{"id":3327,"date":"2019-07-05T09:23:16","date_gmt":"2019-07-05T07:23:16","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=3327"},"modified":"2019-07-06T09:33:32","modified_gmt":"2019-07-06T07:33:32","slug":"und-hab-so-grosse-sehnsucht-doch","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2019\/07\/05\/und-hab-so-grosse-sehnsucht-doch\/","title":{"rendered":"\u201eUnd hab so gro\u00dfe Sehnsucht doch&#8230;\u201c"},"content":{"rendered":"\n<p><em>Solo Musica\/ Sony 2019<\/em>, SM 309; EAN: 4 260123 643096<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image is-resized\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/N0122-1024x705.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3328\" width=\"386\" height=\"265\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/N0122-1024x705.jpg 1024w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/N0122-300x206.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/N0122-768x529.jpg 768w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/N0122.jpg 1052w\" sizes=\"(max-width: 386px) 100vw, 386px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><em>Man kann eintauchen in diese emotionalen Zust\u00e4nde und\nsich hinein versenken in das bislang unbekannte Werk der luxemburgischen Komponistin\nHelen Buchholtz (1877-1953). In den Liedern, die Helen Buchholtz meist auf\ndeutsch, vereinzelt auf franz\u00f6sisch und sogar auf letzeburgisch, dem\ntraditionellen Sprachideom Luxemburgs schrieb, geht es um Liebe und um das\nLeben \u2013 und vor allem darum, wie verg\u00e4nglich dies sein kann und wie sich diese\nVerg\u00e4nglichkeit anf\u00fchlt! Im Jahr 1988 hat die Musikwissenschaftlerin Danielle\nRoster ihre Lieder und Texte per Zufall wieder entdeckt \u2013 und war fasziniert!\nJetzt kr\u00f6nt eine bemerkenswerte Doppel-CD-Ver\u00f6ffentlichung die verdienstvolle\nForschungsarbeit.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Helen Buchholtz steht mit ihrem Schaffen weitgehend allein in der Musikgeschichte des kleinen Landes Luxemburg. Sie heiratete einen deutschen Arzt, den sie aber schon bald darauf verlor und fr\u00fch verwitwet war. K\u00fcnstlerisch d\u00fcrfte sie nur in einem kleinen Kreis von Dichern und Musikern wahrgenommen worden sein. Ob die Dominanz der Themen Abschied und Verlust in ihren Liedern mit der eigenen Biographie der Komponistin zu tun hat?<\/p>\n\n\n\n<p>Die ergreifenden Metaphern und Zustandsbeschreibungen dieser Lieder leben durch die Vermittlung von Sopranistin Gerlinde S\u00e4mann und ihrem Klavierpartner Claude Weber beklemmend eindringlich und pathosfrei auf. Gerlinde S\u00e4manns h\u00f6hensicherer Sopran punktet mit einer effektvollen Dramatik. Claude Weber l\u00e4sst sich auf den von Helen Buchholtz erstaunlich differenziert gestalteten Klaviersatz mit hellsichtig-wandelbarer Spiellust ein. Da bringen eingewebte Arpeggien einen \u201eWanderer\u201c-artigen Fluss in die Melodie, blitzen Betonungen wie fotografische Spitzlichter auf \u2013 auch beweist Claude Weber ein hellwaches Gesp\u00fcr f\u00fcr die vielen subtilen harmonischen \u201eUnregelm\u00e4\u00dfigkeiten\u201c, mit denen Helen Buchholtz sp\u00e4tromantische Tonsprache immer wieder die heile Welt des Vordergr\u00fcndigen durchkreuzt!<\/p>\n\n\n\n<p>Aus heiteren, manchmal naiv-realistischen Schilderungen wird\nurpl\u00f6tzlich Elementares, im tiefsten Inneren Ersch\u00fctterndes. \u201eO bleib bei\nmir&#8230;\u201c, \u201eWenn ich tot bin&#8230;\u201c &#8211; Ergreifendes Flehen b\u00fcndelt sich in Gerlinde\nS\u00e4manns glockenheller Sopranstimme zu den rauschhaften Klavierkl\u00e4ngen von\nClaude Weber beim Bild einer traurigen Liebenden, die zu verlassen werden\ndroht. \u00c4hnlich beklemmende sprachlich-musikalische Bildgewalt setzt die\n\u201eZigeunerballade\u201c frei. Ein einsamer Junge sitzt an einem Feuer, welches schlie\u00dflich\nverl\u00f6scht &#8211; und damit der Tod eintritt.<\/p>\n\n\n\n<p>Helen Buchholtz&#8216; Lieder, die weitgehend einem sp\u00e4tromantischen Stil verpflichtet sind, stehen auf dieser CD nicht f\u00fcr sich allein, inspirierten sie doch heutige Komponistinnen wie Catherine Konz, Albena Petrovic-Vratchansksa und Stevie Wishart zu eigenen, sehr unmittelbaren, teilweise direkt auf Helen Buchholtz&#8216; Lieder und Balladen bezogene Sch\u00f6pfungen. Gerlinde S\u00e4mann und Claude Weber sind versiert genug, um hier auf Anhieb Register aus der musikalischen Gegenwart abzurufen: Faszinierende Chromatik erzeugt eine aufregende Wirkung in Tatsianas Zeliankos Coloristic Miniatures \u2013 hier wird Gerlinde S\u00e4manns Singstimme gerne auch mal zum \u201eInstrument\u201c &#8211; etwa, wenn sie vibrationsarm lange Melismen intoniert. Ein Beitrag von Catherine Konz nimmt direkten Bezug auf ein Buchholtz-Lied, wenn das sp\u00e4tromantische Original durch eine rauschhafte Klangmeditation beantwortet wird. Albena Petrovic-Vratchanska hat ohnehin ihren ganz eigenen Kompositionsstil mit starkem Wiedererkennungswert: Auch sie \u201einterpretiert\u201c in einem freitonal-deklamatorischen Gestus ein Buchholtz-Lied aus einer ganz neuen, subjektiven Perspektive.\u00a0 <\/p>\n\n\n\n<p><strong>[Stefan Pieper, Juli 2019]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Solo Musica\/ Sony 2019, SM 309; EAN: 4 260123 643096 Man kann eintauchen in diese emotionalen Zust\u00e4nde und sich hinein versenken in das bislang unbekannte Werk der luxemburgischen Komponistin Helen Buchholtz (1877-1953). 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