{"id":3337,"date":"2019-07-15T06:23:06","date_gmt":"2019-07-15T04:23:06","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=3337"},"modified":"2019-07-08T06:38:55","modified_gmt":"2019-07-08T04:38:55","slug":"ein-belgischer-komponist-der-besonderen-art","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2019\/07\/15\/ein-belgischer-komponist-der-besonderen-art\/","title":{"rendered":"Ein belgischer Komponist der besonderen Art"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Robert Groslot<\/strong>: Matrix in Persian Blue, Works for&nbsp; &amp; with string quartet<\/p>\n\n\n\n<p>Liesbeth Devos, Sopran; Jan Michiels, Piano; Asasello Quartet<\/p>\n\n\n\n<p>TXA19123; EAN 4 250702 801238<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image is-resized\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/N0125.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3338\" width=\"376\" height=\"376\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/N0125.jpg 600w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/N0125-150x150.jpg 150w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/N0125-300x300.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 376px) 100vw, 376px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Bekannt wurde Robert Groslot (Jahrgang 1951) zuerst als\nPianist und Dirigent, bevor er in seinen sp\u00e4teren Zwanzigern zu komponieren\nbegann. Schon sein \u201eRainfall in Pink City\u201c von 1979 war ein Erfolg. Groslot ist\nein zutiefst unabh\u00e4ngiger Geist und l\u00e4sst sich nicht in irgendeine Schublade\nstecken. So, wie das ein Musiker heute sein kann, wenn er sich nicht\nirgendeinem \u201eMainstream\u201c oder einer besonderen Modestr\u00f6mung \u2013 ob alt oder neu\nist dabei egal \u2013 anschlie\u00dft.&nbsp; So\nvermeidet seine Musik den unzug\u00e4nglichen Elfenbein-Turm ebenso wie den Beifall\nder etablierten Musik-Kritik, die bem\u00e4ngelt, dass man ihn nicht einordnen kann\nwie so manche Sumpfbl\u00fcte der sogenannten Moderne, was auch immer das sein mag. <\/p>\n\n\n\n<p>Schon das erste St\u00fcck \u2013 er gibt seinen St\u00fccken gerne\npoetische Titel, ohne eine konkrete programmatische Absicht damit zu verbinden\n\u2013 \u201eCe lac dur oubli\u00e9 que hante le givre&#8230;\u201c f\u00fcr Klavier und Streichquartett\nf\u00e4ngt mich vom ersten Ton an ein, und die Kl\u00e4nge, Linien, Verl\u00e4ufe und\nVerwebungen sind sofort fasslich und verst\u00e4ndlich auf einer zwar durchaus auch\nintellektuellen, aber beileibe nicht abstrakt-denkerischen Ebene.<\/p>\n\n\n\n<p>Dazu ist diese Musik viel zu lebendig und erlebt, Klavier\nund Streichquartett sind in st\u00e4ndigem belebtesten Austausch, m\u00f6glichst viele\nrhythmischen und auch perkussiven Elemente kommen ins Spiel, die Register des\nFl\u00fcgels werden von tief bis hoch eingesetzt, man merkt, dass der Komponist ein\n\u00e4u\u00dferst versierter Pianist ist, sich aber auch in den Gefilden der\nMusikgeschichte auskennt. Und so kommt diese Musik eben als das Spiel daher,\nals das sie ja vom Ursprung der G\u00f6tter her gemeint ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Das zweite Werk, vier Lieder nach Gedichten von St\u00e9phane Mallarm\u00e9 (1842-1898) f\u00fcr Sopran und Streichquartett \u201eLe bel aujourd\u2019hui\u201c, ist eine gelungene M\u00e9lange aus Stimme und den Kl\u00e4ngen des Streichquartetts. Es reicht von rhythmisch vertracktesten Impulsen bis zu impressionistischen Klangfl\u00e4chen, alles sehr leicht und durchweg gelungen gespielt und gesungen von den f\u00fcnf Musikerinnen und Musikern. Es ist durchaus nicht modernistisch atonal, immer ist der tonale Bezug da, sp\u00fcr- und h\u00f6rbar, dennoch ist die Musik h\u00f6chst originell und bewegend. Sogar der ab und an hochdramatische Gestus der Sopranstimme ist durchaus angemessen und st\u00f6rt \u2013 im Gegensatz zu vielen anderen ihrer Gesangskolleginnen \u2013 nicht nur nicht, sondern ist der Vortonung dieser Texte mehr als angemessen. (Und so etwas begegnet mir \u00e4u\u00dferst selten auf CDs, wenn es um hohe Sopranstimmen geht.)<\/p>\n\n\n\n<p>Sein Streichquartett, das die CD beschlie\u00dft, nennt Groslot\n\u201eMatrix in Persian Blue\u201c und weist damit auf dieses in altpersischen Kacheln\nund Keramiken verwendete tiefe Blau hin. Schon der zur\u00fcckhaltende Beginn\nfasziniert mit seiner Innerlichkeit, wie auch das ganze St\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Farbigkeit des Streichquartett-Klangs ist immer wieder\n\u00fcberraschend, wo doch schon so viele Streichquartette im Lauf der Zeit &#8211; und\ndie dauert nun doch schon fast vierhundert Jahre \u2013 komponiert wurden. Dennoch\nfallen dem Belgier Robert Groslot neue, unerh\u00f6rte, so nie oder noch nicht\nvernommene Kl\u00e4nge und M\u00f6glichkeiten ein und auf. So unmittelbar faszinierend\nund zug\u00e4nglich kann \u201emoderne\u201c Musik \u2013 abseits von Musica viva und anderen\nelit\u00e4ren Zirkeln &#8211; sein, wenn ein wahrhaftiger Musiker und Komponist dahinter\nsteht, der aus der vollen M\u00f6glichkeit unserer Zeit all das sch\u00f6pft, was er zu\nseiner ureigensten Musik und f\u00fcr deren Aussage braucht.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>[Ulrich Hermann, Juli 2019]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Robert Groslot: Matrix in Persian Blue, Works for&nbsp; &amp; with string quartet Liesbeth Devos, Sopran; Jan Michiels, Piano; Asasello Quartet TXA19123; EAN 4 250702 801238 Bekannt wurde Robert Groslot (Jahrgang 1951) zuerst als Pianist und Dirigent, bevor er in seinen sp\u00e4teren Zwanzigern zu komponieren begann. 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