{"id":3648,"date":"2020-01-13T09:51:55","date_gmt":"2020-01-13T08:51:55","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=3648"},"modified":"2020-01-13T09:51:58","modified_gmt":"2020-01-13T08:51:58","slug":"zu-viert-auf-reisen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2020\/01\/13\/zu-viert-auf-reisen\/","title":{"rendered":"Zu viert auf Reisen"},"content":{"rendered":"\n<p>Solo Musica, SM 335; EAN: 4 260123 643355<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/N0180.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3649\" width=\"315\" height=\"315\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/N0180.jpg 900w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/N0180-300x300.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/N0180-150x150.jpg 150w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/N0180-768x768.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 315px) 100vw, 315px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><em>Das Voyager Quartet\n(Nico Christians, Maria Krebs, Andreas H\u00f6richt, Klaus K\u00e4mper) pr\u00e4sentiert uns\neine Aufnahme von Schuberts Winterreise, transkribiert f\u00fcr Streichquartett von\nihrem Bratschisten Andreas H\u00f6richt. Zw\u00f6lf von Schuberts Liedern bearbeitete\nH\u00f6richt und f\u00fcgte ein Preludio sowie elf \u00fcberleitende Intermezzi aus eigener\nFeder hinzu.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDie Musik ist so ausdrucksstark und entwickelt einen\nsolchen assoziativen Sog, dass sie auch auf den Text verzichten kann. Er\nschwingt ungesagt mit. So entsteht Freiheit f\u00fcr eigene R\u00e4ume und Wege.\u201c So\nlegitimiert Andreas H\u00f6richt seine Transkription der Winterreise f\u00fcr\nStreichquartett, die er mit dem Voyager Quartet auf dieser CD eingespielt hat.\nInwiefern sich diese These bewahrheitet, liegt wohl im subjektiven Empfinden\nund h\u00e4ngt nicht zuletzt von der Kenntnis des Originals zusammen. Ich kann also\nnur f\u00fcr mich sprechen, den der Liederzyklus schon viele Jahre verfolgt und der\nich zumindest einen Teil der Lieder selbst einstudiert habe. F\u00fcr mich schwingt\nder Text und dessen Ausdruck tats\u00e4chlich in dieser Bearbeitung mit, so dass ich\ndie Reise beim H\u00f6ren nachvollziehen kann und meinen Fokus parallel auf die\ndurch die Besetzung intensivierten Gegenstimmen und harmonischen Verl\u00e4ufe\nrichten kann. Aber wirkt dies ebenso, wenn man die Winterreise nicht oder nur\nfl\u00fcchtig kennt?<\/p>\n\n\n\n<p>Andreas H\u00f6richt schuf ein kompositionstechnisch hochwertiges\nArrangement, das nicht nur die erste Violine mit dem Gesang betraut, sondern\ndie Stimme zwischen den vier Instrumenten aufteilt. Die st\u00e4rksten Stellen sind\ngerade die, wo die tiefen Instrumente die Gesangslinie erhalten, wor\u00fcber dann\ndie hohen Streicher fragmentarische Motive anklingen lassen. Folglich handelt\nes sich hier nicht um eine blo\u00dfe Aussetzung der Klavierstimme, sondern um eine\neigenst\u00e4ndige Fassung, in die teils neue Gegenstimmen hineinspielen. <\/p>\n\n\n\n<p>Nach jedem der Lieder f\u00fcgte H\u00f6richt ein selbstkomponiertes\nIntermezzo ein und greift dadurch die damalige Praxis auf, die einzelnen St\u00fccke\ndurch meist improvisierte \u00dcberleitungen zu verbinden. Dieses Prinzip angewandt\nauf die Winterreise kennt man vor allem durch Hans Zenders komponierte\nInterpretation des Zyklus. Die Intermezzi fallen gemischt aus: Manche schaffen\neinen galanten \u00dcbergang zum Folgenden und f\u00fcgen sogar Fetzen aus anderen\nLiedern hinzu, so dass eine gr\u00f6\u00dfere Dimension entsteht; andere aber wirken\nstilistisch zu fremd und rei\u00dfen den H\u00f6rer zu sehr aus der einheitlichen Welt\nSchuberts heraus. Um die Konzentration aufrecht zu erhalten, ist dies durchaus legitim,\ndoch stehen die stilfremden Intermezzi daf\u00fcr an den falschen Stellen: so werden\nwir beispielsweise schon nach \u201eGute Nacht\u201c aus der Bahn geworfen, wo wir uns\ngerade erst in die Welt Schuberts einleben.<\/p>\n\n\n\n<p>Durch die neue Besetzung wandelt sich selbstverst\u00e4ndlich\nauch die Art der Wiedergabe. Die Grunddynamik liegt eine Stufe h\u00f6her als bei\neinem S\u00e4nger mit Klavierbegleitung, die Tempi werden teils modifiziert und es\nentsteht eine gr\u00f6\u00dfere Polyphonie, in die sich die Gesangsmelodie\ngleichberechtigt einordnet. Dabei vermisse ich die Fragilit\u00e4t einer\nmenschlichen Stimme und den gr\u00f6\u00dferen Ambitus an Klangschattierungen allein durch\nbestimmte Vokale; au\u00dferdem fehlt mir die qu\u00e4lende Ruhe, die bis an den Rand der\nUnh\u00f6rbarkeit gesteigert werden kann. Das Quartett pr\u00e4sentiert mehr den Fluss\nund das Voranschreiten, schafft dadurch allerdings eine andere Art der\nZeitlosigkeit. Hervorzuheben ist die Qualit\u00e4t, dass die vier Musiker im\ngleichen Atem spielen und so wie die originale Klavierstimme als Einheit\nfungieren und gleichzeitig doch die Stimmvielfalt autonomer darstellen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>[Oliver Fraenzke,\nJanuar 2020]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Solo Musica, SM 335; EAN: 4 260123 643355 Das Voyager Quartet (Nico Christians, Maria Krebs, Andreas H\u00f6richt, Klaus K\u00e4mper) pr\u00e4sentiert uns eine Aufnahme von Schuberts Winterreise, transkribiert f\u00fcr Streichquartett von ihrem Bratschisten Andreas H\u00f6richt. Zw\u00f6lf von Schuberts Liedern bearbeitete H\u00f6richt und f\u00fcgte ein Preludio sowie elf \u00fcberleitende Intermezzi aus eigener Feder hinzu. \u201eDie Musik ist &hellip; <a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2020\/01\/13\/zu-viert-auf-reisen\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Zu viert auf Reisen<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[13],"tags":[3479,87,3478,3477,695,3480],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3648"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3648"}],"version-history":[{"count":1,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3648\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3650,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3648\/revisions\/3650"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3648"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3648"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3648"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}