{"id":3309,"date":"2019-06-22T10:07:26","date_gmt":"2019-06-22T08:07:26","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=3309"},"modified":"2019-06-23T10:09:07","modified_gmt":"2019-06-23T08:09:07","slug":"eine-alte-praxis-bewaehrt-sich-neu","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2019\/06\/22\/eine-alte-praxis-bewaehrt-sich-neu\/","title":{"rendered":"Eine alte Praxis bew\u00e4hrt sich neu"},"content":{"rendered":"\n<p>Reddress, 34-011906; EAN: 8 056151 200013<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image is-resized\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/N0117.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3310\" width=\"342\" height=\"341\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/N0117.jpg 600w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/N0117-150x150.jpg 150w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/N0117-300x300.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 342px) 100vw, 342px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><em>Michele Barchi\narrangierte die zw\u00f6lf Concerti, die Antonio Vivaldis in seinem L\u2019Estro Armonico\nop. 3 b\u00fcndelte, f\u00fcr die Besetzung seines Ensembles, Armoniosa, bestehend aus\nCembalo, Orgel, Geige, f\u00fcnfsaitigem Cello \u201ePiccolo\u201c und Cello. An den\nInstrumenten h\u00f6ren wir Michele Barchi, Daniele Ferretti, Francesco Cerrato,\nStefano Cerrato und Marco Demaria.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Die Drucklegung von Vivaldis L\u2019Estro Armonico 1711 als Opus\n3 verhalf dem Komponisten zum internationalen Durchbruch. Interessanterweise\nfragte Vivaldi f\u00fcr das Vorhaben nicht in Italien an, sondern suchte sich einen\nVerlag in den Niederlanden, was alleine die pers\u00f6nliche Bedeutung dahinter zeigt.\nVivaldi hob die Form des Instrumentalkonzerts auf ein g\u00e4nzlich neues Level\nbez\u00fcglich Vielseitigkeit, durchg\u00e4ngiger Qualit\u00e4t, formaler Stringenz und\nAusdrucksst\u00e4rke. Dies inspirierte zahlreiche Komponisten zu Arrangements oder\neigenen Kompositionen \u2013 so unter anderem den damals als Organist in Weimar\nt\u00e4tigen Johann Sebastian Bach, der mehrere der Konzerte bearbeitete. Das zehnte\nKonzert arrangierte Bach etwa 20 Jahre sp\u00e4ter, was den enormen Einfluss dieser\nMusik auf ihn unterstreicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Bearbeitungen waren zur Zeit des Barocks eine landl\u00e4ufige\nPraxis, da zum einen die Ensembles keiner festen Instrumentation unterlagen,\nman also entsprechend die Werke f\u00fcr die eigenen Instrumente anpassen musste, und\nzum anderen die Musik nicht wie heute als unver\u00e4nderbarer Monolith betrachtet\nwurde. Das Ensemble Armoniosa greift diese Technik auf und bearbeitete die\nzw\u00f6lf Konzerte f\u00fcr ihr f\u00fcnf Instrumente: Cembalo, Orgel, Geige, f\u00fcnfsaitiges\nCello \u201ePiccolo\u201c und Cello. F\u00fcr die Aufnahmen verwendeten die Musiker insgesamt\nsechs Cembali und zwei Orgeln. <\/p>\n\n\n\n<p>Gr\u00f6\u00dftenteils funktioniert die Neuinstrumentation pr\u00e4chtig\nund entlockt der Kammermusikbesetzung orchestrale Kl\u00e4nge. Lediglich das erste\nder Konzerte erscheint mir zu Cembalolastig, da trotz der zwei Manuale die\nKontraste der urspr\u00fcnglichen Soli verlorengehen, woran auch das etwas gewollte\nund somit \u00fcberm\u00e4\u00dfige Vortragsweise voll kleiner Verz\u00f6gerungen nichts \u00e4ndert.\nDoch ab dem zweiten Konzert entfalten sich die Musiker. Die f\u00fcnf\nInstrumentalisten vereinen Spielfreude und akkurates Zuh\u00f6ren, sie achten\naufeinander und passen sich dynamisch pr\u00e4zise an \u2013 was nicht immer leicht ist\nbei dieser Besetzung. Vor allem gelingt es ihnen, die Musik lebendig entstehen\nzu lassen und so dem Klischee des N\u00e4hmaschinen-Barock ein Schnippchen zu\nschlagen. In wenigen F\u00e4llen h\u00f6rt man zwar bei den Tasteninstrumenten eine\nstandardisierte Wendung heraus, die ihre Wirkung bereits verbraucht hat, doch\nmachen sie dies durch feine Artikulation schnell wett. Die kr\u00e4ftige Geige aus\ndem fr\u00fchen 19. Jahrhundert macht sich durch ihre Intensit\u00e4t gut in dieser\nAufnahme, eine \u00e4ltere Geige k\u00f6nnte alleine die H\u00f6he nicht genug ausf\u00fcllen\nbez\u00fcglich des Volumens; die Tiefe wird durch das Wechselspiel des f\u00fcnfsaitigen\nCellos aus dem sp\u00e4ten 19. Jahrhundert und dem Cello aus der Mitte des 18.\nJahrhunderts facettenreich zum Schwingen gebracht.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>[Oliver Fraenzke, Juni\n2019]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Reddress, 34-011906; EAN: 8 056151 200013 Michele Barchi arrangierte die zw\u00f6lf Concerti, die Antonio Vivaldis in seinem L\u2019Estro Armonico op. 3 b\u00fcndelte, f\u00fcr die Besetzung seines Ensembles, Armoniosa, bestehend aus Cembalo, Orgel, Geige, f\u00fcnfsaitigem Cello \u201ePiccolo\u201c und Cello. An den Instrumenten h\u00f6ren wir Michele Barchi, Daniele Ferretti, Francesco Cerrato, Stefano Cerrato und Marco Demaria. Die &hellip; <a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2019\/06\/22\/eine-alte-praxis-bewaehrt-sich-neu\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Eine alte Praxis bew\u00e4hrt sich neu<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[13],"tags":[367,3159,3156,3157,3160,3155,3154,3158],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3309"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3309"}],"version-history":[{"count":1,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3309\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3311,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3309\/revisions\/3311"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3309"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3309"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3309"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}