{"id":3368,"date":"2019-07-28T14:28:00","date_gmt":"2019-07-28T12:28:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=3368"},"modified":"2019-08-15T11:33:19","modified_gmt":"2019-08-15T09:33:19","slug":"erstaunlicher-bernd-alois-zimmermann-aus-helsinki","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2019\/07\/28\/erstaunlicher-bernd-alois-zimmermann-aus-helsinki\/","title":{"rendered":"Erstaunlicher Bernd Alois Zimmermann aus Helsinki"},"content":{"rendered":"\n<p>Ondine ODE 1325-2; EAN: 0 761195 132524<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image is-resized\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/N0130.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3369\" width=\"316\" height=\"316\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/N0130.jpg 900w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/N0130-150x150.jpg 150w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/N0130-300x300.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/N0130-768x768.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 316px) 100vw, 316px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><em>Hannu Lintu hat mit seinem Finnischen Radio-Symphonieorchester auf Ondine eine interessante CD mit drei Hauptwerken von Bernd Alois Zimmermann vorgelegt: das Violinkonzert (mit Leila Josefowicz), \u201ePhotoptosis\u201c und die aus einigen Szenen des ersten und zweiten Aktes zusammengestellte Vokal-Sinfonie zur Oper \u201eDie Soldaten\u201c.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Hannu Lintu<\/em> hat gerade in der Gattung Violinkonzerte des 20. Jahrhunderts schon einige bemerkenswerte CD-Aufnahmen ver\u00f6ffentlicht (etwa mit Christian Tetzlaff); da war dann das Violinkonzert von Bernd Alois Zimmermann (1918-1970) vielleicht nur eine Frage der Zeit. Bei dem St\u00fcck handelt es sich um ein Schl\u00fcsselwerk des Komponisten, das 1950 entscheidende Wendungen in Zimmermanns Umgang mit der Zw\u00f6lftontechnik mit sich brachte. <em>Leila Josefowicz<\/em>, bei derartigem Repertoire eigentlich immer \u00fcberzeugend, legt erneut eine intensive, klanglich ausgekl\u00fcgelte Interpretation hin. Im Vergleich zu Thomas Zehetmair, der in der ECM-Aufnahme von 2005 unter Heinz Holliger versucht, jedes noch so kleine Detail besonders \u201eauszudeuten\u201c, stellt die amerikanische Geigerin allerdings den mehr improvisatorischen Charakter einiger Passagen in den Vordergrund, ohne dabei jedoch emotional nachzulassen. Die Orchesterbegleitung von Lintus finnischem RSO ist dem des WDR h\u00f6rbar \u00fcberlegen, auch die durchsichtigere Aufnahmetechnik kitzelt hier mehr Details heraus. Der Spannungsbogen der <em>Fantasia<\/em>, des fantastischen Mittelsatzes, bleibt dank des etwas fl\u00fcssigeren Tempos stets erhalten, das unterlegte Thema des <em>Dies irae<\/em> dadurch noch gut erkennbar; Josefowicz entdeckt an einer Stelle beinahe jiddische Melodiewendungen. Im finalen Rondo greifen Solistin wie Orchester beherzt zu, wenn auch hier gleich die erste Rumba-Passage \u2013 wie so oft \u2013 ein wenig zu steif und martialisch daherkommt, was Steigerungspotenzial verschenkt. Eine hochkar\u00e4tige Darbietung dieses immer noch untersch\u00e4tzten Violinkonzerts, die eine ausdr\u00fcckliche Empfehlung verdient.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei Zimmermanns sp\u00e4tem Orchesterpr\u00e9lude <em>Photoptosis<\/em> hingegen mag kaum Spannung aufkommen. Insgesamt ist das Tempo eine Spur zu langsam. Die irisierenden Farbfl\u00e4chen in Holzbl\u00e4sern und Harfe wirken nicht nur zu Anfang etwas fade; die gro\u00dfe Steigerung nach den ganzen eingestreuten Zitaten wird nur laut, aber nicht wirklich bedrohlich \u2013 das haben andere Dirigenten wie Hans Zender, Michael Gielen oder Markus Stenz schon besser hingekriegt.<\/p>\n\n\n\n<p>Ganz anders wieder die \u2013 live aufgenommene \u2013 Vokal-Sinfonie aus den <em>Soldaten.<\/em> Hier gefallen eigentlich alle, zumeist finnischen, Solisten mit empathischer Diktion, die dabei erstaunlich nat\u00fcrlich bleibt, verst\u00e4ndlichem Deutsch und ad\u00e4quater stimmlicher Pr\u00e4senz. Besonders hervorzuheben ist der ausgezeichnete Wesener des wagner-erfahrenen <em>Juha Uusitalo. <\/em>Das Umschalten zwischen den Urgewalten des Preludio und Intermezzo zu quasi kammermusikalischer Begleitung \u2013 selbst dort ist das Orchester meist noch riesig \u2013 gelingt Lintu tadellos. Ein paar Tempi sind wieder etwas z\u00e4h, aber der klangliche Pluralismus Zimmermanns wird dadurch umso deutlicher. Ondine kann sich nun r\u00fchmen, die wohl einzig relevante Aufnahme dieses St\u00fcckes nach der sagenhaften WDR-Produktion von 1978 unter Hiroshi Wakasugi auf den Markt gebracht zu haben.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>[Martin Blaumeiser, Juli 2019]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ondine ODE 1325-2; EAN: 0 761195 132524 Hannu Lintu hat mit seinem Finnischen Radio-Symphonieorchester auf Ondine eine interessante CD mit drei Hauptwerken von Bernd Alois Zimmermann vorgelegt: das Violinkonzert (mit Leila Josefowicz), \u201ePhotoptosis\u201c und die aus einigen Szenen des ersten und zweiten Aktes zusammengestellte Vokal-Sinfonie zur Oper \u201eDie Soldaten\u201c. 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