{"id":3499,"date":"2019-10-04T14:46:01","date_gmt":"2019-10-04T12:46:01","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=3499"},"modified":"2019-10-03T22:50:58","modified_gmt":"2019-10-03T20:50:58","slug":"man-kann-sich-zwei-kleine-kinder-vorstellen-die-spass-haben","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2019\/10\/04\/man-kann-sich-zwei-kleine-kinder-vorstellen-die-spass-haben\/","title":{"rendered":"\u201eMan kann sich zwei kleine Kinder vorstellen, die Spa\u00df haben\u201c"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Tetiana Muchychka, Akkordeon &#8211; kunstsignal im Alten Bahnhof M\u00f6nchengladbach Rheydt-Geneicken<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><em>Eine Konzertreihe f\u00fcr die begabte\nmusikalische Jugend braucht attraktive, geeignete Spielst\u00e4tten. Ideale\nAuff\u00fchrungsbedingungen f\u00fcr die renommierte Kammermusik-Reihe \u201eBest of NRW\u201c\nsieht die Werner Richard \u2013 Dr. Carl D\u00f6rken-Stiftung in einem ehemaligen\nBahnhofsgeb\u00e4ude im M\u00f6nchengladbacher Stadtteil Rheydt-Geneicken verwirklicht.\nUnter den Etikett \u201ekunstsignal\u201c verbinden sich hier fortan Ereignisse der Musik\nmit der bildenden Kunst. Jens Gunnar Becker, der als K\u00fcnstleragent die Reihe\nbetreut, \u00e4u\u00dferte sich hellauf begeistert vom Ambiente im ehemaligen Wartesaal. Und\nvon dem f\u00fchlte sich die ukrainische Akkordeonvirtuosin Tetjana Muchychka bei\nihrem spektakul\u00e4ren Solo-Recital sp\u00fcrbar inspiriert!<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Tetiana Muchychka, die zurzeit an der Essener Folkwang-Hochschule studiert, wei\u00df, was sie auf ihrem Akkordeon kann und was nicht. Was zum Beispiel geht: Ohne weiteres sich  fast die gesamte Klavierliteratur eins zu eins auf die M\u00f6glichkeiten des Akkordeons \u00fcbertragen. Wo es Einschr\u00e4nkungen gibt? \u201eChopin kann ich gleich vergessen, denn diese Musik beruht vor allem auf Klangeffekten im Pedal und daf\u00fcr gibt es auf dem Akkordeon keine M\u00f6glichkeiten.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Was stattdessen alles geht, welche\nSteigerungen der Ausdruckskraft, welch neue Sichtweisen und vor allem, was f\u00fcr\nungeahnte Energien scheinbar bekanntem Repertoire abgerungen werden k\u00f6nnen, das\ndemonstrierte Tetiana Muchychka dann aufs eindr\u00fccklichste. Vor allem: Wie diese\njunge zierliche Musikerin die ganze dynamische Kraft entfaltet, das ist nicht\nnur eitler Selbstzweck, sondern hat bei ihr viel mit musikalischer Wahrheitssuche\nzu tun.<\/p>\n\n\n\n<p>Alles, was wuchtig aufbrandet, was\nin opulenter Klangpracht den Raum anf\u00fcllt, steht im Dienst einer darstellerisch\nplausiblen Diktion. Da darf auch eine Portion jugendlicher Wagemut nicht\nfehlen! Bachs \u201eFranz\u00f6sische Suite Nr. 3 h-Moll\u201c mutet zun\u00e4cht noch wie\nvertrautes Terrain an, wenn deren polyphone Tonarchitektur durch die atmende\nDynamik des Akkordeons sehr orgel-artig daher kommt. Zugleich bringt die junge\nInterpretin mit frappierender Fingerfertigkeit die t\u00e4nzerischen Passagen in leichtf\u00fc\u00dfigen\nSchwung. Die herrlich offene Akustik in diesem ehemaligen Bahnhofs-Wartesaal\nbringt ohnehin jedes Detail zum Leuchten. Mozarts f-Moll-Klaviersonate geht\ndann so richtig in die Vollen, wenn es um pointierte Darstellungslust geht.\nZwar mag mancher hier die Mozartsche Schlankheit vermissen. Stattdessen erobert\numso mehr eine starke, oft st\u00fcrmische, Emotionalit\u00e4t den Raum und das Publikum.\nDenn Mozart will alles sein, nur keine Wellness-Oase.<\/p>\n\n\n\n<p>In einfachen, charmanten Worten\nmacht Tetiana Muchychka immer wieder ihren pers\u00f6nlichen Bezug verst\u00e4ndlich, um\ndamit ihrem Publikum einen Leitfaden zum verstehenden H\u00f6ren an die Hand zu\ngeben.&nbsp; <\/p>\n\n\n\n<p>\u201eMan\nkann sich zwei kleine Kinder vorstellen, die spielen und Spa\u00df haben\u201c, sagt sie\nzur Einleitung zweier Scarlatti-Sonaten. Die spielerische Einl\u00f6sung folgt auf\nden Punkt, wenn sie in den St\u00fccken die beiden Stimmungscharaktere leichtf\u00fc\u00dfig\nheraus kehrt.<\/p>\n\n\n\n<p>Das\nkonzertante Akkordeon ist ein Instrument, das sich frei von zu viel\nerdr\u00fcckendem Konventions- und Traditionsballast f\u00fchlen darf. Diese Einsicht\nscheint Tetiana Muchychka mit ihrer jugendfrischen-spontanen Spiellust w\u00f6rtlich\nzu nehmen, vor allem bei den moderneren St\u00fccken des Abends. Aufr\u00fchrerisch\nanmutende chromatische Skalen pulsieren in Wolfgangs Jacobis Scherzo aus dem\nDivertissement pour Akkordeon. Sergej Voitenkos melancholisch-cineastische\n\u201eOffenbarung\u201c wirkt wie eine geschmeidige \u00dcberleitung zur Leidenschaft des\nTangos \u2013 keine Frage, dass Tetiana Muchychkas schonungsloser dymanischer\nZugriff auch in der aufw\u00fchlenden Emotionalit\u00e4t von Frank Angelis Konzertet\u00fcde\n\u00fcber ein Thema von Astor Piazolla keine W\u00fcnsche offen l\u00e4sst.<\/p>\n\n\n\n<p>Fazit des Abends: Hier lie\u00df sich eine junge K\u00fcnstlerin auf die spezifischen Schwingungen an diesem exklusiv anmutenden Ort ein. Hinzu kommt, dass ein aufgeschlossenes Publikum die Aufbruchsstimmung der Programm-Macher dieser neuen Spielst\u00e4tte sp\u00fcrbar teilt.<\/p>\n\n\n\n<p>Weitere Infos unter: <a href=\"http:\/\/www.kunstsignal.de\/\">www.kunstsignal.de<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Tetiana Muchychka, Akkordeon &#8211; kunstsignal im Alten Bahnhof M\u00f6nchengladbach Rheydt-Geneicken Eine Konzertreihe f\u00fcr die begabte musikalische Jugend braucht attraktive, geeignete Spielst\u00e4tten. Ideale Auff\u00fchrungsbedingungen f\u00fcr die renommierte Kammermusik-Reihe \u201eBest of NRW\u201c sieht die Werner Richard \u2013 Dr. Carl D\u00f6rken-Stiftung in einem ehemaligen Bahnhofsgeb\u00e4ude im M\u00f6nchengladbacher Stadtteil Rheydt-Geneicken verwirklicht. 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