{"id":3537,"date":"2019-11-06T06:23:29","date_gmt":"2019-11-06T05:23:29","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=3537"},"modified":"2019-11-07T06:24:05","modified_gmt":"2019-11-07T05:24:05","slug":"ein-abend-in-d","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2019\/11\/06\/ein-abend-in-d\/","title":{"rendered":"Ein Abend in D"},"content":{"rendered":"\n<p>F\u00fcr den Herbst 2019 nahm sich das Bruckner Akademie Orchester unter Leitung von Jordi Mora ein Programm in D vor, was sie am 3.11 im KUBIZ Unterhaching vortrugen: Zun\u00e4chst spielte es Mozarts Haffner-Sinfonie D-Dur KV 385, dann Bachs Konzert f\u00fcr Klavier und Streicher d-Moll BWV 1052 gemeinsam mit dem argentinischen Pianisten Hugo Schuler und nach der Pause die Sinfonia a gran orquesta in D-Dur von Juan Cris\u00f3stomo de Arriaga, der auch als spanischer Mozart bezeichnet wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Was das aus Profis wie begeisterten Laien zusammengew\u00fcrfelte\nBruckner Akademie Orchester unter der grandiosen Leitung von Jordi Mora auf die\nBeine stellt, erstaunt jedes Konzert von Neuem. Dieses Mal arbeiteten die\nMusiker gemeinsam an zwei klassischen Symphonien in D-Dur: Mozarts\nHaffner-Sinfonie und Arriagas Sinfonia a gran orqesta. Arriagas Symphonie, bis\nvor kurzem noch ein Exot in den Konzerts\u00e4len, setzt sich immer mehr als\nbedeutendes Meisterwerk durch und steht mittlerweile regelm\u00e4\u00dfig auf den\nProgrammen verschiedener Orchester. W\u00e4re der Komponist nicht bereits vor seinem\n20. Geburtstag einem Lungenleiden erlegen, was h\u00e4tten wir noch f\u00fcr monumentale\nMusik von ihm erwarten k\u00f6nnen! Selbst seine fr\u00fchen Ouvert\u00fcren bestechen schon\ndurch ihre Ausdrucksgewalt, die reiche Rhythmik und inspirierte Melodik \u2013 und\ndas, bevor er den ersten Kompositions- oder Kontrapunktunterricht nahm. Sp\u00e4ter\nlie\u00df er sich in Paris unter anderem bei Baillot ausbilden, erhielt\nUnterst\u00fctzung von Luigi Cherubini und lernte vermutlich sogar Beethoven\npers\u00f6nlich kennen. Die st\u00e4ndig zwischen Dur und Moll changierende einzige\nSymphonie z\u00e4hlt als sein wichtigstes Werk, ihre zwingende Rhythmik packt den\nH\u00f6rer, die formale Gestalt \u00fcberrascht und verzaubert gleicherma\u00dfen durch\nperfektes Timing und ideale Ausgewogenheit.<\/p>\n\n\n\n<p>Von der rein \u00e4u\u00dferen Wirkung \u00fcbertrifft die heutige\nDarbietung von Arriagas Symphonie sogar die mitrei\u00dfende Leichtigkeit von\nMozarts Haffner-Sinfonie. Jordi Mora treibt das Orchester stetig an, alles zu\ngeben und sich zu 100% auf die Musik zu fokussieren. Dabei fallen die\nintensiven Blickkontakte zwischen den einzelnen Streichergruppen auf, aus denen\neine fruchtbare Symbiose resultiert und den Streicherklang verschmelzen l\u00e4sst.\nDie Bl\u00e4ser k\u00f6nnen sich auf diesem Fundament elegant entfalten und der Musik all\ndie feinen Nuancen entlocken. Bemerkenswert ist, wie fein Jordi Mora die\nKontraste und gegens\u00e4tzlichen Passagen abw\u00e4gt und somit die Form in der Waage\nh\u00e4lt. Das Minuetto wirkt durch die gewollt holprige Rhythmik mehr wie ein\nBeethoven\u2019sches Scherzo als ein Mozart\u2019sches Menuett, das Finale w\u00fctet in\nmarkantem Precipitato, das durch die Wiederholung in Form der Zugabe noch mehr\ngewinnt. <\/p>\n\n\n\n<p>Mozart bleibt dagegen subtil, wenngleich nicht weniger\nsubstanz-geladen. Kompromisslos achtet Jordi Mora auf die Feinheit,\nDurchsichtigkeit und nicht zuletzt Leichtigkeit der Symphonie, die dadurch\nbeinahe spielerisch ungezwungen Glanz erh\u00e4lt. <\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcberrascht wurde ich von Bachs Klavierkonzert in d-Moll.\nAnstelle des ansonsten oft ruppigen und pomp\u00f6sen Tuttis zu Beginn vernehmen wir\nkontrollierte und gar feinsinnige Kl\u00e4nge, die \u00f6ffnen und fragen, anstatt direkt\ndurch ein Statement mit der T\u00fcr ins Haus fallen. Auch der anschlie\u00dfende\nSolo-Part beh\u00e4lt den Gestus bei: Hugo Schuler beh\u00e4lt ein luzides D\u00e9tach\u00e9, ein\nfl\u00f6tenartiges Nonlegato, bei, was der Musik eine stetige Feingliedrigkeit und\nEleganz verleiht. Der Klang des Steinway-Fl\u00fcgels verschmilzt so erstaunlich gut\nmit den Streichern \u2013 es erweckt fast den Eindruck eines modernen Clavicembalos,\ndas jedoch \u00fcber gezielt eingesetztes Pedal und mehr klangliche Schattierungen\nverf\u00fcgt. Im ersten Satz kommt Schulers linke Hand nur schwer \u00fcber die sechs (!)\nCelli dr\u00fcber, was angesichts des Klangideals auch unm\u00f6glich ist, ab dem zweiten\nSatz finden die Partner zusammen und vereinen sich in ihren musikalischen\nVorstellungen. Das Adagio avanciert am Klavier zur gesungenen Cantilene, das\nFinale bricht in voller Spielfreude hervor.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>[Oliver Fraenzke,\nNovember 2019]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>F\u00fcr den Herbst 2019 nahm sich das Bruckner Akademie Orchester unter Leitung von Jordi Mora ein Programm in D vor, was sie am 3.11 im KUBIZ Unterhaching vortrugen: Zun\u00e4chst spielte es Mozarts Haffner-Sinfonie D-Dur KV 385, dann Bachs Konzert f\u00fcr Klavier und Streicher d-Moll BWV 1052 gemeinsam mit dem argentinischen Pianisten Hugo Schuler und nach &hellip; <a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2019\/11\/06\/ein-abend-in-d\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Ein Abend in D<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[13],"tags":[218,436,174,219,3055,220,1393,184],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3537"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3537"}],"version-history":[{"count":2,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3537\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3539,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3537\/revisions\/3539"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3537"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3537"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3537"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}