{"id":3620,"date":"2019-12-24T12:04:39","date_gmt":"2019-12-24T11:04:39","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=3620"},"modified":"2019-12-29T20:00:06","modified_gmt":"2019-12-29T19:00:06","slug":"mit-liszt-unterm-weihnachtsbaum","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2019\/12\/24\/mit-liszt-unterm-weihnachtsbaum\/","title":{"rendered":"Mit Liszt unterm Weihnachtsbaum"},"content":{"rendered":"\n<p>Musicom, CD 010227; EAN: 4 030606 102279<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/N0175.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3631\" width=\"316\" height=\"296\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/N0175.jpg 597w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/N0175-300x281.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 316px) 100vw, 316px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><em>J\u00fcrgen Plich spielt\nzwei Werke von Franz Liszt, die nicht durch oberfl\u00e4chliche Virtuosit\u00e4t gl\u00e4nzen,\nsondern innermusikalisch ersp\u00fcrt werden m\u00fcssen: Die etwa 1850 entstandenen\nsechs \u201eConsolations\u201c und der zw\u00f6lfteilige Zyklus \u201eDer Weihnachtsbaum\u201c von 1874.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Im Alter wandte sich Liszt immer weiter der \u00fcbersch\u00e4umenden\nVirtuosit\u00e4t ab und versuchte, seine musikalischen Ideen auf das Wesentlichste\nzu reduzieren. Als erster Wegweiser in diese Richtung dienen die sechs\nConsolations, also Tr\u00f6stungen, die er auch als \u201eSechs poetische Gedanken\u201c\nbetitelte. Sie geh\u00f6ren zweifelsohne alle zu den gehaltvollsten Werken Liszts,\nschaffen zartes Gef\u00fchl und sprechen an mit grenzenloser Ehrlichkeit.<\/p>\n\n\n\n<p>Der knapp 25 Jahre sp\u00e4ter komponierte Zyklus \u201eDer\nWeihnachtsbaum\u201c verknappt die Musik noch weiter hin zu einem kargen und teils\ntrostlosen Stil, in dem nur das Wesentlichste gesagt wird. Immer wieder f\u00e4llt\ndie Musik in die Einstimmigkeit, wiederholt den gleichen Gedanken auf gleiche\nWeise und gibt Pausen zentralen Stellenwert. Die so entstandenen St\u00fccke sind\nvon unterschiedlichster Qualit\u00e4t von recht redundanten St\u00fccken bis zu wahren\nMeisterwerken, die im <em>Scherzoso<\/em> und\nin <em>Ehemals<\/em> gipfeln. Von den\nVolksliedbearbeitungen darf <em>Adeste\nFideles<\/em> beachtet werden und auch das <em>Glockenspiel<\/em>\nzeugt von Liszts F\u00e4higkeit, ein au\u00dfermusikalisches Bild auf wenige Noten\nverknappt zu vertonen. <\/p>\n\n\n\n<p>Pianistisch beeindruckt die F\u00e4higkeit J\u00fcrgen Plichs, in die\nMusik hineinzuhorchen und von den Noten zu abstrahieren. Plich erforscht, um\nwas es in der Musik geht, was sie ausdr\u00fccken will, und setzt dies um. So\nentsteht ein zutiefst pers\u00f6nliches und mitf\u00fchlendes Resultat, das uns als\nMensch anspricht und die perfekte \u00dcbermittlung der Intention des Komponisten\nhin zum H\u00f6rer darstellt, so dass dieser sich automatisch \u00f6ffnet und die Musik\nin sich hineinstr\u00f6men l\u00e4sst. Selbst die kompositorisch wenig ansprechenden,\nbeinahe trostlosen Weihnachtsliedbearbeitungen Liszts erhalten so ein Zentrum\nund eine Konzentration, dass sie dennoch ihre Wirkung nicht verfehlen. Des Weiteren\nbesticht die pure, sangliche Linienf\u00fchrung Plichs, die in manchen Passagen\nbesonders bei den Consolations f\u00f6rmlich zu glimmen und zu leuchten beginnt. Wir\nmeinen fast, ein Orchester spiele diese zarten Melodien.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>[Oliver Fraenzke,\nDezember 2019] <\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Musicom, CD 010227; EAN: 4 030606 102279 J\u00fcrgen Plich spielt zwei Werke von Franz Liszt, die nicht durch oberfl\u00e4chliche Virtuosit\u00e4t gl\u00e4nzen, sondern innermusikalisch ersp\u00fcrt werden m\u00fcssen: Die etwa 1850 entstandenen sechs \u201eConsolations\u201c und der zw\u00f6lfteilige Zyklus \u201eDer Weihnachtsbaum\u201c von 1874. 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