{"id":3596,"date":"2019-12-07T16:04:07","date_gmt":"2019-12-07T15:04:07","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=3596"},"modified":"2019-12-07T16:04:09","modified_gmt":"2019-12-07T15:04:09","slug":"rueckblicke","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2019\/12\/07\/rueckblicke\/","title":{"rendered":"R\u00fcckblicke"},"content":{"rendered":"\n<p>Solo Musica, SM 325; EAN: 4 260123 643256<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" width=\"300\" height=\"300\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/N0168.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3597\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/N0168.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/N0168-150x150.jpg 150w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><em>Drei unterschiedliche\nWerke mit der Gemeinsamkeit der Retrospektive bilden das Programm dieser\nCD-Aufnahme des Giraud Ensemble Chamber Orchestras unter Sergey Simakov. Zu\nBeginn steht das gro\u00df angelegte Concerto for Myself des Pianisten und Komponisten\nFriedrich Gulda (Mischa Cheung, Klavier; Janic Sarott, Schlagzeug; Stanislaw\nSandronov, E-Bass), es folgt die Erste Symphonie, Classique, von Prokofieff und\ndas Konzert f\u00fcr zwei Klaviere und Orchester von Poulenc (Yulia Miloslavskays\n&amp; Mischa Cheung, Klaviere).<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Die Verehrung der Meister aus der Epoche der sogenannten\nWiener Klassik inspiriert bis heute ungebrochen K\u00fcnstler aller Sparten. Die\nAusgewogenheit und Ausgeglichenheit, die Leichtigkeit und Unbeschwertheit, aber\nauch das Feingef\u00fchl f\u00fcr Timing, Kontrast und vollendete Form stehen als\nerstrebenswertes Idol dar.&nbsp; Auf der\nvorliegenden CD h\u00f6ren wir drei Werke, die sich je auf ihre Weise diesem Vorbild\nstellen.<\/p>\n\n\n\n<p>Frei nach dem Titel des ersten Satzes, der als Motto f\u00fcr das\ngesamte Werk gelten k\u00f6nnte, konzipiert Friedrich Gulda sein Concerto For\nMyself: The new in view (,then old is new). Die Basis f\u00fcr Guldas Inspiration\nbildet das klassische Klavierkonzert, in das immer mehr Einfl\u00fcsse und direkte\nwie auch indirekte Zitate aller erdenklichen Musikstile einflie\u00dfen. Dabei\nentsteht allerdings kein blo\u00dfes Potpourri aus bekannten Melodien, sondern Gulda\nb\u00fcndelt die Stile und bringt sie elegant in eine funktionierende Gro\u00dfform,\nspinnt die wichtigsten Melodien weiter zu wiederkehrenden Themen und l\u00e4sst\nandere als simple Figuration vor\u00fcbergehen. Spannende Kontraste schafft er durch\ndas Wechselspiel aus \u201aalt\u2018 und \u201aneu\u2018, nicht zuletzt \u201aklassisch\u2018 und \u201ajazzig\u2018.\nMischa Cheung erweist sich als gewandt in beiden Stilwelten und changiert\ngeschickt zwischen barockem, klassischem, romantischem und jazzigem Anschlag,\nnimmt sogar einiges der Kantigkeit von Guldas eigener Darbietung weg zugunsten\ngr\u00f6\u00dferer Leichtigkeit. Leider h\u00f6re ich den E-Bass nicht heraus aus dem\nOrchester, diese Stimme scheint im Mastering untergegangen zu sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Zwischen Hommage und Persiflage bewegt sich die Symphony\nClassique aus der Feder Prokofieffs. Haydn steht hier als deutliches Vorbild\nvoran, dessen Stilwelt der Russe aufgreift, aber immer wieder durch sanfte\nReibungen und scheinbar unpassende Abweichungen w\u00fcrzt. Sp\u00e4ter erscheinen auch\ngewisse Ankl\u00e4nge an den fr\u00fchen Tschaikowski. Simakov greift vor allem die\nscherzhafte Vitalit\u00e4t dieser Symphonie auf und \u00fcberzeugt durch sein Gesp\u00fcr f\u00fcr\nMehrstimmigkeit. Insgesamt k\u00f6nnte die Musik etwas ruhiger und somit auch\nentspannter geschehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Als Hommage an Mozart bezeichnete Poulenc den Mittelsatz\nseines Doppelkonzerts f\u00fcr zwei Klaviere, das zu seinen bekanntesten Werken\nz\u00e4hlt, und lie\u00df sich sp\u00fcrbar von dessen Klavierkonzert Nr. 20 zu einem Thema\nhinrei\u00dfen, geht aber in der Wirkung mehr auf Ravels Klavierkonzert in G zur\u00fcck,\ndessen Urauff\u00fchrung Poulenc beiwohnte. Zwar war Poulenc kein tadelloser Pianist\nund lie\u00df zahllose technische Pannen zu, dennoch halte ich seine eigene Aufnahme\ngemeinsam mit Jacques F\u00e9vrier f\u00fcr un\u00fcbertroffen in Unbek\u00fcmmertheit und\nFeinheit. Yulia Miloslavskaya und Mischa Cheung gehen in wohltuender Distanz an\ndas Konzert heran, behalten eine durchgehende Spielfreude und Feingliedrigkeit,\nklassischen Feinsinn. Faszinierend sind die perfekt synchron abgestimmten L\u00e4ufe\nund die Abgestimmtheit ihres Spiels, so dass kaum zu sagen ist, wer gerade\nspielt und wer welche Rolle \u00fcbernimmt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>[Oliver Fraenzke,\nDezember 2019]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Solo Musica, SM 325; EAN: 4 260123 643256 Drei unterschiedliche Werke mit der Gemeinsamkeit der Retrospektive bilden das Programm dieser CD-Aufnahme des Giraud Ensemble Chamber Orchestras unter Sergey Simakov. 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