{"id":3297,"date":"2019-06-14T07:59:06","date_gmt":"2019-06-14T05:59:06","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=3297"},"modified":"2019-06-15T08:00:49","modified_gmt":"2019-06-15T06:00:49","slug":"die-kunst-des-programmierens","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2019\/06\/14\/die-kunst-des-programmierens\/","title":{"rendered":"Die Kunst des Programmierens"},"content":{"rendered":"\n<p>Naxos, 8.551414; EAN: 730099 141437<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image is-resized\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/N0115.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3298\" width=\"301\" height=\"301\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/N0115.jpg 600w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/N0115-150x150.jpg 150w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/N0115-300x300.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 301px) 100vw, 301px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><em>Unter dem Titel \u201eFrance\nRomance\u201c verbergen sich Klavierwerke vorwiegend franz\u00f6sischer Komponisten,\ngespielt von Kotaro Fukuma. Auf dem Programm stehen zwei kurze Werke Debussys,\naus der Feder Faur\u00e9s zwei der acht kurzen St\u00fccke op. 84 und die drei Romanzen\nohne Worte op. 17, Ravels Pavane pour une infante d\u00e9funte und La Valse (neu\narrangiert), die erste der Gymnop\u00e9dies und Je te veux (bearbeitet vom\nPianisten) von Satie, Poulencs 15. Improvisation und drei Novelettes, 6\nArrangements des Bulgaren Alexis Weissenberg von Charles Trenets Liedern und\nParlez-moi d\u2019amour von Jean Lenoir, arrangiert vom Pianisten.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Zun\u00e4chst erweckte dieses bunt gemischte Programm\nverschiedener, gr\u00f6\u00dftenteils franz\u00f6sischer Komponisten mein Interesse, denn man\nh\u00e4tte einige Werke dieser Tonsetzer sicherlich stimmig zusammenf\u00fcgen k\u00f6nnen zu\neinem einheitlich wirkenden Ganzen. Doch das Aufstellen eines guten Programms\nist eine Kunst f\u00fcr sich, wie diese CD als Gegenbeispiel eindr\u00fccklich zeigt.<\/p>\n\n\n\n<p>Zusammengefasst wurden die Werke unter dem kitschigen Titel\n\u201eFrance Romance\u201c, was weder der epochalen Vielseitigkeit der Musik gerecht\nwird, noch derem teils enormen Gehalt. Auch die Reihenfolge der einzelnen\nSt\u00fccke wirkt komisch: Wie kann man nach dem skurrilen und hoch virtuosen\nGlanzst\u00fcck La Valse die \u201eM\u00f6belmusik\u201c Saties, zumal dessen erste Gymnop\u00e9die,\nprogrammieren? Sicherlich, Kontraste geben Vielfalt und halten die Spannung,\ndoch es h\u00e4ngt schlie\u00dflich auch keiner einen Bilderrahmen eines schwedischen\nM\u00f6belkonzerns neben die Mona Lisa. Wo es hier zu viele Kontraste gibt, gibt es\nan anderen Stellen zu wenige, und ein sentimentales St\u00fcck reiht sich ans\nN\u00e4chste. Will also Kotaro Fukuma ein seri\u00f6ses Klavieralbum pr\u00e4sentieren oder\neine Kamin-Musik f\u00fcr romantische Abende? Die Zusammenstellung passt zu keinem\nvon beidem.<\/p>\n\n\n\n<p>Technisch spielt Kotaro Fukuma auf h\u00f6chstem Niveau und\nbleibt absolut akkurat, was die Ausf\u00fchrung der Spielanweisungen angeht. In den\nmelancholischen und sentimentschwangeren St\u00fccken vertr\u00e4umt er sich gerne in\neine Stimmung, hier k\u00f6nnte er noch mehr die innermusikalischen Kontraste\nhervorheben. Pr\u00e4zise bleibt Fukuma in La Valse, dem er noch einige der\nOrchesterstimmen hinzugef\u00fcgt hat: Bei diesem Werk merkt man die enorme Arbeit,\ndie der Pianist hineinstecken musste, um die eigenwillige Klangwelt zum Leben\nzu erwecken, was abgesehen des etwas gedroschenen Finals durchaus gelingt.\nWeniger M\u00fche machte sich Fukuma mit Ravels Pavane pour une infante d\u00e9funte, das\nzwar seine Wirkung nicht verfehlt, allerdings in vielen Details vor allem der\nPedalisierung nicht der Intention des Komponisten entspricht: welch enormen\nAusdruck kann das Thema entfalten, wenn man es die ersten beiden Male ohne oder\nfast ohne Pedal nimmt! Ich denke hier an die grandiosen Aufnahmen von Juan Jos\u00e9\nChuquisengo und auch die von H\u00e5kon Austb\u00f8, welche das je auch ihre Art intensiv\nund reflektiert umgesetzt haben. Etwas schockiert war ich von Fukumas\nBearbeitung von Saties Je te veux. Dieses Lied lebt, wie eben die Musik Saties\nallgemein, von gr\u00f6\u00dftm\u00f6glicher Einfachheit und Sachlichkeit: Fukuma f\u00fcgt\nallerdings virtuose Passagen wie von Liszt ein, verschn\u00f6rkelt die Melodie oder\nf\u00fcgt neue Stimmen hinzu. Bei romantischer Musik lie\u00dfe sich sowas durchaus\nmachen, nicht aber bei einer Musik, die eben aller Virtuosit\u00e4t entsagt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>[Oliver Fraenzke, Mai\n2019] <\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Naxos, 8.551414; EAN: 730099 141437 Unter dem Titel \u201eFrance Romance\u201c verbergen sich Klavierwerke vorwiegend franz\u00f6sischer Komponisten, gespielt von Kotaro Fukuma. 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