{"id":3548,"date":"2019-11-12T06:56:00","date_gmt":"2019-11-12T05:56:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=3548"},"modified":"2019-11-13T06:58:01","modified_gmt":"2019-11-13T05:58:01","slug":"filmmusiken-fuer-den-konzertsaal","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2019\/11\/12\/filmmusiken-fuer-den-konzertsaal\/","title":{"rendered":"Filmmusiken f\u00fcr den Konzertsaal"},"content":{"rendered":"\n<p>Capriccio, C5368; EAN: 8 45221 05368 4<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image is-resized\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/N0158.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3549\" width=\"320\" height=\"320\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/N0158.jpg 600w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/N0158-150x150.jpg 150w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/N0158-300x300.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 320px) 100vw, 320px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><em>F\u00fcr den Konzertsaal\neingerichtete Filmmusik von Hanns Eisler h\u00f6ren wir auf der Aufnahme mit dem\nDirigenten J\u00fcrgen Bruhns f\u00fcr Capriccio. Gemeinsam mit dem MDR-Sinfonieorchester\nspielt er die Leipziger Sinfonie ein, die Tilo Medek aus den Skizzen des\nKomponisten eingerichtet und vervollst\u00e4ndigt hat, zudem Trauerst\u00fccke aus\nunterschiedlichen Filmpartituren der letzten Jahre Eislers, eingerichtet vom\nDirigenten selbst sowie von Tobias Fa\u00dfhauer. Mit der Kammersymphonie Berlin\nnimmt Bruns zudem die Filmmusik Nuit et brouillard von 1955 auf.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>In seinen letzten Jahren widmete sich Hanns Eisler vermehrt\nder Filmmusik, wobei diese nicht nur reine Hintergrundbeschallung sein sollte,\nsondern f\u00fcr sich selbst steht. Dies trifft besonders f\u00fcr die etwa\ndrei\u00dfigmin\u00fctige musikalische Untermalung des Films Nuit et brouillard zu,\nwelche die abgebildeten Gr\u00e4ueltaten eben nicht donnernd kommentiert, sondern\neine Innenwelt der Opfer darstellt und sich \u00e4u\u00dferlich eher zur\u00fcckh\u00e4lt. Eisler\ndachte von Anfang an daran, die Musik auch ohne Filmausstrahlung aufzuf\u00fchren,\nwas mehrfach mit gro\u00dfem Erfolg geschah. Andere Filmmusikpartituren plante\nEisler f\u00fcr Konzertauff\u00fchrungen neu einzurichten oder umzuschreiben. Als er 1959\nvom Gewandhaus-Orchester den Auftrag f\u00fcr eine Symphonie erhielt, sollte diese\nhaupts\u00e4chlich aus Abschnitten bereits fertiggestellter Filmmusiken bestehen \u2013\ndoch Eisler selbst konnte das Vorhaben nicht mehr vollenden. Als Tilo Medek\nsich an die Skizzen setzte, um die Symphonie zu rekonstruieren, fielen ihm aus\ndem Ordner vor allem Filmmusikpartituren entgegen und nur wenige Seiten der\nangefangenen Symphonie. Wie man dem detaillierten Booklettext von Peter Deeg\nentnehmen kann, ist eigentlich Medek der Hauptautor der Symphonie, der sich\neben auf die alten Filmmusiken berief und diese zusammensetzte, die ersten 21\nSeiten des 2. Satzes scheinen das einzig gr\u00f6\u00dfere von Eisler selbst\nniedergeschriebene Fragment zu sein. Die von J\u00fcrgen Bruns und Tobias Fa\u00dfhauer\nzusammengestellten und eingerichteten Trauerst\u00fccke aus Filmpartituren bestehen\nhaupts\u00e4chlich aus k\u00fcrzeren Teilen der letzten Filmkompositionen Eislers, die\nrelativ lose aneinandergereiht sind: jede f\u00fcr sich ein hinrei\u00dfendes\nStimmungsgem\u00e4lde, in der Abfolge jedoch nicht bezwingend.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00fcrde ein Film mit den zu h\u00f6renden Aufnahmen mitlaufen, so\nw\u00fcrden die Musiker dieser Aufnahme ihren Zweck vollends erf\u00fcllen: hoch\nexpressive Stimmungsteppiche kn\u00fcpfen, auf welchen die Bilder ihre volle Wirkung\nentfalten. So allerdings im CD-Format erm\u00fcden vor allem die frei\naneinandergereihten Trauerst\u00fccke aus Filmpartituren, da es an Kontrasten und\norganischen \u00dcberg\u00e4ngen fehlt. Die Musiker bleiben unter Stabf\u00fchrung von J\u00fcrgen\nBruns oft fl\u00e4chig bis sogar statisch, allerdings auch ohne sich einstellende\nRuhe, da hierf\u00fcr die Spannung doch zu hoch gehalten wird. Am meisten spielt die\nLeipziger Sinfonie den Musikern zu, die dem rhythmischen Drive folgen und in\nden dramatischen Effekten aufgehen, wie der surrealen Trompetenfanfare oder dem\nbedrohlichen Donnern. Die Symphonie bietet auch genug Kontraste, um schl\u00fcssig\ndas Werk zusammenhalten zu k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>[Oliver Fraenzke, November\n2019]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Capriccio, C5368; EAN: 8 45221 05368 4 F\u00fcr den Konzertsaal eingerichtete Filmmusik von Hanns Eisler h\u00f6ren wir auf der Aufnahme mit dem Dirigenten J\u00fcrgen Bruhns f\u00fcr Capriccio. 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