{"id":3608,"date":"2019-12-16T06:56:51","date_gmt":"2019-12-16T05:56:51","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=3608"},"modified":"2019-12-16T06:56:55","modified_gmt":"2019-12-16T05:56:55","slug":"technik-emotion-oder-weder-noch","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2019\/12\/16\/technik-emotion-oder-weder-noch\/","title":{"rendered":"Technik, Emotion oder weder noch"},"content":{"rendered":"\n<p>Paraty, 209187; EAN: 3 760213 651549<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/N0171.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3609\" width=\"317\" height=\"317\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/N0171.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/N0171-150x150.jpg 150w\" sizes=\"(max-width: 317px) 100vw, 317px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><em>In ihrem Album \u201e3\nAspects of Emotions\u201c wagt sich die bulgarische Pianistin Vanya Pesheva an drei\nvirtuose Werke des 20. und 21 Jahrhunderts: Maurice Ravels Gaspard de la Nuit,\nvier der Mirages von Albena Petrovic-Vratchanska und Alexander Scriabins F\u00fcnfte\nKlaviersonate fis-Dur op. 53.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Wenn ein Musiker im Begleittext schon dezidiert auf enorme\nvirtuose F\u00e4higkeiten hinweist, so gilt das bereits als Warnschuss: denn wo\nTechnik \u00fcberwiegt, leidet oft die Musik.<\/p>\n\n\n\n<p>Dies bewahrheitet sich einmal mehr bei vorliegender CD der\nBulgarin Vanya Pesheva. Gleich zwei rasend schwere Werke aus dem 20.\nJahrhundert stehen auf dem Programm, beide absolute Highlights im Repertoire\neines jeden Pianisten. Ravels Gaspard de la Nuit z\u00e4hlt nicht umsonst als eines der\nanspruchsvollsten Werke f\u00fcr das Klavier, vor allem da der Komponist sich\nvornahm, mit Scarbo alle dagewesenen Schwierigkeiten zu \u00fcberbieten; und auch\nScriabin erweiterte mit seinen insgesamt zehn Klaviersonaten das Spektrum der\ntechnischen M\u00f6glichkeiten und schuf durch Konfliktrhythmen neue Wege der\nMehrstimmigkeit, die f\u00fcr ein einziges Gehirn kaum korrelierbar scheinen. Wichtiger\njedoch als diese oberfl\u00e4chlichen Fakten: beide Komponisten verschrieben sich in\nallem der Musik jenseits der blo\u00dfen T\u00f6ne. Ravel komponierte hypersensibel plastische\nGem\u00e4lde in schwerelosem Fluss, penibel ausgefeilt in jedem Detail und von\nunfehlbarer Pr\u00e4zision in ihrer Wirkung. Scriabin widmete sich der Extase und\nversuchte, orgastische Zust\u00e4nde durch Musik zu vermitteln. Seine Musik ist\nerotisch, hingebungsvoll, berauscht und launisch, dabei von vorne bis hinten\ndurchkonzipiert und ausgewogen. Beide Komponisten gingen \u00fcber die blo\u00dfe Emotion\nhinaus.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenig dessen h\u00f6ren wir bei Vanya Peshevas Darbietung der\nbeiden Kompositionen und selbst der virtuose Aspekt l\u00e4sst bei Ravels drei\nTongedichten stellenweise zu w\u00fcnschen \u00fcbrig. Gaspard de la Nuit klingt tr\u00e4ge\nund schwerf\u00e4llig, in manchen Passagen der Ondine gar angestrengt: und das,\nobgleich die sprudelnden Wellen mit ihren schaumig verspielten Kronen\neigentlich das genaue Gegenteil dessen darstellen sollen. Im Gegenzug dazu\nklingt Le Gibet romantisch verhalten, ohne die subtil aufreibenden Dissonanzen\nzu w\u00fcrdigen. In Scriabins eins\u00e4tziger F\u00fcnfter Klaviersonate holt Pesheva die\nStimmen nicht in ihrer Eigenst\u00e4ndigkeit hervor, sondern l\u00e4sst sie zu einer\nEinheitsmasse verschmelzen, in der weder die rhythmischen Finessen, noch die\ngegeneinander agierenden Kontrapunkte durchh\u00f6rbar sind. In den Rubati agiert\nsie derart frei, dass der \u00fcber gro\u00dfe Strecken vorgeschriebene 5\/8-Takt sich\nvollkommen aufl\u00f6st. Die einzelnen Akkorde wiegt Pesheva nicht ineinander ab und\nverliert so das Gef\u00fchl f\u00fcr selbst kleinste harmonische Bez\u00fcge. <\/p>\n\n\n\n<p>Zwischen Ravel und Scriabin stehen vier Mirages der\nluxemburgischen Komponistin, Pianistin und P\u00e4dagogin Albena Petrovic. Die Musik\nstreicht recht belanglos am H\u00f6rer vorbei, gibt wenig Anlass zum Aufhorchen. Die\nwiederkehrenden Glockenkl\u00e4nge erm\u00fcden nach kurzer Zeit und es fehlt an Kontur\nund Struktur, pl\u00e4tschert mit ein paar dissonanteren Ausbr\u00fcchen vor sich hin.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>[Oliver Fraenzke,\nDezember 2019]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Paraty, 209187; EAN: 3 760213 651549 In ihrem Album \u201e3 Aspects of Emotions\u201c wagt sich die bulgarische Pianistin Vanya Pesheva an drei virtuose Werke des 20. und 21 Jahrhunderts: Maurice Ravels Gaspard de la Nuit, vier der Mirages von Albena Petrovic-Vratchanska und Alexander Scriabins F\u00fcnfte Klaviersonate fis-Dur op. 53. 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