{"id":3323,"date":"2019-07-03T09:22:29","date_gmt":"2019-07-03T07:22:29","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=3323"},"modified":"2019-07-03T09:22:30","modified_gmt":"2019-07-03T07:22:30","slug":"bach-auf-fluegel","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2019\/07\/03\/bach-auf-fluegel\/","title":{"rendered":"Bach auf Fl\u00fcgel"},"content":{"rendered":"\n<p>Ars Produktion Schumacher, ARS 38 508; EAN: 4 260052 385081<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image is-resized\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/N0121.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3324\" width=\"344\" height=\"344\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/N0121.jpg 600w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/N0121-150x150.jpg 150w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/N0121-300x300.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 344px) 100vw, 344px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><em>Auf zwei CDs h\u00f6ren wir\nAufnahmen mit Boris Bloch von Klaviermusik Johann Sebastian Bachs, die\nEntstehung dieser erstreckt sich dabei \u00fcber 15 Jahre. Wir h\u00f6ren die Toccata\nD-Dur BWV 912, Pr\u00e4ludien und Fugen BWV 846, 847, 850, 851, 854, 855, 859 und\n884, die ersten zwei Partiten, die IV franz\u00f6sische Suite, die Fantasie c-Moll\nBWV 906 und die Concerti BWV 972 (nach Vivaldi), 974 (nach Marcello) sowie das\nitalienische Konzert F-Dur BWV 971.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Kaum ein Komponist hat ein stilistisch derartig vielseitiges\nRepertoire an Clavier-Musik geschrieben wie Johann Sebastian Bach. Allein bei\neinem Durchspielen des Wohltemperierten Klaviers w\u00fcnschte ich mit Fl\u00fcgel,\nHammerklavier, Cambalo, Clavichord und Orgel \u2013 oder gar Instrumente, die noch\ngar nicht erfunden wurden und die es erm\u00f6glichen, Streichertechniken wie\nCrescendo auf einem Ton oder Vibrato zu erm\u00f6glichen. Deshalb bin ich sehr froh\ndarum, dass es abgesehen einiger puristischer Barockkreise mittlerweile Usus\ngeworden ist, Bach auch auf modernen Instrumenten darzubieten, welche klanglich\nmehr differenzieren k\u00f6nnen als die Historischen und diese doch teils zu\nimitieren verm\u00f6gen. Mittlerweile fand man \u00fcbrigens sogar Belege, dass Bach\nnicht nur einen, sondern gleich mehrere Hammerklaviere besa\u00df und diese oftmals\nim Konzert spielte. Besonders in den Partiten und den Konzerten profitiert\nBoris Bloch von den Vorz\u00fcgen des modernen Fl\u00fcgels und holt orchestralen Klang auf\ndas Tasteninstrument. ARS Produktion Schumacher entdeckte den Pianisten und\ngibt nun die bereits achte Aufnahme seit 2011 mit ihm heraus, in welcher er\nsich je einem Komponisten verschreibt.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei Bach sieht Boris Bloch vor allem die menschliche und\nnicht die rein mechanisch-fl\u00e4chige Seite, nimmt sich gewisse Freiheiten in der\nMusik und gibt ihr so plastische und organische Gestalt. Dabei kann er vor\nallem den Partiten ein hinrei\u00dfendes Sentiment entlocken, das innerlich ergreift,\nohne zu schwelgen. Die Sinfonia der zweiten Partita sticht durch ihre\nstringente Formgestaltung besonders heraus, so auch das e-Moll-Pr\u00e4ludium. In\nden Pr\u00e4ludien und Fugen bin ich nicht immer mit der Tempogestaltung\neinverstanden, wenngleich dies bei Bach nat\u00fcrlich immer eine Diskussion f\u00fcr sich\ndarstellt: Beim D-Dur-Pr\u00e4ludium fehlt mir das erh\u00f6hende Gef\u00fchl, welches nur\ndurch moderates Tempo erreichbar w\u00e4re (ph\u00e4nomenal daf\u00fcr die B\u00e4sse, die wie ein\ngezupfter Kontrabass klingen), die d-Moll-Fuge wirkt hingegen zu geschwind, um\nall die harmonischen Finessen erkennen zu lassen, die bereits einen\nVorgeschmack auf die Kunst der Fuge geben \u2013 die karge Struktur sollte\nunterstrichen und nicht umgangen werden. Zudem st\u00f6ren mich manche\nSchlussritardandi, die sich \u00fcber mehrere Takte erstrecken: Selbst Bachs\nSchlussgestaltung geht \u00fcber die Konventionen seiner Zeit hinaus und so sollte\njeder f\u00fcr sich stehen und nicht einer Gewohnheit folgen; und viele der Schl\u00fcsse\nverlangen geradezu nach einer direkten Zielf\u00fchrung. S\u00fcdliche Leichtigkeit\nerreicht Bloch in den drei Concerti der zweiten CD, wobei lediglich der\nMittelsatz des italischischen Konzerts in der linken Hand die gespenstische\nLebensferne vermissen l\u00e4sst. Das rauschende Finale macht dies schnell\nvergessen. Augenmerk legt Bloch auch in den strukturell leichteren St\u00fccken auf\ndie Mehrstimmigkeit und holt verschiedene Stimmakzente wohldosiert an die\nOberfl\u00e4che, l\u00e4sst die einzelnen Linien miteinander agieren und zusammenwirken.\nIn den Fugen h\u00f6ren wir stets alle Stimmen durch, Bloch beh\u00e4lt dabei den\nCharakter des jeweiligen Themas bei und f\u00fchrt ihn das gesamte St\u00fcck durch.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>[Oliver Fraenzke,\nJuni 2019]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ars Produktion Schumacher, ARS 38 508; EAN: 4 260052 385081 Auf zwei CDs h\u00f6ren wir Aufnahmen mit Boris Bloch von Klaviermusik Johann Sebastian Bachs, die Entstehung dieser erstreckt sich dabei \u00fcber 15 Jahre. 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