{"id":3304,"date":"2019-06-18T10:42:33","date_gmt":"2019-06-18T08:42:33","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=3304"},"modified":"2019-06-19T10:44:30","modified_gmt":"2019-06-19T08:44:30","slug":"einer-der-besten-komponisten-der-alten-schule","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2019\/06\/18\/einer-der-besten-komponisten-der-alten-schule\/","title":{"rendered":"Einer der besten Komponisten der alten Schule"},"content":{"rendered":"\n<p>Capriccio C5318; EAN: 8 45221 05318 9<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image is-resized\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/N0116.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3305\" width=\"307\" height=\"307\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/N0116.jpg 600w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/N0116-150x150.jpg 150w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/N0116-300x300.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 307px) 100vw, 307px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><em>Bei den auf dieser CD\naufgenommenen Kammermusikwerken Karl Weigls handelt es sich haupts\u00e4chlich um Ersteinspielungen:\nZu h\u00f6ren sind die zweite Violinsonate G-Dur, Zwei St\u00fccke f\u00fcr Cello und Klavier\nop. 33 und Zwei St\u00fccke f\u00fcr Violine und Klavier; lediglich das Klaviertrio\nd-Moll wurde bereits zwei Mal auf Platte festgehalten. David Fr\u00fchwirth spielt\ndie Geige, Benedict Kloeckner das Cello und Florian Krump\u00f6ck \u00fcbernimmt den\nKlavierpart.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Karl Weigl geh\u00f6rt zu den gro\u00dfen Unzeitgem\u00e4\u00dfen, die bis zum\nLebensende der Moderne den R\u00fccken kehrten und die Tonalit\u00e4t fortleben lie\u00dfen.\nAusgebildet bei Zemlinsky, Fuchs und Adler befanden sich schon fr\u00fche Werke auf\nder H\u00f6he der sp\u00e4tromantischen Ausdruckswelt, eine Stelle als Korrepetitor bei\nMahler komplettierte dies. Auch mit Arnold Sch\u00f6nberg stand Weigl in gutem\nKontakt, zumindest bis sich dieser der Atonalit\u00e4t verschrieb, was den Kontakt\nverstummen lie\u00df \u2013 wenngleich Sch\u00f6nberg 1938 noch schrieb, er betrachte \u201eDr.\nWeigl immer f\u00fcr einen der besten Komponisten der alten Schule [\u2026]; einer von\ndenen, die die glanzvolle Wiener Tradition fortsetzten. Er bewahrt zweifellos\ndie alte Haltung jenes musikalischen Geistes, welcher einen der besten Teile\nder Wiener Kultur darstellt.\u201c Nach dem Anschluss \u00d6sterreichs an das\nnazifizierte Deutschland wurde Weigls Musik verboten und er entkam nach\nAmerika, wo seine Karriere trotz gro\u00dfer Bem\u00fchungen von vielen Seiten einen\nAbbruch fand. Seitdem schlummert seine Musik, darunter sechs Symphonien,\nmehrere Solokonzerte, Lieder und Kammermusik, g\u00e4nzlich unbeachtet und wurde\nerst in diesem Jahrzehnt vereinzelt wieder entdeckt.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Musik gibt deutlich die Einfl\u00fcsse der Wiener Klassik und\nder sp\u00e4tromantischen Tradition Mahlers und Zemlinskys zu erkennen und bringt\ndoch eine ganz eigene Note hinein. Weigl degradiert Virtuosit\u00e4t und klangliche\nEffekte nicht zum Selbstzweck, sondern benutzt sie ausschlie\u00dflich im Sinne der\nMusik. Im Gegensatz zu Mahler h\u00e4lt sich Weigl an eine stringente Form ohne\n\u00fcberm\u00e4\u00dfiges Eilen von H\u00f6hepunkt zu H\u00f6hepunkt; er geht \u00f6konomischer mit\nAusbr\u00fcchen um. Die zwei eingespielten Gro\u00dfformen bewahren die klassische\nDreiteiligkeit und auch die St\u00fccke f\u00fcr Violine und diejenigen f\u00fcr Cello und\nKlavier lassen klassische Modelle durchscheinen. Nie st\u00fcrmt Weigls Musik\nungehalten davon, selbst im \u201eWilden Tanz\u201c bewahrt sie Eleganz.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Pianist Florian Krump\u00f6ck hob 2002 bereits das Konzert\nf\u00fcr die Linke Hand und Orchester (das vom Auftraggeber Paul Wittgenstein &#8211; ebenso\nwie das bestellte Konzert von Hindemith &#8211; abgelehnt wurde) aus der Taufe und\nnahm es 2013 f\u00fcr Capriccio auf. In diesen teils bereits auf 2012 zur\u00fcckgehenden\nAufnahmen (die St\u00fccke mit Cello sind auf 2016 datiert) h\u00f6ren wir ihn mit\nKammermusik f\u00fcr Violine und Cello. Er durchdringt die Musik Weigls und entlockt\nihr romantischen Flair und klassische Pr\u00e4zision, spielt sie n\u00fcchtern wie\neinf\u00fchlsam zugleich. Auch David Fr\u00fchwirth h\u00f6rten wir bereits mit Weigl, er\nspielte das Violinkonzert auf der gleichen CD, welche das Klavierkonzert\nbeinhaltet. Hier gl\u00e4nzt er in der Violinsonate, den Zwei St\u00fccken und dem Trio\nals akkurater und sensibler Geiger. Er verleiht seiner Stimme metallischen\nGlanz und subtile Sch\u00f6nheit, leitet merklich das Geschehen in allen St\u00fccken.\nNeu hinzu kommt der rasant aufsteigende Newcomer Benedict Kloeckner, der\nbereits eine beachtliche Diskographie vorzuweisen hat. Sein Spiel ist bestimmt\nund kr\u00e4ftig, nicht weniger kann er jedoch auch die lyrische Seite zum Vorschein\nbringen; im Trio passt er sich bestens seinen Mitstreitern an und geht vor\nallem mit der Violine eine innig-klangliche Verbindung ein.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>[Oliver Fraenzke,\nJuni 2019]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Capriccio C5318; EAN: 8 45221 05318 9 Bei den auf dieser CD aufgenommenen Kammermusikwerken Karl Weigls handelt es sich haupts\u00e4chlich um Ersteinspielungen: Zu h\u00f6ren sind die zweite Violinsonate G-Dur, Zwei St\u00fccke f\u00fcr Cello und Klavier op. 33 und Zwei St\u00fccke f\u00fcr Violine und Klavier; lediglich das Klaviertrio d-Moll wurde bereits zwei Mal auf Platte festgehalten. &hellip; <a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2019\/06\/18\/einer-der-besten-komponisten-der-alten-schule\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Einer der besten Komponisten der alten Schule<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[13],"tags":[3148,818,815,814,3149],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3304"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3304"}],"version-history":[{"count":1,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3304\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3306,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3304\/revisions\/3306"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3304"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3304"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3304"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}