{"id":3436,"date":"2019-09-16T07:50:25","date_gmt":"2019-09-16T05:50:25","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=3436"},"modified":"2019-09-16T07:50:27","modified_gmt":"2019-09-16T05:50:27","slug":"bunt-schimmernde-miniaturen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2019\/09\/16\/bunt-schimmernde-miniaturen\/","title":{"rendered":"Bunt schimmernde Miniaturen"},"content":{"rendered":"\n<p>Ars Produktion Schumacher, ARS 38 282; EAN: 4 260052 382820<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image is-resized\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/N0144.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3437\" width=\"288\" height=\"288\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/N0144.jpg 600w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/N0144-150x150.jpg 150w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/N0144-300x300.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 288px) 100vw, 288px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><em>F\u00fcr Fl\u00f6te und Streichsextett arrangierte Nathanael Carr\u00e9 franz\u00f6sische Werke, die urspr\u00fcnglich f\u00fcr Fl\u00f6te und Klavier besetzt sind. Darunter sind die Fantaisie op. 79 von Gabriel Faur\u00e9, Georges H\u00fces Fantaisie, Paul Taffanaels Andantino &amp; Allegretto grazioso, Fantaisie-Caprice von Andr\u00e9 Jolivet, ein Divertimento von Jean Fran\u00e7aix, Eug\u00e8ne Bozzas Aria, die urspr\u00fcnglich f\u00fcr Saxophon komponiert wurde und in einer Klarinettenfassung Bekanntheit erlangte, die Suite de trois Morceaux op. 116 Benjamin Godards, eine Aria von Jacques Ibert, Fran\u00e7ois Bornes Fantaisie brillante sur Carmen und Danse pour une d\u00e9esse aus der Feder von Reynaldo Hahn. Begleitet wird Carr\u00e9 dabei vom Ensemble Nuanz bestehend aus Evgeny Popov, Alexander Jussow, Jan Melichar, Robin Porta, Jan Pas und Stefan Koch-Roos.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Mit seinem Titel &#8222;Palette&#8220; suggeriert der Fl\u00f6tist Nathanael\nCarr\u00e9 einerseits die ungeheuere Stilpalette im Frankreich des 20. Jahrhundert,\ndie er in seiner CD-Aufnahme pr\u00e4sentiert, zum anderen die Palette an\nKlangfarben, die er den begleitenden Klavierstimmen durch Auff\u00e4cherung in eine\nStreichsextettfassung verleiht. Das vielseitige Programm dieser Aufnahme l\u00e4dt\nzum Entdecken ein. Neben einigen allseits bekannten Kompositionen wie Faur\u00e9s\nFantaisie und dem Divertimento von Fran\u00e7aix finden wir auch Namen, die selten\nauf Programmen zu h\u00f6ren sind. So beispielsweise den heute h\u00f6chstens als\nOpernkomponist in Erinnerung gebliebene Georges H\u00fce, der urspr\u00fcnglich als\nArchitekt arbeitete, bis Gounod sein musikalisches Talent entdeckte, oder\nBenjamin Godard, der trotz seines fr\u00fchen Todes eine Vielzahl gro\u00df- wie\nkleinformatiger, stets aber fein ausgearbeiteter Werke in romantischem Gestus\nkomponierte. Das Ausdrucksspektrum von &#8222;Palette&#8220; reicht von den\nKl\u00e4ngen des fr\u00fchen Fl\u00f6tenvirtuosen Paul Taffanael, der als unerreichter Meister\nder von Theobald B\u00f6hm erst frisch revolutionierten Fl\u00f6te galt, bis zu den\nfreitonalen Kl\u00e4ngen Jolivets. Das einzig lange Werk der CD ist Bornes Fantaisie\nbrillante sur Carmen, zugleich das einzig bekannte Werk des Komponisten; mit\nAbenteuerlust und Frische greift es die Themen der Oper auf und verwandelt sie\nin wahnwitzige Capricen und erhebt sie teils in ganz neue Klangsph\u00e4ren.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei seinen Arrangements intendierte Carr\u00e9, nicht blo\u00df eine Klavierstimme\ngleichwertig umzusetzen, sondern den Klang durch die M\u00f6glichkeiten der\nStreichinstrumente aufzufasern und neue Facetten aus dem Part herauszuholen.\nEntsprechend nennt er als wichtigstes Auswahlkriterium, dass die Klavierstimme\nnicht dezidiert auf das Klavier abgestimmt ist oder sich auf Harfenkl\u00e4nge\nbezieht, sondern vom Komponisten orchestral angelegt erscheint. In der\nStreicherfassung kommen vor allem die ausgekl\u00fcgelten Akkorde mehr zum Tragen\nund allgemein entsteht mehr Plastizit\u00e4t, als sie am Klavier m\u00f6glich w\u00e4re. Im\nGegensatz zum Klavier verklingen die Harmonien der Streicher nicht, was der\nFl\u00f6te eine solidere Basis verleiht, sich zu entfalten. Besonders bei H\u00fce,\nJolivet und Godard, aber auch bei Borne und Bozza pr\u00e4sentieren sich die\nArrangements als gro\u00dfe Bereicherung, um die St\u00fccke auf eine neue Weise\nkennenzulernen.<\/p>\n\n\n\n<p>Carr\u00e9 erweist sich als aufmerksamer und flexibler Fl\u00f6tist, der minuti\u00f6s\nauf die Klanglichkeit seines Instruments achtet und einen weichen, aber doch\ndirekten Ton erzielt. In den Virtuosit\u00e4ten von Bornes Carmen-Fantasie erreicht\ner genug Pr\u00e4gnanz, um jeden Ton einzeln zum Vorschein zu bringen; bei Bozza und\nIbert hingegen schwebt er schwerelos \u00fcber der Streicherbegleitung und\nzelebriert den Fl\u00f6tenklang in zarter Umnebelung. Das Ensemble Nuanz h\u00e4lt die\nAkkorde der Klavierstimme kompakt zusammen und pr\u00e4sentiert sich als\neinheitlicher Klangk\u00f6rper, der aus dem gleichen Atem heraus musiziert. Durch\nabgestimmte Kontrapunktik entsteht die bereits angesprochene Plastizit\u00e4t des\nGesamteindrucks, ohne dass dabei die Stimmen zu sehr auseinanderdriften w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>[Oliver Fraenzke, September 2019]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ars Produktion Schumacher, ARS 38 282; EAN: 4 260052 382820 F\u00fcr Fl\u00f6te und Streichsextett arrangierte Nathanael Carr\u00e9 franz\u00f6sische Werke, die urspr\u00fcnglich f\u00fcr Fl\u00f6te und Klavier besetzt sind. 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