, aber interpretatorisch und vom Repertoire ist das erschienene Album sehr interessant.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die \u201eBoston Symphony Chamber Players\u201c spielen auf dieser Vierkanalaufnahme aus dem Jahr 1970 einen Gro\u00dfteil der Kammermusik Claude Debussys. Nun stutzt man angesichts des gesichtslosen Namens \u201eBoston Symphony Chamber Players\u201c. Wer genau spielt denn da bittesch\u00f6n? Das Booklet der SACD kl\u00e4rt uns auf: Hier greift zum Beispiel der heute als Dirigent ber\u00fchmte Michael Tilson Thomas in die Tasten und niemand Geringeres als Joseph Silverstein spielt die Solovioline. Zusammen bilden die beiden bei Debussys geradezu erotisch-freigeistiger, mit Orientalismen und Arabesken durchzogenen Violinsonate ein Duo, wie man es sich besser nicht vorstellen kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Der Gedanke an so etwas wie spieltechnische H\u00fcrden kommt gar nicht erst auf. Die hatten Silverstein und Tilson Thomas sowieso im Griff \u2013 \u2026und konnten sich auf das Wichtige konzentrieren: Die Musik hinter den Noten, das irisierende Schillern dieser Musik, die tausend Farbschattierungen dieser Weltklassesonate.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die anderen Solisten auf diesem Album wie Jules Eskin (Cello), Doriot Anthoy Dwyer (Fl\u00f6te), Burton Fine (Viola) und Ann Hobson (Harfe) m\u00f6gen weniger klangvolle Namen tragen als Silverstein und Tilson Thomas, sie pflegten aber bei dieser Aufnahme dieselbe Philosophie, wenn man so will: \u00c4u\u00dferst beseelte, nachgerade hinrei\u00dfende Einspielungen haben sie auf dieser insgesamt fantastischen Platte von der Cellosonate und der Sonate f\u00fcr Fl\u00f6te, Viola und Harfe hinterlassen. Zu all dem kommt noch das kurze, aber zeitlos moderne \u201eSyrinx\u201c f\u00fcr Fl\u00f6te solo.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Wenn auch die anderen \u201eAusgrabungen\u201c aus dem Deutsche Grammophon-Archiv bei pentatone nicht viel Brauchbares hervorgebracht haben m\u00f6gen, so ist doch wenigstens diese faszinierende Einspielung etwas f\u00fcr\u2019s Leben. Wer diese Einspielung hat, kann damit immer gl\u00fccklich sein. Es wird Alternativen geben, andere gelungene Einspielungen dieser herrlichen Musik. Aber \u00fcbertreffen werden kann diese von vorn bis hinten einfach nur gro\u00dfartige Aufnahme aus Boston eigentlich nicht. Sie ist fast schon ein Gesamtkunstwerk, eine Einspielung, bei der man zu jeder Sekunde das Gef\u00fchl hat: So, genau so muss es sein. Eine Seltenheit und eine willkommene Wiederver\u00f6ffentlichung in einer Flut von zu viel Halbgarem.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>[Grete Catus, Dezember 2015]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Claude Debussy Sonate f\u00fcr Violine und Klavier Sonate f\u00fcr Cello und Klavier Sonate f\u00fcr Fl\u00f6te, Viola und Harfe, \u201eSyrinx\u201c f\u00fcr Fl\u00f6te Solo Boston Symphony Chamber Players Pentatone remastered classics, PTC5186226; EAN: 827949022661 Zwar bin ich ein ausgesprochener Fan der Surroundtechnik, gleichwohl muss ich zugeben, dass mich die meisten der viel gepriesenen Wiederauflagen \u00e4lterer Quadro-Einspielungen noch &hellip; <a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2015\/12\/18\/eine-perle-in-einem-meer-aus-halbgarem\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Eine Perle in einem Meer aus Halbgarem<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":5,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[13],"tags":[330,323,329,322,328,326,327,325,324],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/329"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/5"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=329"}],"version-history":[{"count":2,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/329\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":333,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/329\/revisions\/333"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=329"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=329"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=329"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}