{"id":3505,"date":"2019-10-09T09:36:59","date_gmt":"2019-10-09T07:36:59","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=3505"},"modified":"2019-10-09T09:37:01","modified_gmt":"2019-10-09T07:37:01","slug":"grazil-bis-pompoes","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2019\/10\/09\/grazil-bis-pompoes\/","title":{"rendered":"Grazil bis Pomp\u00f6s"},"content":{"rendered":"\n<p>Naxos 8.573572; EAN: 7 47313 35727 7<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image is-resized\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/N0150.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3506\" width=\"305\" height=\"302\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/N0150.jpg 600w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/N0150-150x150.jpg 150w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/N0150-300x298.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 305px) 100vw, 305px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><em>Im sechsten Teil der\nGesamtaufnahme des Ravel\u2019schen Orchesterwerks mit dem Orchestre National de\nLyon unter Leonard Slatkin h\u00f6ren wir die drei Werke f\u00fcr ein Soloinstrument mit\nOrchester: das Klavierkonzert in G-Dur, das Klavierkonzert f\u00fcr die linke Hand\nallein \u2013 jeweils gespielt von Fran\u00e7ois Dumont \u2013 und die Tzigane f\u00fcr Geige und\nOrchester, in der die Konzertmeisterin Jennifer Gilbert ans Solistenpult tritt.\n<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Ravel komponierte seine beiden grundverschiedenen\nKlavierkonzerte ann\u00e4hernd zur selben Zeit: Als Paul Wittgenstein ihn\nbeauftragte, ein Konzert f\u00fcr die linke Hand zu schreiben, reizte ihn diese\nAufgabe so sehr, dass er die Arbeit an seinem G-Dur-Konzert pausierte. Zwar gab\nes bereits zuvor Klavierliteratur f\u00fcr die linke Hand, aber Ravel kannte kein\nWerk gro\u00dfer Form, das sich diesem Problem stellte: trotz der Beschr\u00e4nkungen auf\neine Hand ein mehrstimmiges und in sich stimmiges Geflecht zu bilden. Das\nresultierende Konzert besteht aus einem einzigen etwa 20-min\u00fctigen Satz, das\ndem Klavier bis zu drei parallel ablaufende Stimmen zuspricht. Akkordbrechungen\nbringen die Hand rasch von einer Lage des Klaviers in eine andere, wobei sich\naus den Spitzent\u00f6nen eine oder in der Schlusskadenz sogar zwei Melodien\nheraussch\u00e4len. Weit gespannte Harmonien geben den Eindruck von zwei H\u00e4nden. Das\nOrchester beginnt in der Tiefe und Konturlosigkeit, erst nach und nach treten\nnachvollziehbare Linien aus dem Nebel und die Musik entwickelt sich zu einer\nd\u00fcsteren und noch immer schwebenden Atmosph\u00e4re, bevor ein Bruch in ein\nPerpetuum-Mobile-Allegro f\u00fchrt. Gegen Ende kommt die Musik zu ihrem\nAusgangsmotiv zur\u00fcck, wenngleich wesentlich dichter. Mit gro\u00dfer Besetzung wirkt\ndas Konzert bedrohlich, zerr\u00fcttet und aufbegehrend; ganz anderes als das\nleichte G-Dur-Konzert, das Ravel urspr\u00fcnglich als Divertissement bezeichnen\nwollte. Baskische Motive und jazzig-bluesige Ankl\u00e4nge geben sich die Hand,\nw\u00e4hrend das Klavier unbeschwert pr\u00e4ludiert. Das dreis\u00e4tzige Werk bezieht sich\nauf die klassischen und fr\u00fchromantischen Ausdruckswelten zur\u00fcck, womit es\nPoulencs Konzert f\u00fcr zwei Klaviere nahesteht. Als Ruhepol dient ein lyrischer\nMittelsatz von hinrei\u00dfender Schlichtheit und Tragf\u00e4higkeit (inspiriert von\nMozarts Klarinettenkonzert), bevor das Finale die pr\u00e4zise Best\u00e4ndigkeit der\nRhythmik zelebriert. Einige Jahre vor den Klavierkonzerten komponierte Ravel\nseine Tzigane, um mit ihr das Genre der von Zigeunern inspirierten Phantasien\nund Rhapsodien zu beenden. Als die ungarische Geigerin Jelly d\u2019Ar\u00e1nyi das Werk\nspielte und eigene Improvisationen einflie\u00dfen lie\u00df, nahm Ravel diese in die\nPartitur auf: er wisse nicht, was sie mache, aber es gefalle ihm. <\/p>\n\n\n\n<p>Ohne gro\u00dfe Effekthascherei begleitet das Orchestre National\nde Lyon die beiden Solisten; Leonard Slatkin l\u00e4sst die Musik f\u00fcr sich sprechen\nund greift nur dort aktiv ein, wo es n\u00f6tig ist. So entsteht ein nat\u00fcrlicher\nFluss der Musik, der zugleich pr\u00e4zise gef\u00fchrt wird und vor subtilen Details nur\nso sprie\u00dft. Begeistern kann der Pianist Fran\u00e7ois Dumont, Gewinner u.a. des\ninternationalen Chopin Wettbewerbs und der Queen Elisabeth Competition, der die\nbeiden Klavierkonzerte mit gr\u00f6\u00dfter Leichtigkeit und Spielfreude nimmt. Das\nG-Dur-Konzert erh\u00e4lt jugendliche Frische mit glitzernden L\u00e4ufen und\nrhythmischer Finesse; das Konzert f\u00fcr die linke Hand wirkt tr\u00fcber und\ngrollender, bestimmt im Gestus. Wie Slatkin genie\u00dft Dumont die Schlichtheit der\nMusik, in die er nicht zu viel von au\u00dfen hineingeben will, sondern seine\nDarbietung ausschlie\u00dflich aus den in den Noten enthaltenen Details zieht. Einen\nanderen Zugang pr\u00e4sentiert Jennifer Gilbert, welche in der Tzigane einen\npomp\u00f6seren Auftritt hinlegt. Mit kr\u00e4ftigem, manchmal aufgesetzten, Vibrato mit\nherbem Ton setzt sie die Soloeinleitung an und bleibt die gesamte Rhapsodie\n\u00fcber in dieser Haltung. <\/p>\n\n\n\n<p><strong>[Oliver Fraenzke, Oktober\n2019]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Naxos 8.573572; EAN: 7 47313 35727 7 Im sechsten Teil der Gesamtaufnahme des Ravel\u2019schen Orchesterwerks mit dem Orchestre National de Lyon unter Leonard Slatkin h\u00f6ren wir die drei Werke f\u00fcr ein Soloinstrument mit Orchester: das Klavierkonzert in G-Dur, das Klavierkonzert f\u00fcr die linke Hand allein \u2013 jeweils gespielt von Fran\u00e7ois Dumont \u2013 und die Tzigane &hellip; <a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2019\/10\/09\/grazil-bis-pompoes\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Grazil bis Pomp\u00f6s<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[13],"tags":[3298,3295,3296,685,200,3297],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3505"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3505"}],"version-history":[{"count":1,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3505\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3507,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3505\/revisions\/3507"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3505"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3505"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3505"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}