{"id":3525,"date":"2019-10-26T21:34:31","date_gmt":"2019-10-26T19:34:31","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=3525"},"modified":"2019-10-26T21:36:03","modified_gmt":"2019-10-26T19:36:03","slug":"jung-wie-papa-haydn","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2019\/10\/26\/jung-wie-papa-haydn\/","title":{"rendered":"Jung wie Papa Haydn"},"content":{"rendered":"\n<p>\u201edacapo pr\u00e4sentiert junge Solisten I\u201c: Konzert der M\u00fcnchner Kammerphilharmonie dacapo am 20. Oktober 2019 im K\u00fcnstlerhaus. &#8211; Zwantje&nbsp;Bergmann, Mezzosopran; Julia Gassner , Klarinette; Carmen Steinmeier, Harfe; Franz Schottky, Dirigent<\/p>\n\n\n\n<p>Musik von Antonio&nbsp;Caldara&nbsp;(1670-1736), Giuseppe&nbsp;Giordani&nbsp;(1751- 1788), Giacomo&nbsp;Carissimi&nbsp;(1605-1674), Francesco Durante (1684-1755), Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791), Reinhold&nbsp;Gli\u00e9re&nbsp;(1875-1956) und Joseph Haydn (1732-1809).<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" width=\"1024\" height=\"407\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/N0156-e1572118434205-1024x407.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3526\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/N0156-e1572118434205-1024x407.jpg 1024w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/N0156-e1572118434205-300x119.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/N0156-e1572118434205-768x305.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Welch ein Beginn einer Konzert-Saison mit der M\u00fcnchner Kammerphilharmonie&nbsp;dacapo! Zuerst stellte Dirigent Franz&nbsp;Schottky&nbsp;die erste Solistin vor, die S\u00e4ngerin&nbsp;Zwantje&nbsp;Bergmann. Sie sang vier Lieder aus dem Fr\u00fchbarock und Barock, bis heute durchaus im Repertoire, und dem weichen und wohlklingenden Mezzosopran sehr angemessen. Delikat und sehr einf\u00fchlsam begleitet, er\u00f6ffneten diese musikalischen Kostbarkeiten den Abend. An ihrem dunkelgr\u00fcnen langen schulterfreien Kleid merkte man, dass sie nicht nur S\u00e4ngerin ist, sondern auch als T\u00e4nzerin schon einige Pokale errungen hat. Wann bekommen wir ihren ersten Liederabend zu h\u00f6ren, diese Frage stellte sich mir nach diesem gelungenen Auftritt mit der&nbsp;Kammerphilhamonie.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann vergr\u00f6\u00dferte sich f\u00fcr das n\u00e4chste St\u00fcck von Mozart das Orchester. Julia Gassner war die Solistin mit ihrer Dietz-Klarinette f\u00fcr die beiden ersten S\u00e4tze des ber\u00fchmten Klarinetten-Konzerts. Nat\u00fcrlich ist das ein&nbsp;wohlstbekanntes&nbsp;Musikst\u00fcck, aber es wieder einmal live und in so einer immens musikalischen Auff\u00fchrung erleben zu d\u00fcrfen, ist ein ganz besonderes Geschenk. Dass der letzte,&nbsp;abschlie\u00dfende&nbsp;Rondo-Satz fehlte, war um so bedauerlicher, weil vor allem der zweite Satz, das Largo, unendlich sch\u00f6n und stimmig gelang, von beiden Partnern, dem Orchester und von Julia Gassner. Aber vielleicht h\u00f6ren wir die junge Dame bei einem zuk\u00fcnftigen Konzert einmal mit allen drei S\u00e4tzen. (Wie Hamlet sagt: \u201e\u015a\u00b4 ist ein Ziel, aufs Innigste zu w\u00fcnschen.\u201c)<\/p>\n\n\n\n<p>Dann vergr\u00f6\u00dferte\nsich die Kammerphilharmonie&nbsp;noch einmal&nbsp;zum ausgewachsenen Symphonie-Orchester.\nDenn das n\u00e4chste St\u00fcck f\u00fchrte uns direkt ins zwanzigste Jahrhundert, zum\nHarfen-Konzert op.74 des russischen Komponisten Reinhold&nbsp;Gli\u00e8re. Die\nSolistin Carmen Steinmeier spielte auf ihrer&nbsp;Lyonhealy&nbsp;Harfe die\nersten beiden S\u00e4tze mit Bravour,&nbsp;war dem Orchester immer gewachsen und\nmachte uns mit einer sehr tonalen und eing\u00e4ngigen Musik bekannt, die nicht\nallzu oft in Konzert-Programmen auftaucht. Diese sp\u00e4tromantische Musik, weitab\nvon allen Modernismen der Zeit &#8211; das Werk komponierte&nbsp;Gli\u00e8re&nbsp;1938 &#8211;\nentlockte Orchester und Soloinstrument Klangfarben, die&nbsp;fast schon\nimpressionistische Kl\u00e4nge fr\u00fcherer Zeitgenossen wie Debussy wachriefen.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach der Pause dann &#8211; wie bei den Beginner-Konzerten \u00fcblich &#8211; eine Symphonie, meist eine klassische, in der die Kammerphilharmonie alleine gefordert war. Dieses Mal stand die \u201eOxford-Symphonie\u201c Nr. 94 vom Altmeister Joseph Haydn auf dem Programm. Er steht ja oft im Urteil hinter Mozart und Beethoven zur\u00fcck. Nun, dieser Abend belehrte uns wirklich eines Besseren. Unter der Leitung von Franz&nbsp;Schottky&nbsp;lief nicht nur das Orchester &#8211; alle Gruppen gleicherma\u00dfen &#8211; zu Hochform auf, die oft vernommene Rede vom \u201ealten&nbsp;Pappa&nbsp;Haydn\u201c wurde auf h\u00f6chstem Niveau ad&nbsp;absurdum gef\u00fchrt. Was da an bezwingendster Melodik, an vertracktester Rhythmik &#8211; besonders im Menuett-Satz &#8211; an Orchestrierungs-Finessen, an&nbsp;tiefgr\u00fcndigster&nbsp;Symphonik&nbsp;zu h\u00f6ren und zu&nbsp;erleben&nbsp;war, das war eine Offenbarung. Und die Ruhe und Gelassenheit &#8211; angefangen beim Einstimmen, beginnend bei den tiefen Streichern bis zum Intonieren der Bl\u00e4ser, bis zum ruhigen, geheimnisvollen Beginn besonders&nbsp;des ersten Satzes &#8211;&nbsp;das erzeugte genau die Atmosph\u00e4re, in der sich diese Offenbarung ereignen konnte und durfte. Verdienter und gro\u00dfer langanhaltender Beifall, den Franz&nbsp;Schottky&nbsp;gerne an seine Musikerinnen und Musiker weitergab.<\/p>\n\n\n\n<p>(Mein Nachbar meinte hinterher: \u201eDa m\u00fcssen sich aber die anderen gro\u00dfen M\u00fcnchner Orchester anstrengen, um so was zu Geh\u00f6r zu bringen!\u201c Und Recht hat er, was auch f\u00fcr das M\u00fcnchner Feuilleton gilt, im \u00dcbrigen&#8230;)<\/p>\n\n\n\n<p><strong>[Ulrich Hermann, Oktober 2019]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201edacapo pr\u00e4sentiert junge Solisten I\u201c: Konzert der M\u00fcnchner Kammerphilharmonie dacapo am 20. 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