{"id":3557,"date":"2019-11-17T13:40:54","date_gmt":"2019-11-17T12:40:54","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=3557"},"modified":"2019-11-17T13:40:55","modified_gmt":"2019-11-17T12:40:55","slug":"finesse-bravour","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2019\/11\/17\/finesse-bravour\/","title":{"rendered":"Finesse &amp; Bravour"},"content":{"rendered":"\n<p><br \/> Konzert am 11. November 2019 im Herkulessaal<br \/> M\u00fcnchner Kammerphilharmonie\u00a0dacapo<br \/> <br \/> Musik von Gioachino Rossini (1792-1868), Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791),<br \/> <br \/> Fr\u00e9d\u00e9ric Chopin (1810-1849) und Maurice Ravel (1875-1937)<br \/> <br \/> J\u00f6rdis Bergmann, Violine<br \/> Ulrich Roman Murtfeld, Klavier<br \/> Franz Schottky, Dirigent<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" width=\"1024\" height=\"411\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/N0160-scaled-e1573994409885-1024x411.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3558\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/N0160-scaled-e1573994409885-1024x411.jpg 1024w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/N0160-scaled-e1573994409885-300x120.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/N0160-scaled-e1573994409885-768x308.jpg 768w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/N0160-scaled-e1573994409885-1536x616.jpg 1536w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/N0160-scaled-e1573994409885-2048x821.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Mit Rossinis Ouvert\u00fcre zum \u201eBarbier von Sevilla\u201c begann das sonnt\u00e4gliche Konzert der<br \/> M\u00fcnchner Kammerphilharmonie\u00a0dacapo gleich mit einem Rei\u00dfer, der den vollen Herkulessaal in die\u00a0rechte Stimmung versetzte. Nicht \u00fcberhastet, alle Finessen auskostend, servierte uns Franz\u00a0Schottky mit gro\u00dfem Orchester diesen \u201eEvergreen\u201c. Dabei war die \u201eAnsprache\u201c des\u00a0Dirigenten dazu eine gelungene Einf\u00fchrung, wie immer.<br \/> Beim letzten Violinkonzert von Mozart in A-Dur verkleinerte sich die Besetzung nat\u00fcrlich,\u00a0und die Solistin betrat die B\u00fchne: die junge J\u00f6rdis Bergmann mit ihrer Mittenwalder Sandner-Geige und dem\u00a0Bogen des Franzosen Louis Morizot. Kurz vor seinem 20. Geburtstag\u00a0vollendete Mozart sein f\u00fcnftes und damit letztes seiner Violinkonzerte, viele halten es f\u00fcr sein\u00a0bestes. Jedenfalls ist es bei Solistin, Dirigent und Orchester in besten H\u00e4nden. Mozarts Musik\u00a0ist eigentlich unbeschreiblich \u2013 wem sag ich das? \u2013 aber was da vor allem im zweiten Adagio-Satz von Mozarts ganz anderer, der zutiefst melancholischen Seite des oft so heiteren\u00a0G\u00f6tterlieblings, zu Tage trat und zu h\u00f6ren war, das ber\u00fchrte ganz besonders tiefe Regionen.\u00a0Nat\u00fcrlich endete der dritte Satz dieses Konzerts in der \u201eLiebes-Tonart\u201c A-Dur nach einem kleinen verschmitzten Ausflug in die Musik des osmanischen \u201eErbfeindes\u201c in heiterster Gelassenheit.<\/p>\n\n\n\n<p><br \/>\nNach der Pause erklang Fr\u00e9d\u00e9ric Chopins Meisterwerk, die Variationen f\u00fcr\nKlavier und<br \/>\nOrchester \u00fcber \u201eLa ci darem la mano\u201c aus Mozarts \u201eDon Giovanni\u201c. Mit diesem\nSt\u00fcck hatte&nbsp;der 17-j\u00e4hrige Chopin sich durchgesetzt, auch Robert Schumann\nhuldigte ihm dann in seiner&nbsp;\u201eNeuen Musikzeitung\u201c. Nat\u00fcrlich w\u00e4re der\nKomponist nicht Chopin, w\u00fcrde er die Melodie&nbsp;einfach nehmen und ein paar\nVariationen daraus machen, wie es ja damals durchaus auch&nbsp;Mode war. Er\ntastet \u201eReich mir die Hand, mein Leben\u201c sofort nach seinen harmonischen\nund&nbsp;melodisch-strukturellen M\u00f6glichkeiten ab, und entwickelt so ein wahres\nFeuerwerk an&nbsp;pianistischen und orchestralen M\u00f6glichkeiten. Es ist\nfaszinierend, zu h\u00f6ren, wie weit sich&nbsp;Chopins Musik seit Mozarts Tod, der\nja knapp drei Jahrzehnte her war, im Weiteren&nbsp;entwickelt hatte. Ulrich\nRoman Murtfeld gab dem Klavierpart Finesse und Bravour, das&nbsp;Orchester war\nnicht einfach nur \u201eBegleiter\u201c, sondern Partner im gemeinsamen Entstehen-Lassen\ndieser Komposition, die Chopin noch vor seinen beiden Klavierkonzerten schrieb.<br \/>\nAls Zugabe \u2013 und gelungene \u00dcberleitung zu Ravels Musik \u2013 spielte der Pianist\nnach<br \/>\ngro\u00dfem Beifall eine Pr\u00e9lude von Claude Debussy.<\/p>\n\n\n\n<p><br \/>\nIm letzten Teil vergr\u00f6\u00dferte sich das Orchester noch einmal, auch die Harfe kam\nzum Zug.&nbsp;In jedem von uns ist franz\u00f6sische Musik, so erinnerte bei seiner\nAnsage Franz Schottky an&nbsp;seinen Lehrer Sergiu Celibidache, von dem dieser\nHinweis auch in Bezug auf die Finesse und&nbsp;orchestrale Bravour des \u201eTombeau\nde Couperin\u201c von Maurice Ravel stammt. Und wirklich,&nbsp;was da an Klangf\u00fclle,\nrhythmischer \u201eVertracktheit\u201c und melodi\u00f6sen Schimmern vernehmbar&nbsp;wird, ist\neinfach \u00fcberw\u00e4ltigend. Alle Teile des Orchesters, aber ganz besonders die\nBl\u00e4ser-Gruppe, steigerten sich fast in einen Spiel- und Klangrausch &#8211;\nallerdings sind alle Instrumente in&nbsp;ihren grandiosen M\u00f6glichkeiten stark\ngefordert in&nbsp;diesem \u201eKlagegesang\u201c f\u00fcr den franz\u00f6sischen Altmeister\nFrancois Couperin, der \u00fcbrigens am 10. November Geburtstag hatte. Ravel schrieb\ndieses&nbsp;Orchester\u2013Wunderwerk mitten im Krieg 1916, wovon gl\u00fccklicherweise\nnichts zu h\u00f6ren und&nbsp;zu sp\u00fcren ist. Die M\u00fcnchener Kammerphilharmonie dacapo\nzeigte sich in absoluter H\u00f6chstform und lie\u00df&nbsp;dieses Sonntags-Konzert zu\neinem ganz besonderen Erlebnis werden. Vielen Dank!<br \/>\nGro\u00dfer Beifall, Blumen \u2013 die wie gewohnt einigen auszuzeichnenden Solistinnen\nund<br \/>\nSolisten gewidmet wurden.<\/p>\n\n\n\n<p><br \/>\nIm \u00dcbrigen &#8230; aber das wissen Sie ja selbst.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>[Ulrich Hermann, November 2019]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Konzert am 11. 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