{"id":3593,"date":"2019-12-05T08:15:32","date_gmt":"2019-12-05T07:15:32","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=3593"},"modified":"2019-12-05T08:15:34","modified_gmt":"2019-12-05T07:15:34","slug":"klarinetten-kontraste","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2019\/12\/05\/klarinetten-kontraste\/","title":{"rendered":"Klarinetten-Kontraste"},"content":{"rendered":"\n<p>All Sound Around, EAN: 9 120094 930029<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/N0167.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3594\" width=\"275\" height=\"275\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/N0167.jpg 500w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/N0167-300x300.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/N0167-150x150.jpg 150w\" sizes=\"(max-width: 275px) 100vw, 275px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><em>Mit ihrem \u201eThe\nGershWIEN Project\u201c begeben sich der Klarinettist Markus Adenberger und die\nPianistin Maria Radutu auf eine abenteuerliche Reise durchs 19. und 20.\nJahrhundert. Pendereckis satirische Drei Miniaturen \u00f6ffnen den Vorhang, bevor\nwie zwei jazzige Solokonzerte in Arrangements h\u00f6ren: Gershwins Rhapsodie in\nBlue und Artie Shaws Klarinettenkonzert, wo Franz Hofferer als Gast am Drumset dazust\u00f6\u00dft.\nSarasates Zigeunerweisen und Schumanns Drei Romanzen op. 94 bringen uns in die\nWelt der Romantik, bevor Poulenc uns nach Frankreich entf\u00fchrt: von ihm h\u00f6ren\nwie zun\u00e4chst die Hommage \u00e0 Edith Piaf f\u00fcr Klavier solo und schlie\u00dflich die\nKlarinettensonate FP 184.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcber George Gershwins Aufenthalt in Wien gibt es eine\nAnekdote, deren Richtigkeit nicht nachgewiesen wurde: Nachdem er bereits in\nParis K\u00fcnstler wie Ravel, Prokofieff und Strawinsky getroffen hatte, besuchte\ner in Wien K\u00e1lm\u00e1n, Leh\u00e1r und Berg. K\u00e1lm\u00e1n machte Gershwin die \u00dcberraschung,\ndass die \u00f6rtliche Kapelle zum Nachtisch seine Rhapsody in Blue aufspielte, deren\nin Europa noch v\u00f6llig unbekannte Kl\u00e4nge f\u00fcr sie eine gewaltige Herausforderung\ndarstellten. Zum Dank schenkte der ger\u00fchrte Gershwin seinem Kollegen den Kugelschreiben,\nmit dem er angeblich die Rhapsody geschrieben habe. Dieser Stift verbl\u00fcffte die\nAnwesenden, die so etwas noch nie gesehen haben, denn dieses war der erste\nKugelschreiber in Wien.<\/p>\n\n\n\n<p>So h\u00e4ngt zumindest das hier zu h\u00f6rende Werk Gershwins mit\nder Metropole Wien zusammen, aus der Klarinettist Markus Adenberger stammt. Die\nanderen der Titel haben meines Wissens keine Verbindung mit Gershwin oder der\nHauptstadt \u00d6sterreichs: daf\u00fcr bieten sie umso mehr Kontraste und lebendige\nMusikgestaltung.<\/p>\n\n\n\n<p>Innerlich aufgew\u00fchlt, unstet und gewisserma\u00dfen sarkastisch\ngeben sich die Drei Miniaturen von Penderecki, die modernistischsten St\u00fccke\ndieser Aufnahme, die zugleich direkt zu Beginn stehen und damit ein Statement\nsetzen: auch freitonale, dissonante Musik kann ein Programm stilsicher\ner\u00f6ffnen! Dann folgt das titelgebende GershWIEN-St\u00fcck, die Rhapsody in Blue, dem\ndie beiden Musiker eine erstaunlich melancholische Note verleihen. Anstelle der\ngro\u00dfst\u00e4dtischen Aufgeregtheit erh\u00e4lt das Werk hier eine warme, beinahe z\u00e4rtlich\nliebevolle Note, die der Musik durchaus wohltut. Shaws Klarinettenkonzert f\u00fchrt\nuns vollends in den Bereich des Jazz, rhythmisch getragen von Franz Hofferer am\nDrumset. In diesem St\u00fcck kann sich vor allem die Klarinette klanglich\nentfalten, mit kleinen Zerrungen und Schleifen arbeiten, dabei einen\nvollkernigen Ton in den Raum projizieren; das Klavier errichtet bei Shaw die klangliche\nBasis f\u00fcr die Klarinette und sorgt f\u00fcr den n\u00f6tigen Drive. Noch virtuoser\ntrumpft die Klarinette bei Sarasate auf, dessen Zigeunerweisen wir hier f\u00fcr das\nBlasinstrument arrangiert h\u00f6ren, wodurch der beliebten Zugabe vieles an Sch\u00e4rfe\nund Direktheit genommen wird, was Markus Adenberger mit Innigkeit, Lyrik und\nWitz f\u00fcllt. Introvertiert gelingen die Drei Romanzen von Schubert, in denen\nRadutu und Adenberger echtes Gef\u00fchl voller W\u00e4rme kundtun. Unvorstellbar\nsensibel gestalten sich die St\u00fccke von Francis Poulenc, die alle Feinheiten und\nNuancen der Klanggebung abverlangen, wof\u00fcr sie aber auch mit fesselnder Wirkung\nund Unmittelbarkeit danken. Maria Radutu und Markus Adenberger nehmen jedes\ndieser St\u00fccke f\u00fcr sich und gehen auf die individuellen Anforderungen an Klang\nund Gef\u00fchl ein, folgen je der Musik und erzielen so unverf\u00e4lschte und reine\nDarstellungen all dieser verschiedenartigen Stilwelten.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>[Oliver Fraenzke,\nDezember 2019]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>All Sound Around, EAN: 9 120094 930029 Mit ihrem \u201eThe GershWIEN Project\u201c begeben sich der Klarinettist Markus Adenberger und die Pianistin Maria Radutu auf eine abenteuerliche Reise durchs 19. und 20. Jahrhundert. 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