{"id":3424,"date":"2019-08-31T07:55:15","date_gmt":"2019-08-31T05:55:15","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=3424"},"modified":"2019-09-03T11:32:23","modified_gmt":"2019-09-03T09:32:23","slug":"gelungene-hommage-an-einen-traditionalisten","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2019\/08\/31\/gelungene-hommage-an-einen-traditionalisten\/","title":{"rendered":"Gelungene Hommage an einen Traditionalisten"},"content":{"rendered":"\n<p>Lyrita SRCD.367; EAN: 5 020926 036728<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image is-resized\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/N0143.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3425\" width=\"297\" height=\"297\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/N0143.jpg 600w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/N0143-150x150.jpg 150w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/N0143-300x300.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 297px) 100vw, 297px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><em>Das immer um eine Erweiterung\nder Diskographie weniger bekannter britischer Komponisten bem\u00fchte Lyrita-Label\nhat dem erst k\u00fcrzlich verstorbenen John Joubert (1927-2019) eine neue CD\ngewidmet. Es erklingen das Klavierkonzert von 1958 sowie die 3. Symphonie\n(2014-17). Das BBC\nNational Orchestra of Wales spielt unter der Leitung von William Boughton.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Obwohl in S\u00fcdafrika geboren und anf\u00e4nglich dort\nausgebildet, darf man John Joubert r\u00fcckblickend \u2013 vor allem wegen seiner\nBeitr\u00e4ge zur Chormusik \u2013 getrost zu den typisch britischen Komponisten z\u00e4hlen,\ndie einer eher konservativen musikalischen Ausrichtung treu geblieben sind. Zu\nJouberts Lehrern sp\u00e4ter in London geh\u00f6rte neben Howard Ferguson aber auch\nkurzzeitig Alan Bush; so verwundert es nicht, dass Joubert durchaus mit allen\nmodernistischen Str\u00f6mungen vertraut wurde und in vielen seiner Werke ebenso\npolitisches Engagement zeigt. Ein Beispiel daf\u00fcr w\u00e4re die 2. Symphonie (1970),\ndie das Sharpeville-Massaker in seinem Heimatland thematisiert.<\/p>\n\n\n\n<p>Stilistisch irgendwo in der N\u00e4he fr\u00fcher Moderne einzuordnen ist das Klavierkonzert von 1958. Einheitsbildend f\u00fcr alle drei S\u00e4tze ist schon das markante Er\u00f6ffnungsmotiv aus vier wiederholten Noten. Die Ecks\u00e4tze sind von vitaler Rhythmik gepr\u00e4gt; das Klavier kann brillieren, bleibt indessen gleichzeitig stets ins Orchestergeschehen eingebunden ohne dieses zu dominieren. Der musikalische H\u00f6hepunkt des Konzertes ist zweifellos der zweite Satz, formal den \u201eNachtst\u00fccken\u201c bei Bart\u00f3k verwandt \u2013 ohne deren Naturschauder, daf\u00fcr mit hochexpressiver Lyrik. Der erfahrene britische Pianist <em>Martin Jones<\/em> ist ein Garant f\u00fcr fesselnde Virtuosit\u00e4t und gleicherma\u00dfen konzentrierten Ausdruck. Dirigent <em>William Boughton <\/em>\u2013 ein Enkel des Komponisten Rutland Boughton \u2013 holt konsequent die klaren musikalischen Strukturen heraus und entlockt der sparsamen Orchestrierung doch eine erstaunlich breite Farbpalette. Jouberts Klavierkonzert ist \u00fcber weite Strecken pr\u00e4gnant, freilich ohne an die Qualit\u00e4ten von York Bowens oder gar Benjamin Brittens Gattungsbeitr\u00e4gen heranzukommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die f\u00fcnfs\u00e4tzige <em>3. Symphonie <\/em>\u2013 \u00fcber Themen aus der Oper <em>Jane Eyre<\/em> \u2013 verarbeitet Material aus Orchesterzwischenspielen des bereits 1997 fertiggestellten B\u00fchnenwerks zu in der Tat symphonischen S\u00e4tzen von eindringlicher, abwechslungsreicher Ausdrucksqualit\u00e4t. Die Re-Instrumentation f\u00fcr volles Orchester mit dreifachen Bl\u00e4sern sorgt zudem f\u00fcr einen Panoramaklang, der bei den H\u00f6hepunkten oft an Filmmusik (Bernard Herrmann!) erinnert, aber r\u00fchrselige Kitschmomente vermeidet. Die einzelnen S\u00e4tze tragen allesamt Titel von \u00d6rtlichkeiten aus Charlotte Bront\u00ebs Roman und verdeutlichen deren psychologische Bedeutung im Handlungsverlauf als verst\u00e4ndliche Stimmungsbilder. Das wirkt wirklich liebenswert, bei aller handwerklichen Meisterschaft dann jedoch trotzdem immer noch recht altmodisch. Auch hier gelingt Boughton mit dem BBCNOW eine \u00fcberzeugende und einf\u00fchlsame Darbietung. Da es bislang nur wenige kommerzielle Aufnahmen mit Musik von Joubert gibt, ist diese CD auf alle F\u00e4lle ein willkommener Beitrag, nicht nur f\u00fcr enzyklop\u00e4dische Sammler.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>[Martin Blaumeiser, August 2019]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Lyrita SRCD.367; EAN: 5 020926 036728 Das immer um eine Erweiterung der Diskographie weniger bekannter britischer Komponisten bem\u00fchte Lyrita-Label hat dem erst k\u00fcrzlich verstorbenen John Joubert (1927-2019) eine neue CD gewidmet. 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