{"id":3552,"date":"2019-11-15T21:52:40","date_gmt":"2019-11-15T20:52:40","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=3552"},"modified":"2019-11-15T21:53:20","modified_gmt":"2019-11-15T20:53:20","slug":"in-reich-verschwenderischer-vielfalt","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2019\/11\/15\/in-reich-verschwenderischer-vielfalt\/","title":{"rendered":"In Reich verschwenderischer Vielfalt"},"content":{"rendered":"\n<p>Naxos, 8.574082; EAN: 7 47313 40827 6<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/N0159.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3553\" width=\"323\" height=\"320\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/N0159.jpg 600w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/N0159-300x298.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/N0159-150x150.jpg 150w\" sizes=\"(max-width: 323px) 100vw, 323px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><em>Unter Stabf\u00fchrung von\nFabrice Bollon spielt das Philharmonische Orchester Freiburg die Symphonien Nr.\n3 b-Moll op. 11 und Nr. 4 cis-Moll op. 21 von Alb\u00e9ric Magnard.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Der Werkkatalog von Alb\u00e9ric Magnard ist mit nur 21\nver\u00f6ffentlichten Opusnummern mehr als schmal, daf\u00fcr gezeichnet von perfektionistischem\nStreben und dem st\u00e4ndigen Drang, formale Klarheit und Ausgeglichenheit zu\nschaffen. Die Bruckner\u2019schen Ankl\u00e4nge in seinen symphonischen Werken boten\nZielfl\u00e4che f\u00fcr Anfeindungen, er komponiere nicht franz\u00f6sisch genug, nicht\nnationalistisch \u2013 zu der Zeit kein marginaler Vorwurf. Dies k\u00f6nnte einer der\nGr\u00fcnde gewesen sein, warum Magnard beim Einfall deutscher Truppen 1914 im\nErsten Weltkrieg an die Front st\u00fcrmte, um seine Heimat zu verteidigen: was er\nmit dem Leben bezahlte. Erst ein Jahr zuvor beendete er seine Vierte Symphonie\nund damit sein letztes Werk, in welchem er stilistisch in die Zukunft blickte\nund ganz neue Pfade betrat. Wir k\u00f6nnen nur erahnen, wie er diesen Weg\nweitergegangen w\u00e4re. Auf dem H\u00f6hepunkt seines Schaffens komponierte Magnard die\nDritte Symphonie, wohl die klarste und am leichtesten verst\u00e4ndliche von allen.\nHeute stellt sie das am meisten gespielte seiner Werke dar.<\/p>\n\n\n\n<p>Vom ersten Ton an werden wir in den Bann der\nverschwenderischen F\u00fclle an Ideen gezogen. Die Symphonien sind durchzogen von\ndichter Stimmvielfalt und ausgewogenem Kontrapunkt. Die Hauptstimmen werden\ngetragen von mehreren Nebenstimmen und subtilen Motiven, die am Rande der\nWahrnehmung ablaufen, was einen Eindruck von Volumen und Dichte schafft. In den\nraschen S\u00e4tzen werden wir regelrecht erschlagen von rhythmischer Pr\u00e4senz und\ndr\u00e4ngerischem Gestus, in den pastoralen Passagen tragen innige Kantilenen uns\nfort, doch auch um sie herum schwirrt es an parallel ablaufenden Ideen.<\/p>\n\n\n\n<p>Fabrice Bollon gibt den Symphonien genug Luft zum Atmen,\ngleichzeitig nutzt er das Zeitma\u00df auf halbe Noten in den schnellen S\u00e4tzen f\u00fcr\nrasende Ausbr\u00fcche, rhythmische Feuerwerke und ausgiebiges Precipitato. Dabei\nerh\u00e4lt er stets die Souver\u00e4nit\u00e4t und Erhabenheit der Musik, bietet luzide\nEinblicke in die Kontrapunktik der Symphonien und verleiht ihnen die notwenige\nAusgewogenheit formaler Abstimmung. Das Philharmonische Orchester Freiburg\nfolgt mit klarer Klanggestaltung und geht einf\u00fchlsam auf die hinrei\u00dfenden\nMelodien ein.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>[Oliver Fraenzke, November\n2019]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Naxos, 8.574082; EAN: 7 47313 40827 6 Unter Stabf\u00fchrung von Fabrice Bollon spielt das Philharmonische Orchester Freiburg die Symphonien Nr. 3 b-Moll op. 11 und Nr. 4 cis-Moll op. 21 von Alb\u00e9ric Magnard. 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