{"id":3616,"date":"2019-12-20T10:45:00","date_gmt":"2019-12-20T09:45:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=3616"},"modified":"2019-12-18T10:45:42","modified_gmt":"2019-12-18T09:45:42","slug":"das-beethovenjahr-beachtlich-einlaeuten","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2019\/12\/20\/das-beethovenjahr-beachtlich-einlaeuten\/","title":{"rendered":"Das Beethovenjahr beachtlich einl\u00e4uten"},"content":{"rendered":"\n<p>Ludwig van Beethoven: Klavierkonzerte Nr. 6 (Weltersteinspielung Fragment), Nr. 2, Op. 19 und Nr. \u201e0\u201c (WoO 4); Symphoniker Hamburg \u2013 Peter Ruzicka; Sophie-Mayuko Vetter (Klavier)<\/p>\n\n\n\n<p>Oehms OC1710\/EAN: 4260330917102<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/N0172.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3617\" width=\"266\" height=\"266\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/N0172.jpg 600w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/N0172-300x300.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/N0172-150x150.jpg 150w\" sizes=\"(max-width: 266px) 100vw, 266px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Sophie-Mayuko Vetter ist eine au\u00dfergew\u00f6hnliche K\u00fcnstlerin:\nSie ist als eine von nur sehr wenigen Interpretenpers\u00f6nlichkeiten sowohl auf\ndem modernen Konzertfl\u00fcgel \u201ezu Hause\u201c als auch auf allerlei historischen\nFortepiani, und \u2013 wichtig zu erw\u00e4hnen \u2013 sie hat in beiden F\u00e4chern eine\nfundierte Ausbildung genossen, wie sich \u00fcberhaupt der Lebens- und\nAusbildungsverlauf der Pianistin sehr beeindruckend liest: Klavier-Studium bei\nEdith Picht-Axenfeld, Leon Feuchtwanger und Vitaly Margulis, Musikwissenschaft\nbei Claus-Steffen Mahnkopf und Peter G\u00fclke, historische Auff\u00fchrungspraxis bei\nRobert Hill. Man fragt sich, ob man sich wundern soll oder ob es vielmehr nur\nfolgerichtig ist, dass eine so ausgebildete Interpretin zudem einen eigenen\nStil entwickeln konnte, der mit dem aktuellen, durch eine Weltersteinspielung\nsehr aufsehenerregenden Beethoven-Album beim Label Oehms im Status der Reife\nangekommen zu sein scheint.<\/p>\n\n\n\n<p>Zu h\u00f6ren ist auf Sophie-Mayuko Vetters neuer CD in\nWeltersteinspielung ein Fragment von Beethovens sechstem Klavierkonzert\n(vervollst\u00e4ndigt von Nicholas Cook und Hermann Dechant), das bekannte zweite\nKlavierkonzert Beethovens Op. 19 sowie das immer noch vergleichsweise selten zu\nh\u00f6rende Jugendkonzert in Es-Dur WoO 4.<\/p>\n\n\n\n<p>Sophie-Mayuko Vetter erweist sich als eine mit allen Wassern\ngewaschene Pianistin, die sozusagen \u00fcber den Belangen der Spieltechnik steht\nund gerade deswegen in der Lage ist, eine im besten Sinne poetische\nInterpretation aller St\u00fccke zu erreichen. Peter Ruzicka, seines Zeichens\nDirigent, Komponist und Intendant in Personal-Union, ist mit den vorz\u00fcglich\naufgelegten Hamburger Symphonikern ein kongenialer Partner. Und auch die\nhervorragende Tontechnik tut hier ein \u00dcbriges hinzu.<\/p>\n\n\n\n<p>Nat\u00fcrlich kann man sich trefflich \u00fcber bestimmte Aspekte\nstreiten: W\u00e4re das eingespielte, rekonstruierte Fragment des ersten Satzes\neines sechsten Klavierkonzerts wirklich so im Sinne Beethovens? Fragt man mich,\nso w\u00fcrde ich sagen: Wahrscheinlich nicht, denn Beethoven war ein akribischer\nAusarbeiter und h\u00e4tte die bisweilen d\u00fcrftigen Themen sicherlich noch viele Male\numgearbeitet, um ein Ergebnis zu erzielen, das seinen Anspr\u00fcchen gen\u00fcgt h\u00e4tte.\nIch w\u00fcrde aber auch sagen, dass das Anh\u00f6ren dieses Re-Konstrukts sehr viel\nFreude macht und die Einspielung sicherlich sehr lohnenswert war.<\/p>\n\n\n\n<p>Das eigentliche Highlight des Albums ist f\u00fcr mich das\nKlavierkonzert Nr. 2, Op. 19, das Sophie-Mayuko Vetter mindestens auf Augenh\u00f6he\nmit auch den gr\u00f6\u00dften Beethoven-Interpreten der zumindest j\u00fcngeren Vergangenheit\ninterpretiert. Zum Gl\u00fcck verfallen weder sie noch Ruzicka dem Drang, die Tempi\nzu schnell zu nehmen, und so ist dieses vielleicht zarteste aller\nBeethoven-Konzerte in dieser Einspielung schier ein Gedicht! Besonders\nauff\u00e4llig hierbei auch die ausgezeichneten Holz- und Blechbl\u00e4ser der Hamburger\nSymphoniker. Ja, wirklich in allen Bereichen ist das eine ganz ausgezeichnete\nAufnahme, und man w\u00fcrde sehr gern auch noch andere Beethoven-Konzerte aus den\nH\u00e4nden Vetters entgegennehmen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ob es hingegen nun das Jugendkonzert WoO 4 sein musste,\nlasse ich da mal dahingestellt. Sicherlich ist dieses St\u00fcck ein eindrucksvolles\nBeispiel f\u00fcr Beethovens jugendliche Fr\u00fchreife, und es ist eine gute Erinnerung\ndaran, weil man Beethoven selten mit dieser fr\u00fchen Reife in Bezug setzt,\nsondern eher den Fokus auf seine \u201etitanischen\u201c Sp\u00e4twerke legt. Gleichwohl ist\ndie Komposition im direkten Umfeld einfach erkennbar nicht gleichrangig und\ndann auch noch am Ende des Albums platziert, sodass sich der Eindruck eines\nkompositorischen R\u00fcckschritts f\u00f6rmlich aufdr\u00e4ngt. Chronologisch hingegen war es\nja anders herum.<\/p>\n\n\n\n<p>Sophie-Mayuko Vetter spielt bei der Aufnahme dieses\nJugendwerks einen historischen Broadwood-Fl\u00fcgel von der Art, wie ihn auch\nBeethoven unter seinen Instrumenten gehabt haben k\u00f6nnte.<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist erstaunlich, dass der Zusammenklang von historischem\nInstrument und modernem Sinfonieorchester so gut funktioniert, und es ist\nbemerkenswert, dass die Interpretin auch auf diesem gewiss nicht einfach zu\nbeherrschenden Instrument ihren pers\u00f6nlichen Stil beibehalten kann und auch\nnicht in Versuchung kommt, affektierte Manierismen der historischen\nAuff\u00fchrungspraxis aus dem K\u00f6cher zu holen.<\/p>\n\n\n\n<p>Und so bleibt festzuhalten, dass wir hier ein\nBeethoven-Album haben, das zwar polarisieren wird, das zwar zu Diskussionen und\ndem Austausch von Meinungen f\u00f6rmlich herausfordert, das aber gerade deshalb so\nerfrischend und positiv ist, weil dies zum Beginn des \u201eBeethoven-Jahres\u201c 2020\ngeschieht, in dem wir Polarisierung, Debatte und Austausch viel n\u00f6tiger\nbrauchen als leere Marketing-H\u00fclsen und tausendmal Aufgew\u00e4rmtes. Insofern: Hut\nab vor Sophie-Mayuko Vetter! M\u00f6ge sie ihrer Linie treu bleiben und weiterhin so\nspannende Entdeckungen zu Geh\u00f6r bringen! Einspielungen von \u201eStandardrepertoire\u201c\nhaben wir wahrlich genug.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>[Gilbert Praetorius, Dezember 2019]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ludwig van Beethoven: Klavierkonzerte Nr. 6 (Weltersteinspielung Fragment), Nr. 2, Op. 19 und Nr. \u201e0\u201c (WoO 4); Symphoniker Hamburg \u2013 Peter Ruzicka; Sophie-Mayuko Vetter (Klavier) Oehms OC1710\/EAN: 4260330917102 Sophie-Mayuko Vetter ist eine au\u00dfergew\u00f6hnliche K\u00fcnstlerin: Sie ist als eine von nur sehr wenigen Interpretenpers\u00f6nlichkeiten sowohl auf dem modernen Konzertfl\u00fcgel \u201ezu Hause\u201c als auch auf allerlei historischen &hellip; <a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2019\/12\/20\/das-beethovenjahr-beachtlich-einlaeuten\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Das Beethovenjahr beachtlich einl\u00e4uten<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":19,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[13],"tags":[86,3045,2853,3450,3449],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3616"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/19"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3616"}],"version-history":[{"count":1,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3616\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3618,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3616\/revisions\/3618"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3616"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3616"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3616"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}