{"id":3416,"date":"2019-08-24T14:57:07","date_gmt":"2019-08-24T12:57:07","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=3416"},"modified":"2019-09-01T10:29:20","modified_gmt":"2019-09-01T08:29:20","slug":"von-blues-bis-mode","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2019\/08\/24\/von-blues-bis-mode\/","title":{"rendered":"Von Blues bis Mode"},"content":{"rendered":"\n<p>Sonus Eterna, 37423; EAN: 4 260398 610052<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image is-resized\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/N0141.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3417\" width=\"291\" height=\"297\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/N0141.jpg 600w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/N0141-294x300.jpg 294w\" sizes=\"(max-width: 291px) 100vw, 291px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><em>Sonus Eterna hat es sich zur Aufgabe gemacht, das Gesamtwerk des Komponisten Gordon Sherwood zu ver\u00f6ffentlichen. Nach einer CD mit Klaviermusik erschien nun die erste CD der Gesamteinspielung aller Klavierlieder mit der Sopranistin Felicitas Breest und der Pianistin Masha Dimitrieva. Wir h\u00f6ren die Five Love Songs op. 24, Four Songs for the Winter op. 30, Five Blues Songs op. 60 und Six Songs for Women\u2019s Fashion oft he 1960s op. 53.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Vor anderthalb Jahren erschien auf The New Listener bereits eine <a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2018\/02\/19\/weltbuerger-und-bettler\/\">Rezension der ersten Klavier-CD mit Werken Sherwoods<\/a>, die beim Label Sonus Eterna erschien. Ein biographischer und stilistischer \u00dcberblick \u00fcber den Komponisten ist dort zu finden.<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\"><em>Gordon Sherwood einem Stil zuzuordnen oder selbst, aus seiner Musik  einen Personalstil herauszuarbeiten, gestaltet sich als schier  aussichtslose Aufgabe. Charakteristisch f\u00fcr ihn ist lediglich, dass  seinen Schaffen keinen verfestigten Stil aufweist. Als Neuerer verstand sich Sherwood ebenso wenig wie als  Traditionalist, er beschritt schlicht und einfach den Weg, der sich f\u00fcr  ihn richtig anf\u00fchlte. Konventionen, Kompositionsschulen und normative  Einengungen lie\u00dfen ihn dabei kalt. So kann man seine Musik vor allem  als eines beschreiben: als nat\u00fcrlich und ungezwungen. Auf diese Weise schafft es seine Musik, den Menschen an sich anzusprechen und in sein Innerstes vorzudringen. Vielen d\u00fcrfte seine Musik zug\u00e4nglich sein, viele wird sie ansprechen, sofern sie diese erst einmal kennenlernen. Zugleich, das Wissen von drei herausragenden Lehrern im Hinterkopf, auf handwerklich meisterhaftem Niveau gesetzt und stimmungstragend konzipiert, befinden sich diese Werke in ausgeglichener Position zwischen dem einfachen, dem musikalisch geschulten und dem vollkommen ahnungslosen H\u00f6rer. <\/em><\/pre>\n\n\n\n<p>Die hier zu h\u00f6renden Lieder des morgen vor 90 Jahren\ngeborenen Komponisten entstammen je anderen Lebensabschnitten Sherwoods,\nvereinen unterschiedliche Aspekte seines Schaffens, Einfl\u00fcsse anderer Kulturen\nund andere Umst\u00e4nde. Was sie verbindet, ist die Eigenheit bis hin zur\nEigenartigkeit seines Stils, die unbek\u00fcmmerte Vermengung unvereinbarer\nStilwelten, deren klangliches Resultat in keine Schublade eingeordnet werden\nkann. Sherwood darf als einer der konsequentesten musikalischen Einzelg\u00e4nger\ngelten, jegliche Str\u00f6mungen und Moden, allgemein jegliche Limitierung k\u00fcmmerten\nihn nicht \u2013 lediglich der Mensch, auf den seine Musik eine Wirkung erzielen\nsoll.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Five Love Songs op. 24 rumoren in ewigem Kampf f\u00fcr und\nwider die Tonalit\u00e4t und w\u00e4gen den schmalen Grad zwischen den beiden Polen ab. Sherwood\nversetzt den H\u00f6rer in unstete Empfindungen, behalt vier Lieder lang die\nRichtung im Unklaren, bevor das abschlie\u00dfende \u201eIn ev\u2019ry song there is a dance\u201c\nmit strahlendem F-Dur das Ziel der verworrenen Reise markiert. In diesen\nLiedern lassen sich am ehesten noch Einfl\u00fcsse Sherwoods Lehrer erkennen,\nnamentlich besonders Philipp Jarnach und etwas weniger Goffredo Petrassi.\nTraditioneller erscheinen die Four Songs for the Winter op. 30, die klares Moll\nausmachen und sich auf Schubert beziehen. Umso krasser wirkt der Bruch zu den\nFive Blues Songs op. 60, in denen Sherwood es wagte, dem swingenden\nBluesklavier einen Koloratursopran an die Seite zu stellen, der mit H\u00f6henfl\u00fcgen\n\u00e0 la K\u00f6nig der Nacht aus Mozarts Zauberfl\u00f6te kontrastiert. Beschlossen wird das\nProgramm von den skurrilen Songs for Women\u2019s Fashion oft he 1960s op. 53, deren\nhumoristische bis erotisierende Texte auch aus Sherwoods Feder stammen.\nBesungen werden verschiedene Stile, von denen Sherwood besonders die knappen\nund Haut pr\u00e4sentierenden zu sch\u00e4tzen scheint: Wenn die Frau ihren Minirock\ntr\u00e4gt, will er sie heiraten, bei Hot Pants gehen die Emotionen mehr in die\nprofane Richtung und die Maxi-Hosen beschimpft er gar f\u00fcr ihre Unf\u00f6rmigkeit. Am\nEnde steht jedoch die erstaunlich weise Einsicht, dass doch jede Frau tragen\nk\u00f6nne, was sie wolle.<\/p>\n\n\n\n<p>Klanglich wirken die beiden Musikerinnen recht\ndifferenziert, worin aber auch ein Reiz liegt. Felicitas Breest nimmt ihre\nSopranpartie opernhaft voll und mit unerm\u00fcdlichem Vibrato, bleibt durch ihr\nenormes Stimmvolumen immer eine Stufe \u00fcber dem Klavier. In den Five Blues Songs\nbl\u00fcht sie besonders auf, die Koloraturen meistert sie spielerisch und bringt\neine kecke Note in die Musik \u2013 im Mini Skirt spielt sie humoristisch mit ihrer\nStimme, was beinahe Disneyartige Effekte evoziert. Im Gegensatz zu dem aufbrausenden\nGesang bleibt Masha Dimitrieva am Klavier schlicht, klar in der Linie und\nkonzentriert in der Ausf\u00fchrung. Sie braucht keine gro\u00dfe Geste, lauscht einfach in\ndie Musik hinein und erfasst so den Kern der Aussage nicht nur f\u00fcr sich,\nsondern setzt ihn auch nachvollziehbar um. Kein anderer Musiker kennt das\nSchaffen Sherwoods derartig genau wie sie, der Sherwood auch sein\nKlavierkonzert widmete und sie zur Erbin seines Musikverm\u00e4chtnisses machte; entsprechen\nsouver\u00e4n und bewusst erscheint so auch ihr Spiel.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>[Oliver Fraenzke,\nAugust 2019]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sonus Eterna, 37423; EAN: 4 260398 610052 Sonus Eterna hat es sich zur Aufgabe gemacht, das Gesamtwerk des Komponisten Gordon Sherwood zu ver\u00f6ffentlichen. Nach einer CD mit Klaviermusik erschien nun die erste CD der Gesamteinspielung aller Klavierlieder mit der Sopranistin Felicitas Breest und der Pianistin Masha Dimitrieva. 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