{"id":3521,"date":"2019-10-24T08:14:55","date_gmt":"2019-10-24T06:14:55","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=3521"},"modified":"2019-10-24T08:14:56","modified_gmt":"2019-10-24T06:14:56","slug":"ein-verstuemmeltes-requiem","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2019\/10\/24\/ein-verstuemmeltes-requiem\/","title":{"rendered":"Ein verst\u00fcmmeltes Requiem"},"content":{"rendered":"\n<p>Naxos, 8.573952; EAN: 7 47313 39527 9<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image is-resized\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/N0155.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3522\" width=\"328\" height=\"325\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/N0155.jpg 600w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/N0155-150x150.jpg 150w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/N0155-300x298.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 328px) 100vw, 328px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><em>Johannes Brahms\u2018 \u201eEin deutsches Requiem\u201c h\u00f6ren wir in der Londoner Version von 1871, also mit englischen Texten. Statt eines Orchesters begleiten die beiden Pianisten Madeline Slettedahl und Craig Terry den Chor Bella Voce unter Andrew Lewis. Die Solisten sind Michelle Areyzaga und Hugh Russell.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Dass die S\u00e4nger das Deutsche Requiem von Brahms auf Englisch\nvortragen, lasse ich mir durchaus noch eingehen: schlie\u00dflich ging es Brahms\nnicht zuletzt um die Verst\u00e4ndlichkeit des Textes, damit dieser auf den H\u00f6rer wirken\nkann. Die \u00dcbersetzung von Lara Hoggard ist musikalisch auf die Originalpartien\nabgestimmt, so dass sie den Gesangslinien nicht im Wege steht. \u00dcberhaupt nicht\nnachvollziehen kann ich hingegen, dass diese Version auf Brahms\u2018 herrliche\nOrchestration verzichtet, sondern auf eine Fassung f\u00fcr zwei Klaviere\nzur\u00fcckgreift. Wie damals \u00fcblich, arrangierte Brahms die Orchesterstimmen f\u00fcr\nzwei Pianisten: dies war allerdings zu keiner Zeit f\u00fcr \u00f6ffentliche Auff\u00fchrungen\ngedacht, sondern f\u00fcrs h\u00e4usliche Musizieren. Der hier zu h\u00f6rende Chor Bella Voce\nscheint die Berechtigung einer Aufnahme daraus zu ziehen, dass die erste\nAuff\u00fchrung des Requiems in England eben nur mit zwei Klavieren stattfand \u2013\nallerdings auch im Rahmen eines Hauskonzerts.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Klavierbesetzung r\u00e4cht sich alleine schon durch den\ngew\u00e4hlten Aufnahmeort, die St. Luke&#8217;s Episcopal Church. Durch die hohe und\nbogenf\u00f6rmig zugeschnittene Decke entschwindet der Klavierklang, ohne dass die\nAufnahmetechnik ihn sauber einfangen k\u00f6nnte. Entsprechend fern und leer klingen\ndie Instrumente. Der Chor selbst hat ein gutes Gesp\u00fcr f\u00fcr die Polyphonie der\neinzelnen Linien und f\u00fcr die zarten Dissonanzen in der Musik von Brahms \u2013 doch\ner scheint sich etwas zur\u00fcckzuhalten wegen des mangelnden instrumentalen\nUnterbaus. Wenig begeistern k\u00f6nnen mich die beiden Solisten: Michelle Areyzaga\nbesitzt zwar ein herrlich klares und direktes Timbre, unterminiert dieses\nallerdings durch ununterbrochenes Vibrato mit beachtlichem Ambitus; Hugh\nRussell verk\u00fcnstelt seine Stimme, die Partie und das Colorit seiner Stimme\nallgemein wirken aufgesetzt und nicht echt beziehungsweise auch nicht echt\nempfunden.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit der fahlen Akustik der Kirche, der auf Dauer eint\u00f6nigen\nBegleitung ohne dynamische Vielfalt und ohne deren M\u00f6glichkeit, T\u00f6ne lange zu\nhalten, erm\u00fcdet die London Version des Deutschen Requiems schnell und wirkt\nbeinahe wie ein verst\u00fcmmelter Abklatsch des Originals.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>[Oliver Fraenzke,\nOktober 2019]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Naxos, 8.573952; EAN: 7 47313 39527 9 Johannes Brahms\u2018 \u201eEin deutsches Requiem\u201c h\u00f6ren wir in der Londoner Version von 1871, also mit englischen Texten. 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