{"id":3544,"date":"2019-11-10T17:12:14","date_gmt":"2019-11-10T16:12:14","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=3544"},"modified":"2019-11-10T19:47:51","modified_gmt":"2019-11-10T18:47:51","slug":"brahms-geschenke-an-clara-schumann","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2019\/11\/10\/brahms-geschenke-an-clara-schumann\/","title":{"rendered":"Brahms-Geschenke an Clara Schumann"},"content":{"rendered":"\n<p>Ars Produktion ARS 38 281; EAN: 4 260052382813<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image is-resized\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/N0157.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3545\" width=\"299\" height=\"299\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/N0157.jpg 600w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/N0157-150x150.jpg 150w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/N0157-300x300.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 299px) 100vw, 299px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><em>Die von T\u00fcbingen aus wirkende\njapanische Pianistin Sachi Nagaki hat sich auf der vorliegenden Hybrid-SACD von\n\u201aArs Produktion\u2018 einiger Brahms-Klavierwerke angenommen, die \u2013 direkt oder\nindirekt \u2013 Clara Schumann gewidmet wurden, teilweise in bisher nicht auf Tontr\u00e4gern\nerh\u00e4ltlichen, zeitgen\u00f6ssischen Bearbeitungen. Das Ergebnis f\u00e4llt leider sehr m\u00e4\u00dfig\naus. <\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Der Titel der CD <em>\u201eHommage \u00e1 Clara Schumann \u2013 Originalwerke und Bearbeitungen von Johannes Brahms\u201c <\/em>wirft zun\u00e4chst Fragen auf, denn es handelt sich nicht nur um Originalwerke (Fantasien op. 116) und Bearbeitungen eigener (2. Satz aus dem Streichsextett B-Dur) bzw. fremder Werke (Bach: Chaconne d-moll) aus Brahms\u2018 H\u00e4nden, sondern auch um solche Brahmsscher Kompositionen von Bearbeitern aus dem engeren Umfeld: die Haydn-Variationen in zweih\u00e4ndiger (!) Fassung von <em>Ludwig Stark<\/em> sowie zwei Liedbearbeitungen von <em>Theodor Kirchner<\/em> und <em>Robert Keller<\/em>. Was dies alles mit Clara zu tun haben soll, wird jedoch in den ordentlichen Liner Notes fundiert gekl\u00e4rt. Auch aufnahmetechnisch entspricht die CD dem hohen Standard etlicher Ver\u00f6ffentlichungen des Labels.<\/p>\n\n\n\n<p>Musikalisch kann mich Frau Nagakis Vortrag leider\nkaum \u00fcberzeugen. Bei op. 116 fehlt es ihrer Darbietung sowohl an Tiefe des Ausdrucks\nwie vor allem an pianistischer, klanglicher Raffinesse. Alles pl\u00e4tschert mehr\noder weniger gleichf\u00f6rmig und belanglos dahin. Den schnelleren, energischen\nSt\u00fccken kommt der n\u00f6tige Druck und die Nervosit\u00e4t abhanden; die st\u00fcck\u00fcbergreifende\nBedeutung verminderter Septakkorde bleibt v\u00f6llig unbeachtet \u2013 zudem wird alles\nweichgesp\u00fclt und im Pedal ertr\u00e4nkt. Daf\u00fcr ger\u00e4t ausgerechnet im zartesten aller\nSt\u00fccke (Nr. 4) der Anschlag zu hart, die Artikulation seltsam unkontrolliert \u2013\ndas Wunder, das in diesem zauberhaften Intermezzo steckt, findet einfach nicht\nstatt!<\/p>\n\n\n\n<p>Etwas besser gelingt Nagaki Bachs ber\u00fchmte Chaconne\naus der Violinpartita BWV 1004 in Brahms\u2018 Bearbeitung f\u00fcr die linke Hand\nallein. Aber auch hier wird der gro\u00dfe Entwicklungsbogen derart nivelliert, dass\ntrotz konsequent umgesetzten Wohlklangs gerade im ersten Drittel Langeweile aufkommt.\nBrahms\u2018 erst 1927 erschienene, weitgriffige zweih\u00e4ndige Bearbeitung des\nlangsamen d-Moll Variationssatzes aus dem Streichsextett op. 18 tr\u00e4gt dann immerhin\n\u00fcber weite Strecken.<\/p>\n\n\n\n<p>Starks eigentlich recht geschickte Bearbeitung der\nHaydn-Variationen f\u00fcr nur zwei H\u00e4nde ist nat\u00fcrlich technisch anspruchsvoller\nals je ein Klavierpart der vierh\u00e4ndigen Fassung von Brahms selbst. Was hier dargeboten\nwird, ist aber schlicht inakzeptabel! Frau Nagakis technisches Verm\u00f6gen bei den\nschnellen und daher auch heiklen Variationen (Nr. 5 und 6) und beim Finale\nreicht gerade mal f\u00fcr \u2013 gef\u00fchlt \u2013 das halbe Tempo! Auch wenn man die Orchesterversion\nnicht kennt, wirkt dies geradezu l\u00e4cherlich. An so ein St\u00fcck sollte man sich\ndoch bittesch\u00f6n nur dann wagen, wenn man \u00fcber die n\u00f6tige Virtuosit\u00e4t verf\u00fcgt: Das\nw\u00e4re mal was f\u00fcr Yuja Wang! Nach diesem Rohrkrepierer mag man sich \u00fcber die beiden\nnicht nur ausgezeichnet gemachten, sondern auch wirklich sch\u00f6n gespielten\nLiedbearbeitungen (\u201eSandm\u00e4nnchen\u201c und \u201eWiegenlied\u201c op. 49, Nr. 4) nicht mehr\nwirklich freuen. Insgesamt eine h\u00f6chst \u00fcberfl\u00fcssige Einspielung\u2026<\/p>\n\n\n\n<p><strong>[Martin Blaumeiser, November 2019]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ars Produktion ARS 38 281; EAN: 4 260052382813 Die von T\u00fcbingen aus wirkende japanische Pianistin Sachi Nagaki hat sich auf der vorliegenden Hybrid-SACD von \u201aArs Produktion\u2018 einiger Brahms-Klavierwerke angenommen, die \u2013 direkt oder indirekt \u2013 Clara Schumann gewidmet wurden, teilweise in bisher nicht auf Tontr\u00e4gern erh\u00e4ltlichen, zeitgen\u00f6ssischen Bearbeitungen. 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