{"id":3385,"date":"2019-08-05T10:05:38","date_gmt":"2019-08-05T08:05:38","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=3385"},"modified":"2019-08-05T12:13:30","modified_gmt":"2019-08-05T10:13:30","slug":"ronald-stevensons-auseinandersetzung-mit-percy-grainger-und-der-folklore","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2019\/08\/05\/ronald-stevensons-auseinandersetzung-mit-percy-grainger-und-der-folklore\/","title":{"rendered":"Ronald Stevensons Auseinandersetzung mit Percy Grainger und der Folklore"},"content":{"rendered":"\n<p>Toccata Classics TOCC 0403; EAN: 5 060113 444035<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image is-resized\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/N0133.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3386\" width=\"295\" height=\"295\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/N0133.jpg 900w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/N0133-150x150.jpg 150w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/N0133-300x300.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/N0133-768x768.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 295px) 100vw, 295px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><em>In der dritten Folge der\nKlaviermusik des hierzulande noch weit untersch\u00e4tzten schottischen Komponisten\nRonald Stevenson (1928-2015) widmet sich Christopher Guild dessen\nAuseinandersetzung mit keltischer und chinesischer Volksmusik. Die Parallelen\nzu Stevensons \u00e4lterem Freund Percy Grainger werden dabei sehr deutlich. Gekr\u00f6nt\nwird diese CD dann auch mit der fabelhaften Transkription eines von Graingers Hauptwerken:\ndem \u201eHill Song No. 1\u201c.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Von Ronald Stevensons Klavierwerk ist bei uns \u2013 und\ndas auch lediglich durch mehrere CD-Einspielungen \u2013 im Grunde nur seine\nmonumentale (80 Minuten) <em>Passacaglia on DSCH<\/em>\nbekannt geworden, die er nat\u00fcrlich Dmitri Schostakowitsch widmete. Neben diesem\nWerk gibt es hunderte Klavierst\u00fccke und Lieder, die \u2013 gr\u00f6\u00dftenteils noch\nunver\u00f6ffentlicht \u2013 ihrer Entdeckung harren. Darunter sind neben hochvirtuosen Opernparaphrasen\nund -transkriptionen in der Tradition Liszts oder Busonis besonders viele Volksmusikbearbeitungen,\noft keltischen Ursprungs. Die Leidenschaft, der Kunstmusik durch Integration\nvon Folklore wieder ein tragf\u00e4higes Fundament bei gleichzeitig gr\u00f6\u00dferer formaler\nFreiheit zu geben, teilte Stevenson mit seinem Freund <em>Percy Grainger<\/em> (1882-1961), mit dem er bis zu dessen Tode in\nengem Kontakt stand.<\/p>\n\n\n\n<p>So ist das Hauptwerk dieser CD dann auch die Bearbeitung\nvon Graingers <em>Hill Song No. 1<\/em>,\nsicherlich eine seiner besten und eigenwilligsten Kompositionen \u2013 im Original\nwegen der ungew\u00f6hnlichen Bl\u00e4serformation (zwei Pikkolos, je 6 Oboen,\nEnglischh\u00f6rner und Fagotte plus Kontrafagott) nur selten zu h\u00f6ren. Hier ist\nsowohl Virtuosit\u00e4t als auch gro\u00dfe \u00dcbersicht gefragt, denn im 22-min\u00fctigen St\u00fcck\nwiederholt sich so gut wie nichts. Die gr\u00f6\u00dfere L\u00e4nge bei Stevenson ergibt sich\ndadurch, dass er in seiner Bearbeitung zus\u00e4tzlich noch Graingers Lied <em>Dedication <\/em>integriert. <\/p>\n\n\n\n<p>Sicher ist das Engagement f\u00fcr das Volkslied bei\nStevenson aber auch politisch: Die Ber\u00fccksichtigung afrikanischer Folklore \u2013 hier\nin der <em>Ghanaian Folk-Song Suite <\/em>oder\nim <em>African Twi-Tune <\/em>(ein Graingerismus) \u2013 ist\neine offensichtliche Reaktion auf das Apartheid-Regime in S\u00fcdafrika, wo sich der\nKomponist von 1963-65 aufhielt. Das kurze St\u00fcck kombiniert bereits 1964 die\ndamalige Nationalhymne mit einem Lied, das dann tats\u00e4chlich nach Ende der\nApartheid 1994 zur neuen Nationalhymne wurde! Als pazifistischer Sozialist mag\nRonald Stevenson mit Zyklen wie der <em>Chinese Folk-Song Suite <\/em>\u2013\nnat\u00fcrlich mit ausgiebiger Pentatonik \u2013<em> <\/em>dann\nauch Vorbild f\u00fcr weitaus radikalere Komponisten wie <em>Cornelius Cardew <\/em>oder\n<em>Howard Skempton <\/em>geworden sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Der aus vierzehn St\u00fccken bestehende Zyklus <em>Sounding Strings <\/em>kann auch auf der kleinen keltischen Harfe gespielt werden, ein Grund f\u00fcr den recht einfachen Satz, der in etwa auf dem Niveau von Villa-Lobos\u2018 <em>Guia pr\u00e1tico <\/em>steht. Wirklich beeindruckend die drei zwischen 1978 und 1990 entstandenen St\u00fccke <em>Bonny at Morn, The High Road to Linton <\/em>und <em>Barra Flying Toccata. <\/em>All das wird von <em>Christopher Guild <\/em>pianistisch perfekt und klangsch\u00f6n dargeboten, immer v\u00f6llig unpr\u00e4tentios \u2013 tats\u00e4chlich spricht diese Musik von ganz allein aus ihrer Melodik und Rhythmik heraus, ohne Hinzuf\u00fcgen irgendwelcher subjektiven Finessen. Das hat Guild bereits in den ersten beiden Folgen auf Toccata Classics erfolgreich bewiesen. Der <em>Hill Song <\/em>erklingt fast panoramaartig symphonisch, entwickelt sich dabei v\u00f6llig nat\u00fcrlich; dass die allein der Instrumentierung der Bl\u00e4serfassung geschuldeten Sch\u00e4rfen hier weitgehend wegfallen, kommt dem anspruchsvollen Werk sogar noch zu Gute. Diese Einspielung, aufnahmetechnisch ebenfalls tadellos, langweilt den H\u00f6rer keine Sekunde und man darf bereits auf die n\u00e4chste Folge von Stevensons Klavierwerk gespannt sein. <\/p>\n\n\n\n<p><strong>[Martin Blaumeiser, August 2019]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Toccata Classics TOCC 0403; EAN: 5 060113 444035 In der dritten Folge der Klaviermusik des hierzulande noch weit untersch\u00e4tzten schottischen Komponisten Ronald Stevenson (1928-2015) widmet sich Christopher Guild dessen Auseinandersetzung mit keltischer und chinesischer Volksmusik. Die Parallelen zu Stevensons \u00e4lterem Freund Percy Grainger werden dabei sehr deutlich. 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